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Prozess am Amtsgericht

Bewährung für Messerangriff im Krankenhaus Stadthagen

STADTHAGEN. Ein Bückeburger (59) nimmt starke Schmerzmittel zusammen mit Alkohol. Mit Verdacht auf Alkoholvergiftung wurde er ins damalige Stadthäger Krankenhaus gebracht. Dort stach er mit seinem Einhandmesser gezielt nach einer Krankenschwester. „Er versuchte, mich abzustechen“, sagt sie. Jetzt kam es zum Prozess.

veröffentlicht am 23.01.2019 um 16:27 Uhr

Im Krankenhaus Stadthagen stach der Bückeburger gezielt nach einer Krankenschwester. Symbolbild: dpa

Autor:

Stefan Lyrath
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STADTHAGEN. Fast ein Dutzend Operationen hat ein Bückeburger (59) nun schon hinter sich. Trotzdem sind seine Rückenschmerzen an manchen Tagen unerträglich. Der 29. Oktober 2016 war ein solcher Tag.

In seiner Verzweiflung spülte der 59-Jährige starke Schmerzmittel mit größeren Mengen an Alkohol herunter und landete daraufhin mit Verdacht auf Alkoholvergiftung im damaligen Stadthäger Krankenhaus. Dort stach er mit seinem Einhandmesser viermal gezielt nach einer Krankenschwester, verfehlte die Frau aber.

„Er versuchte, mich abzustechen“, so die 59-Jährige. Gegen den Angriff verteidigte sich die Schwester, indem sie zur Abwehr einen jener Galgen hochhielt, die sonst Patienten zum Aufrichten im Krankenbett dienen. Nachdem der Mann festgenommen worden war, ergab eine Blutprobe bei ihm rund 2,7 Promille.

Der Bückeburger wusste nicht, was er tat. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge war er damals unzurechnungsfähig und darf deshalb zumindest nicht wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung bestraft werden, dem eigentlichen Tatbestand.

Für solche Fälle gibt es jedoch einen sogenannten Auffang-Paragrafen: Wegen vorsätzlichen Vollrausches hat das Amtsgericht in Stadthagen gegen den Angeklagten jetzt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten verhängt, deren Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt.

„Der Frau gilt mein volles Mitleid“, sagte Richter Kai Oliver Stumpe. „Mein Mitleid mit dem Angeklagten hält sich in Grenzen, denn er hat gezeigt, dass er aufhören kann“, spielte Stumpe darauf an, dass der 59-Jährige jetzt seit Juli 2017 von sich aus abstinent lebt.

Von der zwangsweisen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für Suchtkranke sah das Gericht ab, weil der Gutachter nur noch mäßige Wiederholungsgefahr sieht. Die Gefahr müsste jedoch akut sein.

In seiner Expertise kommt der Sachverständige sinngemäß zu dem Schluss, dass Alkohol und Medikamente in Verbindung mit einer bereits bestehenden Schädigung des Gehirns, Letzteres zum Beispiel durch langjährigen Alkoholmissbrauch, zu einer vorübergehenden psychischen Störung geführt haben. Der Mann habe sich bedroht und angegriffen gefühlt.

„Mein Mandant hat sich berauscht, um seine Schmerzen zu bekämpfen“, erklärt Verteidiger Lars Hinners. Der 59-Jährige leidet außerdem an Depressionen und hat bereits einen Suizidversuch unternommen.

Ins Krankenhaus war der Bückeburger damals mit dem Rettungswagen gekommen. Nach seiner Einlieferung wollte er verfrüht wieder gehen, verlor jedoch die Orientierung und landete im Keller, wo er sich bald mehreren Krankenschwestern gegenübersah. Dort kam es zu dem Übergriff.

Der Angeklagte habe sich „wie ein in die Ecke gedrängtes Tier“ gefühlt, stellte Staatsanwalt Timo Goldmann fest. Dass ihr nichts Schlimmeres passiert ist, verdankt die attackierte Schwester möglicherweise einem Besucher (28) aus Stadthagen, der dem Angreifer das Messer wegnahm und ihn gegen die Wand drückte.

Danach begann der Bückeburger hemmungslos zu weinen. „Er hat die ganze Zeit wirres Zeug geredet und zum Beispiel gesagt, dass großes Unheil geschehen wird“, erinnert sich ein Polizist. Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte jetzt bei seinem Opfer. Die Frau nahm an.




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