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Staatsanwalt rechtfertigt Vorgehen

Nach Razzia in Stadthagen: Eigentümer kritisiert Einsatz

Für „geschäftsschädigend“ und „völlig überzogen“ hält Patrik Volköi die groß angelegte Durchsuchungsaktion in seinen Wohn- und Geschäftsräumen. Staatsanwaltschaft und Polizei hingegen verteidigen den Einsatz mit 140 Beamten.

veröffentlicht am 28.02.2019 um 15:24 Uhr

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Autor:

Verena Gehring
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„Immerhin mussten wir vier Objekte durchsuchen, die sehr groß sind“, sagt Polizeisprecher Axel Bergmann. Ziehe man die 20 Personen für die Einsatzleitung- und Planung ab, fallen noch 120 Beamte auf vier Objekte – pro Liegenschaft 30 Personen. „Das ist bei der Größenordnung der Flächen normal.“

Auch Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig stuft den Einsatz als angemessen ein. „Wir wussten nach der ersten Durchsuchung von Teilen der Wohn- und Geschäftsräume, was auf uns zukommt. Das ist ein enormer Aufwand“, sagt der Behördensprecher. Und: Es sei nicht auszuschließen gewesen, dass bei der zweiten Aktion weitere Waffen gefunden werden, die möglicherweise gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz stoßen.

Inwiefern die Einsatzkräfte fündig wurden, konnte Bergmann gestern noch nicht sagen. Gegenstände, die sichergestellt wurden, müssen erst untersucht werden.

Wie berichtet, waren am Mittwoch eine Einsatzhundertschaft sowie Sprengstoffspürhunde an den vier Objekten des Entrümplers über Stunden im Einsatz: an der Stadthäger Straße, der Echternstraße, der Bergstraße und am Georgschaft. Dabei ging es um mögliche Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie das Waffengesetz.

Volköi selbst versteht die Welt nicht mehr. Der Geschäftsmann hat sich nach der ersten Durchsuchung im November bei Polizei und Unterer Waffenbehörde mehrfach erkundigen wollen, wie er mit Funden bei Haushaltsauflösungen umzugehen habe. „Ich bin von Mitarbeitern beider Behörden eher unfreundlich abgewimmelt worden“, sagt der Stadthäger. So seien von Entrümpelung zu Entrümpelung weitere Patronen und Waffen dazu gekommen, die im täglichen Geschäft „untergegangen“ seien. Immerhin: Branchenkollegen würden die militärischen Funde auf dem Schwarzmarkt verkaufen. „Das mache ich nicht“, betont er. Zu groß sei seine Angst, dass mit seinem Verkauf jemand zu Schaden kommen könnte.

Doch nicht nur inhaltlich findet Volköi den Einsatz „überzogen“. Auch seien die Beamte teilweise „chaotisch“ vorgegangen. Während in seinem Geschäft in Enzen vorsichtig vorgegangen worden sei, hätten Einsatzkräfte in der Halle am Georgschacht unnötig Schränke aufgebrochen. Außerdem hätten Beamte in den Ladenräumen an der Echternstraße Kartons mit Geschirr ausgekippt, seien darüber gelaufen und hätten Räume durchsucht, die er nicht gemietet hat. Volköi: „Ich weiß, sie kommen zum Durchsuchen und nicht, um hier aufzuräumen. Aber es ist immenser Schaden entstanden. Das hätte nicht sein müssen.“

Seine Frau und er hätten sich am Morgen kaum fertigmachen können. „Und dabei habe ich mich bei der ersten Durchsuchung schon kooperativ gezeigt.“ Seine Ehefrau sei mit den Nerven fertig.

Auch zum Vorwurf der Schwarzarbeit will sich der Geschäftsmann äußern. Demnach hat er einen Angestellten, der nebenbei als Hobby an seinen Oldtimern schraubt. „Dafür bekommt er von mir eine Kleinigkeit.“ Da der Mitarbeiter das gegenüber dem Zoll im November angegeben hatte, sei das Verfahren eingeleitet worden.

„Anders als Branchenkollegen ist bei uns jeder angestellt, wir führen Buch und zahlen Steuern“, betont der Stadthäger. „Wir sind eine ganz normale Firma.“

Für die Zukunft wünscht sich Volköi eine Handreichung für den richtigen Umgang mit gefundenen Waffen und Munition. „Ich werde bei Haushaltsauflösungen immer wieder auf Waffen stoßen. Da brauchen wir klare Linien.“




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