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Feuchte Wände als Warnsignal / Teil des heutigen Kulturzentrums stammt aus dem 18. Jahrhundert

Maurer machen Alte Polizei standfest

STADTHAGEN. Die Alte Polizei steht auf ein paar der ältesten noch erhaltenen Mauern der Stadt. 1776, im Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, wurde an dieser Stelle die „Gastwirthschaft Engelking“ gebaut. Fast 250 Jahre später müssen nun die Maurer ran – damit das Kulturzentrum nicht in sich zusammensackt.

veröffentlicht am 22.07.2018 um 16:51 Uhr

Lutz Könnecke und Nikolai Schreiner sanieren das Mehrgenerationenhaus. Foto: jcp

Autor:

jan-Christoph Prüfer
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Aufgefallen ist der Sanierungsbedarf im Erdgeschoss, sagt Geschäftsführer Klaus Strempel. In den Workshop-Räumen toben sich Kinder und Jugendliche kreativ aus, Tanzgruppen üben dort. Der Boden muss einiges aushalten. Und ausgerechnet dort waren die Wände feucht.

Strempel alarmierte das Bauamt. Die Behörde schickte Architekt Hort Faltz und später einen Statiker vorbei. Die Wände waren nämlich nicht das einzige Problem. Stützende Stahlträger im untersten Geschoss waren stark beschädigt. Es gab relative Entwarnung: Die Kurse können bis zum Ende laufen – unter der Bedingung, dass in der Sommerpause ausgebessert wird. Dann allerdings müsse auch wirklich etwas passieren.

Unter dem Workshop-Raum befindet sich ein kleiner Keller, der in der Zeit des Hotels Stadt Bremen von 1886 bis 1922 als Kohlenkeller genutzt wurde. Das Licht fällt durch Fenster mit Schrägen, durch die die Kohle von der Straße ins Untergeschoss des Hauses geschippt wurde.

In den vergangenen Wochen war dies der Arbeitsplatz von Lutz Könnecke und Nikolai Schreiner. Die Maurer kümmerten sich zunächst um die zwölf Stahlträger, die die Kellerdecke stützen. Könnecke und Schreiner befreiten die Träger vom Rost, zogen eine schützende Farbschicht darüber und verstärkten sie mit neu eingezogenen Stahlträgern.

Bei den ursprünglichen Trägern handelt es sich um eine erste stützende Maßnahme vom Ende der Achtziger, als Jahre nach dem Auszug der Polizei wieder Leben ins Haus kam. Die Wände des sogenannten preußischen Kappengewölbes sind derweil aus Sandstein und stammen aus der Entstehungszeit des Gasthauses im 18. Jahrhundert.

Durch diesen Sandstein drang auch die Feuchtigkeit, die sich im Erdgeschoss an den Wänden bemerkbar gemacht hat. „Und Sandstein kann man nicht gegen Feuchtigkeit schützen, das ist im Grunde unmöglich“, sagt Lutz Könnecke. Darum wird bei diesem zweiten Problem ein Stockwerk höher angesetzt.

Dort bestehen die Wände aus Klinkersteinen. In diese bohren Schreiner und Könnecke Löcher und füllen eine sogenannte Verkieselung hinein. Diese läuft wie eine Art harzige Flüssigkeit in die Fugen und dehnt sich bei Feuchtigkeit aus. Fortan sollte sich Nässe entsprechend nicht mehr ausbreiten können.

Für Strempel ist es eines der letzten großen Projekte als Geschäftsführer. Ende Oktober geht er in den Ruhestand (wir berichteten). Anfang August, denkt er, sind die Arbeiten erledigt und die Alte Polizei steht wieder auf sicherem Fundament. Am 8. geht dann mit einer Percussion Night das Programm wieder los.




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