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Mehrbelastungen durch höhere Mehrwertsteuer und Abbau von Steuerfreibeträgen

2007 wird teurer - alleÄnderungen zum Jahreswechsel auf einen Blick

Das liebe Geld steht für die Verbraucher auch im kommenden Jahr im Fokus. Foto: Wal Von Lisa Felix

veröffentlicht am 29.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

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Rinteln. Auf die Steuerzahler kommen mit der höheren Mehrwertsteuer und dem Abbau von Steuerfreibeträgen Mehrbelastungen zu. Allerdings gibt es 2007 auch Entlastungen für bestimmte Gruppen, weil Lohnnebenkosten gesenkt oder neue Leistungen eingeführt werden. Hier ein Überblick über die wichtigsten Änderungen bei Steuern, staatlichen Leistungen und Sozialabgaben. Mehrwertsteuer: Der allgemeine Mehrwertsteuersatz steigt von 16 auf 19 Prozent. 100 Euro kosten jetzt aber nicht 103 Euro, denn die Anhebung wird vom Nettopreis berechnet. Bezogen auf die Ladenpreise beträgt die mögliche rechnerische Preissteigerung 2,59 Prozent - vorausgesetzt, die höhere Mehrwertsteuer wird auch voll an den Endverbraucher weitergegeben. Zudem bleibt es beim reduzierten Satz von 7 Prozent für fast alle Lebensmittel, Leitungswasser, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Blumen,Tierfutter und Fahrkarten im Nahverkehr. Weiterhin gibt es Güter und Dienstleistungen, für die überhaupt keine Mehrwertsteuer fällig wird - etwa für Mieten (ohne Nebenkosten) oder Arzthonorare. Versicherungssteuer: Die Versicherungssteuer klettert von 16 auf 19 Prozent. Auch steigen Sondersteuern für verbundene Wohngebäude- und Hausratversicherungen, Feuerversicherungen, Seeschiffs-Kaskoversicherungen sowie Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr. Ausgenommen sind Lebens-, Renten- und Krankenversicherungen. Pendlerpauschale: Pendler können Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erst vom 21. Kilometer an steuerlich geltend machen. Dazu soll das "Werkstorprinzip" eingeführt werden, nach dem Aufwendungen für den Weg zur Arbeit zum Privatbereich gehören und so nicht mehr als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar sind. Um Härten zu vermeiden, gewährt der Fiskus Fernpendlern vom 21. Kilometer an 30 Cent pro Entfernungskilometer als Sonderausgaben, die wie Werbungskosten abziehbar sind. Die neuen Regeln gelten auch für Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs. Bus- und Bahnfahrer erhalten von 2007 an nur noch die maximale Entfernungspauschale von 4500 Euro. Eine Sonderregelung gilt für behinderte Menschen, deren Grad der Behinderung mindestens 70 Prozent beträgt oder die schwer gehbehindert sind: Sie können wie bisher die tatsächlichen Aufwendungen für die tägliche Fahrt zur Arbeit ansetzen. Bei einer doppelten Haushaltsführung werden wie bisher wöchentliche Familienheimfahrten mit 0,30 Euro je Entfernungs-Kilometer angesetzt. Sparerfreibetrag: Anleger müssen von ihren Kapitalerträgen mehr als bisher ans Finanzamt abführen. Der Sparerfreibetrag wird für Ledige auf 750 Euro pro Jahr und für Verheiratete auf 1500 Euro zusammenstrichen. Der zusätzliche Werbungskostenpauschbetrag von 51 Euro pro Person bleibt. Bei den derzeit niedrigen Zinsen muss aber schon recht viel auf der hohen Kante liegen, damit der Fiskus zum Zuge kommt. Ein verheiratetes Paar, das 50 000 Euro auf einem Sparbuch zu drei Prozent Zinsen angelegt hat, bleibt noch ungeschoren. Tipp: Alte Freistellungsanträge reduzieren die Banken automatisch auf 56,37 Prozent des bisher freigestellten Betrags, wenn Sparer und Anleger keinen neuen Freistellungsauftrag erteilen. Das sollten sie aber tun, um ihr Freistellungsvolumen optimal verteilen und nutzen zu können. Dazu kann die Umschichtung in weniger zinsintensive Geldanlagen ebenso gehören wie eine bessere Verwendung der Freibeträge innerhalb der Familie durch Vermögensübertragung an Kinder und Enkel. Arbeitszimmer: Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer werden nur