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Das Rinteln-Projekt

1. Rintelner Runde diskutiert Innenstadtentwicklung

RINTELN. Im Kamin prasselt das Feuer, und immer wieder springen Funken empor, wie ein Sinnbild für die Gedankensprünge in der Gesprächsrunde, die sich im „Bodega“ versammelt hat. Es geht um Rinteln. Es geht um neue Ideen zur Stadtentwicklung. Es geht darum, wie die Bürger eine treibende Kraft dafür werden können, dass die Stadt eine Zukunft hat. „Man soll auch in Hannover über Rinteln sprechen“, so Jakob Gokl, stellvertretender Chefredakteur der Schaumburger Zeitung und Initiator der „Rintelner Runde“.

veröffentlicht am 02.03.2018 um 14:05 Uhr
aktualisiert am 02.03.2018 um 15:30 Uhr

Claudia Döpke (Schuh Peters v.l.), Arif Sanal (Bodega) , Jakob Gokl (Schaumburger Zeitung) , Jens Maack (Betten Maack) und Wolfgang Hein (Architekt, Vision 12) beteiligten sich an der ersten „Rintelner Runde“.
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

Auf die Idee dazu gebracht hat ihn Arif Sanal von der Bodega, beziehungsweise der „Beach-Bar“ am Weserstrand. Was zunächst als leicht verrücktes Vorhaben galt, als im besten Fall bloße schöne Vision, prägt nun seit drei Jahren das sommerliche Stadtbild und erwies sich als so richtungweisend, dass längst andere Städte dem Rintelner Vorbild folgen. „Wir brauchen mehr von solchen Visionen“, sagt Gokl und bat für eine erste Kaminrunde eine kleine Auswahl Rintelner an den Tisch. Eine weitere „Vision“ schwirrte da schon in den Köpfen herum: Aus der Fußgängerzone könnte eine überdachte Einkaufspassage werden.

Mit dabei: Architekt Wolfgang Hein und die Geschäftsleute Claudia Döpke („Schuh-Peters“), Jens Maack („Betten-Maack“) und Arif Sanal. Allen war klar: Nur wenn es gelingt, eine große Zahl Rintelner Bürger für die Stadtentwicklung zu begeistern, miteinander und nicht gegeneinander, hat Rinteln eine Chance, den kleinen Städten überall drohenden „Trade down“ zu stoppen. Der Brückentor-Komplex, in dem vielleicht ein großes Einkaufszentrum entsteht, und die bevorstehende Umgestaltung des Kollegiumsplatzes – die Stadt befände sich in Aufbruchsstimmung, so Jakob Gokl. Die Sorge dabei: Die eigentliche Innenstadt mit ihren kleineren Geschäften könnte darunter eher leiden, als dass sie gefördert werde.

Die Fußgängerzone als Einkaufspassage, vielleicht sogar überdacht, dazu müsste man die verschiedenen Hausbesitzer und Geschäftsleute in der Weserstraße unter einen Hut bekommen, zum Beispiel, indem sie einen gemeinsamen Immobilienfonds gründen. Jens Maack fiel dazu das Mittelalterstädtchen Bad Münstereifel in NRW ein, das vor ein paar Jahren das Wagnis einging, zusammen mit Investoren, die Altstadt ein großes Outlet-Center umzuwandeln, offenbar mit Erfolg. Die Besucherzahl hat sich seitdem verdoppelt, das zeigt eine lokale Statistik, von einer Million Besuchern pro Jahr auf über zwei Millionen.

„Rinteln hat sehr lange gebraucht, um städtebaulich zu realisieren, dass es eine Stadt an der Weser ist“ Wolfgang Hein Architekt
  • „Rinteln hat sehr lange gebraucht, um städtebaulich zu realisieren, dass es eine Stadt an der Weser ist“ Wolfgang Hein Architekt

Die Besucherzahlen erhöhen, Rinteln überregional noch viel bekannter zu machen, und offensiv mit den Besonderheiten der Stadt werben, das sei ein springender Punkt, meinte Architekt Wolfgang Hein. „Rinteln hat sehr lange gebraucht, um städtebaulich zu realisieren, dass es eine Stadt an der Weser ist“, sagte er. Die Gastronomie hätte noch ganz andere Möglichkeiten, den Weserblick auszunutzen, ebenso der Wohnungsbau, der innenstadtnahen Wohnraum anbieten könnte. „Wo viel Leben ist, entsteht noch mehr Leben“, so Hein.

Das Stichwort „Stadt an der Weser“ ließ ein ganzes Wasser-Konzept aufleuchten: Den Weserradweg direkt mit der Innenstadt verbinden; eine komfortable Yacht-Anlegestelle am Fluss bauen; den Kanu-Club einbeziehen; Wasserski, See-Sauna am Doktorsee und die Möglichkeiten des Alten Hafens zu einem Gesamtangebot für Touristen und Bürger bündeln. „Rinteln hat so viele echte Besonderheiten“, meinte Claudia Döpke. „Ich höre oft, dass man uns um unsere Stadt beneidet“. Der Blumenwall; die Weserpromenaden; die geplante Mountainbike-Anlage; das nahe Möllenbeck mit Kloster und Hof-Café. Warum nicht ein Hostel an der Weser bauen, oder ein Weser-Museum auf dem Stadtwall, oder Pfahlbauten im Doktorsee?

Es sei wichtig, den Mehrwert eines Ortes zu erkennen, darin waren sich alle einig. Und das nicht nur in Bezug auf die städtisch organisierte Stadtplanung, sondern so, dass Rintelns Bürger noch viel bewusster werde, mit welchen Pfunden sie wuchern könnten. In diesem Sinne auch steuerte Jakob Gokl das Kaminrunden-Gespräch. Es soll auch bei zukünftigen Treffen mit weiteren Interessierten nicht um ein allgemeines Klagen, um Bedenken und Zukunfts-Fatalismus gehen, sondern eben um Visionen rund um ein gemeinsames „Projekt Rinteln“. Man müsse, da zitierte er Hermann Hesses berühmten Spruch, „das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“.




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