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Johanne Häusler blickt nach 104 Jahren auf ihr Leben zurück

Dank Ziegenmilch alt werden

STADTHAGEN. Ein Geheimrezept für das Alter? Das hat auch Johanne Häusler nicht. Dabei ist die Bewohnerin des Josua-Stegmann-Heims in Stadthagen Anfang Oktober 104 Jahre alt geworden. „Immer gesund Leben“, heißt ihr Tipp, „viel in der Natur sein, frische Ziegenmilch trinken und viel Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten essen.“ Mit diesem Rezept hat Häusler ein bewegtes Leben hinter sich gebracht.
Als ziemlich gleichmäßig beschreibt sie allerdings selbst ihre Lebenskurve. „Natürlich gab es gute und schlechte Tage, aber uns hat es früher auch immer gefallen.“ Nur die Erinnerungen an den Krieg scheint die 104-Jährige möglichst verdrängen zu wollen.

veröffentlicht am 19.10.2018 um 04:27 Uhr

Johanne Häusler freut sich über die Geburtstagsblumen. FOTO: ISA

Autor:

isabell remmers
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STADTHAGEN. Aufgewachsen ist Häusler zusammen mit sechs Geschwistern in einem kleinen Ort bei Dortmund in Westfalen. Ihr Vater hat immer viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder raus in die Natur gehen und im Haushalt unterstützen. „Meine Mutter hat uns alles über die Arbeit im Haushalt beigebracht.“ Das ebnete auch ihren späteren beruflichen Weg. Als Haushälterin hat sie sich aber nicht nur ums Putzen gekümmert, sonder vor allem auch die Kinder ihrer Arbeitgeber versorgt. Dabei hatte sie am meisten Spaß. „Die Kinder waren immer gern bei mir. Am Ende des Tages haben sie immer gerufen: ,Wir wollen bei Hanni bleiben!‘“, erinnert sich die 104-Jährige.

Ihren Weg nach Stadthagen fand Häusler dann durch ihre Familie. Ihre Mutter ist gebürtig aus Riehe und schickte die Jungs der Familie damals zurück nach Schaumburg, da es in Westfalen nicht genügend Arbeitsplätze gab. „Wir haben uns dann immer gegenseitig besucht und irgendwann bin ich in Riehe hängen geblieben.“

Hier fand sie dann auch ihren Mann, der jedoch früh verstarb – „für mich zumindest viel zu früh. Danach habe ich auch nie wieder geheiratet.“ Eine große Familie hat Häusler aber trotzdem. Zwar hat sie keine eigenen Kinder, durch ihre Arbeit hat sie aber ein Zwillingspaar bei sich aufgenommen und es groß gezogen. Mittlerweile hat die 104-jährige auch Enkel und Urenkel. „Meine Urenkel haben mir zum Geburtstag eine Karte aus dem Urlaub geschickt. Das hat mich sehr gefreut.“

Auch wenn sie zufrieden auf ihr Leben zurückblickt, gibt es Einiges, was sie gerne anders gemacht hätte. „Wer hat das nicht? Man denkt sich: hätte ich doch besser dieses oder jenes gemacht.“ Häusler hätte früher gerne studiert. Handarbeiten oder Musik liegen ihr besonders. „Aber mein Vater hat immer gesagt: Er hat sieben Kinder. Wenn er einem erlaubt zu studieren, muss er es allen erlauben.“

Die Musik ist bis heute dennoch ein wichtiger Bereich in ihrem Leben. Zusammen mit anderen Bewohnern des Altersheims hat sie früher gesungen. Mittlerweile hat ihre Stimme nachgelassen. „Aber ab einem gewissen Alter muss man dem Körper das auch zugestehen.“ Dafür horcht sie jetzt oft, wenn die anderen Bewohner singen. Oder sie liegt in ihrem Bett und sagt sich ihre Lieblingslieder auf.

Zu ihrem 104. Geburtstag, sowie zu dem einer weiteren Bewohnerin im Josua-Stegmann-Heim gratulierten auch Bürgermeister Oliver Theiß und die Stellvertreterin des Landrats, Helma Hartmann-Grolm. Von der Leitung des Pflegeheims bekam sie einen Blumenstrauß mit einer Sonnenblume überreicht. „Sonnenblumen mag ich sehr“, freute sich die 104-Jährige.




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