weather-image
11°
×

Leitender Chefarzt und Chefarzt Geburtshilfliche Abteilung Neumann-von Meding im Ruhestand

15 000 Bückeburgern klappste er auf den Po

Bückeburg. Drei Viertel der Bückeburger Bevölkerung, rund 15 000 Erdenbürger, sind unter der Ägide von Dr. Eberhard Neumann-von Meding zur Welt gekommen - wenn es denn alles Bückeburger gewesen sind. An "seine" aufregendste Geburt hat er - trotz längerem Nachdenkens - keine Erinnerungen, wohl aber an die spektakulärste. Da hatte es eine Schwangere nicht mehr rechtzeitig in den Kreißsaal geschafft und brachte ihr Baby auf dem Rasen vor dem Krankenhaus auf die Welt. "An einem Sommertag morgens um sechs."

veröffentlicht am 21.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

4299_1_orggross_r-cremers

Autor

Redakteur zur Autorenseite

Gestern hieß es für den Leitenden Chefarzt des Krankenhauses Bethel und langjährigen Chefarzt der Geburtshilflich-Gynäkologischen Abteilungen Abschied zu nehmen von "seinem" Krankenhaus. Zumindest offiziell, denn inoffiziell kann es der Chefarzt, der im November die Altersgrenze von 65 Jahren erreichte, nicht lassen, schiebt noch Dienst bis zum Jahresende: "Ich kann mein Personal doch nicht alleine lassen." Und der Abschied fällt ihm nicht ganz leicht, wie er im Gespräch sagt: "Es tut mir leid, aufhören zu müssen." Es sei immer schön gewesen, hier zu arbeiten. In Bethel stimme das Klima, das übertrage sich auf das ganze Haus und seine Patienten. Dass das Klima so gut ist, dazu hat Dr. Neumann-von Meding einen ganz erheblichen Teil mit beigetragen. Seit 1976 ist er in der Geburtshilflichen zunächst Oberarzt, seit 1990 - nach dem Ausscheiden seines Vorgängers Dr. Werner Buttmann - Chefarzt. Die Geburtshilfliche genießt seit Jahren einen hervorragenden Ruf in der Region, ablesbar an stetig steigenden Geburtenzahlen. Dieses Jahr werden voraussichtlich 750 Babys in Bückeburg das Licht der Welt erblicken - so viel wie nie. 1976 waren es in Folge des "Pillenknicks" gerade einmal 250. "Werdende Mütter mögen unsere Station, freuen sich über farbenfrohe Zimmer, persönliche Rundumbetreuung engagierter Schwestern, über eine eigene Nasszelle in jedem Zimmer und Essen, das in Form eines Büfetts gereicht wird." Aber auch in der Gynäkologie warin den vergangenen Jahrzehnten ein deutlicher Aufschwung zu verzeichnen, etwa durch Einführung neuer Behandlungsverfahren. Seit über zehn Jahren vertritt Dr. Neumann-von Meding Bethel als Leitender Chefarzt. Bis zuletzt stapelt sich auf seinem Schreibtisch auch die Arbeit, die ein Leitender Chefarzt in enger Zusammenarbeit mit Vorstand und Verwaltung zu erledigen hat. Thema Nr. 1 sind natürlich die diversen Gesundheitsreformen und ihre Auswirkungen auf Bethel. Derzeit ganz aktuell: die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums, um die Zukunft des Krankenhauses und die medizinische Versorgung der Patienten auf eine solide finanzielle Grundlage zu erhalten. Das Krankenhaus holt sich dazu - "nach Vorbild der DDR-Polikliniken", wie der Chefarzt lachend feststellt - Fachärzte ins Haus, die mit ihren Praxen ans Haus angebunden werden. Erste äußere Vorarbeiten dafür konnten die Bückeburger in den vergangenen Wochen sehen, als an der Westseite des Krankenhauses ein neues Treppenhaus gebaut wurde. "Nach den Vorschriften dürfen Patienten dieser Ärzte nicht unseren Haupteingang benutzen, sondern brauchen einen eigenen", erklärt der Chefarzt einen weiteren kostentreibenden Auswuchs der Gesundheitsreform. Insgesamt sieht er das Krankenhaus - "auch wegen meiner Arbeit" - als "gut bestellt" an. Da Bethel als kirchliche Stiftung nie Zuschüsse erhalten habe, habe es immer eng kalkulieren und sich anpassen müssen. Obwohl auch der scheidende Chefarzt weitere Probleme auf Bethel zukommen sieht. An erster Stelle nennt er die Tarifabschlüsse und Arbeitszeitregelungen des öffentlichen Dienstes, die "auch auf die kirchlichen Träger zukommen werden." An zweiter Stelle folgt die Budgetierung: "Das Budget wird gedeckelt, ohne unser Zutun gehen trotzdem die Ausgaben hoch." 1400 Euro erhält Bethel nach der Fallkostenpauschale pro Geburt. "Damit ist das notwendige Drumherum kaum zu finanzieren." Drillinge sind in seiner Geburtshilflichen nie zur Welt gekommen: Sie werden wegen des höheren Risikos für Mütter und Kinder gleich an Geburtshilfliche mit angeschlossenen Kinderkliniken weitergeleitet. "Aber schon drei Zwillinge dieses Jahr." Lieben Sie Kinder? "Ja", strahlt der vierfache Vater und fängt an zu erzählen, wie gern er noch heute die Routineuntersuchungen bei Babys macht, wenn der Kinderarzt nicht im Haus ist...




Anzeige
Anzeige