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Täter gehen mit äußerster Gewalt vor

Hiller Dreifachmord: Das ist über Jörg W. und Kevin R. bekannt

STADTHAGEN/HILLE. Aus Habgier sollen Jörg W. und Kevin R. im Hiller Ortsteil Neuenbaum drei Menschen getötet haben. Am Montag, 3. September, beginnt am Bielefelder Landgericht der Prozess wegen heimtückischen Mordes. Das sind die mutmaßlichen Täter und deren Opfer.

veröffentlicht am 28.08.2018 um 10:28 Uhr

Jörg W. steht von Montag an wegen heimtückischen Mordes in Bielefeld vor Gericht. Quelle: Archiv
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STADTHAGEN/HILLE. Aus Habgier sollen Jörg W. und Kevin R. im Hiller Ortsteil Neuenbaum drei Menschen getötet haben, zwei vergruben sie im Garten. Einen Dritten fand die Polizei erschlagen in einer Scheune. Am kommenden Montag, 3. September, beginnt am Bielefelder Landgericht der Prozess wegen heimtückischen Mordes. Das sind die mutmaßlichen Täter und deren Opfer.

Jörg W.

2012 zieht der vermeintliche Dreifach-Mörder mit seiner Familie von Duisburg nach Hille. Wie zuvor im Ruhrgebiet betreibt der 51-Jährige in Neuenbaum gemeinsam mit seiner Frau einen Hof. Geld verdienen sie mit Reitunterricht und dem Unterstellen von Pferden. Außerdem geht Jörg W. diversen Jobs bei Personaldiensten nach. In Gesprächen mit Nachbarn thematisiert er gerne seine Zeit in der Fremdenlegion von 1989 bis 1991, aus der er aufgrund einer Verletzung ehrenhaft entlassen wurde, wie die Ermittler später herausfinden.

Am 5. März wird W. von seiner Frau als vermisst gemeldet. Wenig später findet die Polizei den Leichnam des Stadthägers Fadi S. auf dem Nachbarhof von W., zu dem der Ex-Fremdenlegionär Zugang hat. Er gilt schnell als tatverdächtig. Am Abend des 10. März wird der Hiller kurz vor der österreichischen Grenze in Reit im Winkl festgenommen. Zeugen entdeckten seinen Mercedes in der Nähe einer Polizeistation. Bei seiner Festnahme werden bei dem Hiller die EC-Karten zweier Personen gefunden, die sich später als weitere Opfer herausstellen. Am Morgen des 11. März erlässt die Staatsanwaltschaft Bielefeld Haftbefehl wegen Mordes und ordnet Untersuchungshaft an – Jörg W. streitet den Mord an Fadi S. zunächst ab. Als am 14. März auf seinem Grundstück zwei weitere Leichen gefunden werden, hat er die erste Tat bereits gestanden. Am 16. März wird Jörg W. in die JVA Bielefeld-Brackwede verlegt. Er schweigt bis heute zu den Vorwürfen.

Kevin R.

Der 24-jährige Zeitsoldat aus Duisburg ist der Patensohn von Jörg W.s Frau und lebt gemeinsam mit dem Ehepaar auf dem Hof in Neuenbaum. Er nimmt am Dorfleben teil, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Bekannte bezeichnen ihn als „freundlich, mitunter aber auch ein bisschen großspurig“.

Bei einer frühen Vernehmung Mitte März können ihm die Ermittler zunächst keine Verbindung zu den Morden nachweisen. Erst Auswertungen von SMS-Verkehren bringt sie auf seine Spur. Am 12. April nimmt ihn die Polizei an seinem Arbeitsplatz in Husum fest. Zunächst heißt es, der 24-Jährige sei bei allen drei Tötungen anwesend, aber nicht beteiligt gewesen. In seinen Aussagen belastet Kevin R. seinen Ziehvater schwer. Später teilen die Ermittler mit, dass auch der 24-Jährige wegen Dreifach-Mordes angeklagt wird. Seit seiner Festnahme sitzt er in Bielefeld in U-Haft.

