weather-image
Faurecia-Betriebsratschef: „Dahinter steckt jedenfalls keine Glaubwürdigkeit“

Keine schriftliche Garantie

STADTHAGEN. Eine schriftliche Beschäftigungsgarantie für die Stadthäger Faurecia-Mitarbeiter wird es nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Bittner nicht mehr geben. Während einer Belegschaftsversammlung Ende April, auf der die Standortverlagerung nach Hannover angekündigt worden war, hatte die Geschäftsführung diesbezüglich mündliche Signale abgegeben.

veröffentlicht am 08.07.2018 um 13:13 Uhr

270_0900_99365_Faurecia.jpg

Autor:

Stefan Rothe
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Daraufhin hatte Bittner die Konzernleitung zu einer schriftlichen Bestätigung der Beschäftigungsgarantie aufgefordert. Wie Bittner auf Anfrage mitteilt, hat er von Eelco Spoelder, dem für Autositze und damit auch für Stadthagen zuständigen Vice-President des Faurecia-Konzerns, mittlerweile eine schriftliche Antwort auf die Forderung erhalten. Diese enthalte im Kern aber nur die Aussage, dass die Verhandlungen über die Folgen des Standortwechsels mit der Arbeitnehmervertretung von der Stadthäger Faurecia-Leitung geführt würden. Damit werde auch das Thema schriftliche Beschäftigungsgarantie im Prinzip nach Stadthagen verschoben, so Bittner, der das Vorgehen so interpretiert: „Eine schiftliche Bestätigung der Beschäftigungsgarantie ist nicht mehr zu erwarten.“

Bittner fragt sich: „Was steckt dahinter, dass zwar einerseits eine Beschäftigungsgarantie in einer Belegschaftsversammlung mündlich signalisiert, dies aber andererseits nicht schriftlich bestätigt wird?“ Der Betriebsratschef schließt daraus: „Dahinter steckt jedenfalls keine Glaubwürdigkeit.“

Nach Kenntnis von Bittner werden „nach der Sommerpause“ die Termine für die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan festgelegt, die beide durch den Standortwechsel erforderlich werden. Er rechne für den Start mit Terminen im vierten Quartal 2018. „Damit liegen wir gut im Zeitplan, denn beim Standortwechsel reden wir über das Jahr 2020“, so Bittner. Beim Interessenausgleich geht es um die Egalisierung von Nachteilen, die Mitarbeitern durch den Standortwechsel entstehen – zum Beispiel um Mehraufwand durch Fahrtkosten und -zeit. Beim Sozialplan geht es darum, welche Leistungen den Mitarbeitern zustehen, die sich angesichts der Situation für einen Ausstieg aus dem Unternehmen entscheiden.

Derzeit lässt Bittner nach eigenem Bekunden juristisch klären, ob für die Verhandlungen der örtliche Betriebsrat oder der Konzernbetriebsrat zuständig ist. Dabei gehe es letztlich darum, wessen Unterschrift unter den Vereinbarungen steht, denn dass der örtliche Betriebsrat die Verhandlungen führen wird, sei unstrittig. Die juristische Klärung sei aber „wichtig, denn wir wollen ja rechtssichere Vereinbarungen abschließen“, so der Betriebsratschef.

Auf die Frage, wovon die Stimmung in der Belegschaft zwei Monate nach der Ankündigung des Standortwechsels geprägt ist, nennt Bittner zwei Punkte. Bei vielen Mitarbeitern gebe es „Verunsicherung, welcher Strategieplan hinter der Zusammenlegung der Bereiche Autositze (Stadthagen) und Innenraum (Peine) in Hannover steckt“. Denn das werfe für die Betroffenen die Frage auf, ob sich an der jeweiligen Arbeitstätigkeit etwas ändern wird. „Nicht wenige“, beschreibt Bittner eine andere Stimmungslage, würden sich die Frage stellen: „Faurecia hat in der Vergangenheit schon so viel angekündigt, was dann doch nicht eingetreten ist, was ist an der Standortverlegung also dran?“

Auf Anfrage teilte ein Faurecia-Sprecher mit, Spoelder habe in seinem Brief an Bittner bestätigt, was er in der Mitarbeiterversammlung im April mündlich mitgeteilt hatte: „Die aktuellen Planungen sehen vor, alle bereits mehrfach genannten Bereiche in Stadthagen und Peine nach Hannover umzuziehen.“ Ausgenommen vom Umzug bleiben das Produktionswerk in Peine und die Kleinserienfertigung in Stadthagen. „Der Umzug wird frühestens 2020 stattfinden, weshalb zum jetzigen Zeitpunkt keine Garantien ausgegeben werden können“, so der Unternehmenssprecher.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare