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Dienstrechtliche Schritte

Missbrauch am eigenen Kind? Psychologen betreuen Schüler und Lehrer

STADTHAGEN. Fassungslosigkeit hat am Donnerstag bei Schülern und Teilen der Lehrerschaft an einer weiterführenden Schule in Stadthagen geherrscht. Ein beliebter Lehrer soll sein eigenes Kind missbraucht und eine Vielzahl an kinderpornografischem Material besessen haben (wir berichteten). Psychologen stehen ihnen zur Verfügung:

veröffentlicht am 06.06.2019 um 17:04 Uhr

Der Stadthäger Lehrer soll sein eigenes Kind missbraucht und im großen Stil Kinderpornografie besessen haben. Quelle: Symbolfoto, Patrick Pleul/dpa

Autor:

Verena Gehring
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STADTHAGEN. Fassungslosigkeit hat gestern bei Schülern und Teilen der Lehrerschaft an einer weiterführenden Schule in Stadthagen geherrscht. Ein beliebter Lehrer soll sein eigenes Kind missbraucht und eine Vielzahl an kinderpornografischem Material besessen haben. Der 36-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Für die Schüler und Lehrer steht seit gestern ein Team von Psychologen zur Verfügung.

Wie die zuständige Landesschulbehörde in Lüneburg mitteilt, wurde die Schule seinerzeit von der Polizei über das Ermittlungsverfahren informiert. Diese wiederum setzte die übergeordnete Behörde in Kenntnis.

Am 25. Mai wurde der Familienvater festgenommen (wir berichteten). Dem Kollegium wurde mitgeteilt, dass der Lehrer „dienstlich nicht zur Verfügung steht“, teilt Bianca Schöneich von der Landesschulbehörde auf Anfrage mit. Neben dem Ermittlungsverfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft prüft die Behörde derzeit, dienstrechtliche Schritte gegen den Pädagogen einzuleiten.

Generell sieht Schöneich keine Handhabe, solche Straftaten im Vorfeld zu verhindern. „Wenn Dinge im Privaten stattfinden, können wir nichts machen.“ Verbrechen wie diese – sollten sie sich im Falle des Stadthäger Lehrers bewahrheiten – kämen „nicht häufig“ vor. Die Landesschulbehörde führe keine Statistik, aber Ermittlungen wie diese seien „sehr selten“, führt die Pressesprecherin weiter aus.

Nach der Berichterstattung über die schwerwiegenden Vorwürfe gegen den Pädagogen war der Fall das Thema an der Einrichtung. Whats-app-Gruppen von Schülern und Lehrern liefen heiß. Ein Vater berichtet davon, dass sein Sohn „geschockt und traurig“ sei. „Der Lehrer war sehr beliebt“, sagt der Vater. Der Beschuldigte habe sich immer freundlich verhalten, sei locker und positiv eingestellt gewesen.

Auch Schöneich berichtet: „In einigen Klassen wurde über das Thema gesprochen.“ Einige Lehrer und auch Schüler seien „verunsichert“ worden ob der Nachrichten aus ihrer Institution. „Der Schulleiter steht zudem in Kontakt mit dem Schultelternrat und ist jederzeit ansprechbar.“

Wie berichtet, waren Fahnder in den USA bei ihren weltweiten Ermittlungen gegen Kinderporno-Ringe im Internet auf den Pädagogen gestoßen. Sie informierten erst die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und diese wiederum die für die Bekämpfung von Kinderpornografie zuständige Staatsanwaltschaft Hannover.

Im Zuge der Auswertungen stießen Beamte auf ein Foto von 2015, das den mutmaßlichen Missbrauch zeigt. Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich bei dem Opfer um den zweijährigen Sohn handeln. Der 36-Jährige wurde daraufhin außerhalb seines Arbeitsplatzes festgenommen. Das Verfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs betreut die Staatsanwaltschaft Bückeburg.

Auch außerhalb der Schule war der 36-Jährige offenbar beliebt und ehrenamtlich engagiert. Schon vor Jahren gründete er mehrere Kinderchöre in Kirchengemeinden. Bis zuletzt war er dem Vernehmen nach noch in einer Gemeinde aktiv.

Bislang geht die zuständige Staatsanwaltschaft in Bückeburg nicht davon aus, dass es – außer dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff auf sein Kleinkind im Jahr 2015 – zu weiteren Taten außerhalb des familiären Umfeldes kam. Doch die polizeilichen Auswertungen des sichergestellten Materials aus Computern des Pädagogen dauern an.

Wie Schöneich mitteilt, werden voraussichtlich auch heute wieder Psychologen in der weiterführenden Schule vor Ort sein, um mit Schülern und Lehrern zu sprechen.




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