Gerd F.

„Er war eine tragische Gestalt“, sagen Bekannte über den getöteten Rentner. Der 71-Jährige gilt als jähzornig. Er lebt nach dem Tod seiner Frau allein auf einem Hof in unmittelbarer Nachbarschaft zu Jörg W. Der Kontakt zu seinen Geschwistern ist schon lange abgebrochen. Da F. schwerer Alkoholiker ist, erklärt Jörg W. das Verschwinden des Rentners gegenüber Dritten damit, dass dieser sich in einer Entzugsklinik befinde. Der mutmaßliche Täter hat einen Schlüssel zum Haus des Rentners. Die Ermittler finden heraus, dass er dort bereits mit Renovierungen angefangen hat – die Leiche des 71-Jährigen hat er in seinem Garten zwischen Bäumen vergraben.

Gerd F. soll laut Anklage von W. im August 2017 in seinem Haus getötet worden sein – er wird von W. und R. die Kellertreppe hinuntergestoßen, mit einem Ziegelstein schlagen sie auf Kopf und Oberkörper ein. Die mutmaßlichen Täter sollen dann auf ihn eingetreten und ihn gewürgt haben. Das Motiv für den Mord ist laut Ermittlern Habgier. Jörg W. kassierte die 1300 Euro Rente des 71-Jährigen. Gerd F. ist anonym in Hille beigesetzt.

Jochen K.

Am 13. März beginnen die Ermittler mit der Suche nach Jochen K. Der 64-Jährige, der auf dem Hof von Jörg W. lebt und arbeitet, ist da bereits sieben Monate tot. Gegenüber Dritten behauptet W., Jochen K. habe eine Freundin in Niedersachsen und sei bei ihr. „Er war eine Seele von Mensch“, sagt die Bewohnerin eines Hofes in Mindenerwald, wo Jochen K. zuvor als Knecht gearbeitet und in einem Wohnwagen geschlafen hat. 2014 wird ihm ein Finger amputiert, infolge dessen raten die Ärzte ihm, aus dem Wohnwagen auszuziehen. Jochen K. zieht dann bei Jörg W. ein.

K. wird laut Ermittlungen der Mordkommission am Abend des 26. August 2017 getötet. Die mutmaßlichen Dreifach-Mörder schlagen mit einem Pflasterstein von hinten auf seinen Kopf ein, anschließend – als er schon am Boden liegt – auf dessen Brust und Rücken. W. wird außerdem beschuldigt, viermal mit einem Kampfmesser in den Rücken des Opfers gestochen zu haben. Jochen K.‘s Bargeld teilen Jörg W. und Kevin R. unter sich auf. Seinen Besitz – einen Traktor und ein Moped – soll W. im Spätsommer zum Verkauf angeboten haben.

Fadi S.

Der 30-jährige Stadthäger gehört einer libanesischen Großfamilie an, ist zweifacher Vater und gelernter Maurer. Fadi S. und Jörg W. sind Geschäftspartner. Sie wollen, so rekonstruieren es die Ermittler, mit einem eigenen Unternehmen Altbauten sanieren und mit Gewinn auf dem Immobilienmarkt verkaufen. W. soll den Libanesen dabei allerdings um 5000 Euro betrogen haben. Als dieser auf die Einhaltung des Geschäfts besteht, kommt es zum tödlichen Streit.

Seine Familie meldet den 30-Jährigen am 4. März als vermisst. Im Zusammenhang mit seinem Verschwinden versuchen zwei 22-jährige Trittbrettfahrer, die Familie zu erpressen – sie stellen sich schließlich freiwillig bei der Polizei und müssen sich demnächst vor Gericht verantworten. Die Leiche von S. findet die Polizei am 9. März in der Scheune von Gerd F.. Bei einem Treffen mit Jörg W. und Kevin R. am 4. März sollen sie den Stadthäger mit Hammerschlägen gegen den Kopf getötet haben. Er ist auf einem Friedhof in Hannover bestattet. mt




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