noch dann vom Fiskus berücksichtigt, "wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet". So können etwa Lehrer kein Arbeitszimmer mehr geltend machen. Tipp: Anders verhält es sich mit einem außerhäuslichen Arbeitszimmer in einer Fremdwohnung oder auch auf einer anderen Etage des Wohn- (nicht Einfamilien-) Hauses, in dem der Steuerpflichtige lebt. In solchen Fällen ist mit einer Anerkennung und steuerlichen Abzugsfähigkeit der Aufwendungen zu rechnen. Kosten für Büromöbel, Computer und andere Arbeitsmittel sind voll als Werbungskosten absetzbar. Reichensteuer: Für Topverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250 000 Euro (Verheiratete 500 000) wird der Spitzensteuersatz von 42 auf 45 Prozent erhöht. Gewinneinkünfte - sowohl von Selbstständigen als auch Freiberuflern - sind aber davon ausgenommen. Kindergeld: Die Altersgrenze für die Zahlung von Kindergeld und Kinderfreibetrag wird von 27 auf 25 Jahre gesenkt. Für Kinder vom Geburtsjahrgang 1983 an wird nur noch bis zum 25. Geburtstag gezahlt. Für Kinder der Geburtsjahrgänge 1980 bis 1982 gelten Übergangsregelungen. Elterngeld: Das Elterngeld ersetzt das bisherige Erziehungsgeld. Es handelt sich dabei um eine Lohnersatzleistung, deren Höhe sich am bisherigen Einkommen des betreuenden Elternteils orientiert. Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des letzten Nettolohns, maximal 1800 Euro monatlich. Anspruch haben grundsätzlich alle Eltern, deren Kind nach dem 1. Januar 2007 geboren wird. Lohnnebenkosten: Die je zur Hälfte vom Arbeitgeber beziehungsweise Arbeitnehmer gezahlten Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sinken von 6,5 auf 4,2 Prozent. Allerdings steigen die Beiträge zu den Rentenkassen von 19,5 auf 19,9 Prozent, auch etliche gesetzliche Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge um bis zu 1,6 Prozentpunkte. Unterm Strich werden Verbraucher bei den Sozialversicherungsbeiträgen nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes in allen Einkommensklassen entlastet: Die Spanne reicht von monatlich 14 bis 41 Euro. Kranken-/Pflegeversicherung: Die Versicherungspflichtgrenze steigt auf 47 700 Euro (bisher: 47 250 Euro) jährlich. Bei 13 Monatsgehältern entspricht das einem monatlichen Bruttogehalt von 3669 Euro. Arbeitnehmer müssen sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern, wenn ihr monatliches Bruttogehalt diesen Betrag nicht überschreitet. Für Arbeitnehmer, die bereits am 31.12.2002 oder früher inder privaten Krankenversicherung waren, gilt eine niedrigere Pflichtversicherungsgrenze von 42 750 Euro. Rentenbesteuerung: Für Neurentner des Jahres 2007 beträgt der steuerpflichtige Anteil der Rente 54 Prozent (2006: 52 Prozent). Der dem steuerfreien Anteil von 46 Prozent entsprechende Betrag in Euro ist der persönliche Rentenfreibetrag, der für das ganze Leben unverändert bleibt. Altersvorsorge: Aufwendungen für die Altersvorsorge können in Höhe von 64 Prozent statt 62 Prozent der eingezahlten Beiträge steuermindernd geltend gemacht werden. Der Höchstbetrag steigt von 12 400 auf 12 800 Euro. Minijobs: Die pauschale Abgabe auf Minijobs steigt von 25 auf 30 Prozent. Spenden: Die Höchstgrenzen für den Spendenabzug werden zum 1. Januar auf einheitlich 20 Prozent des Gesamtbetrages der Einkünfte angehoben. Bisher dürfen für Spenden für kirchliche, religiöse und gemeinnützige Zwecke bis zu fünf Prozent der Einkünfte steuermindernd geltend gemacht werden. Für mildtätige, wissenschaftliche und kulturelle Zwecke sind es zehn Prozent. Die von Finanzminister Peer Steinbrück angekündigte Gesetzesänderung ist zwar noch nicht in Kraft, soll aber nächstes Jahr beschlossen werden und rückwirkend zum Beginn 2007 gelten. Übungsleiter: Zum 1. Januar 2007 sind ebenfalls höhere Pauschalen für Übungsleiter geplant. Wer steuerbegünstigte betreuerische oder pädagogische Aufgaben für gemeinnützige Körperschaften nebenberuflich übernimmt, kann künftig bis zu 2100 Euro (bisher 1848 Euro) steuer- und sozialversicherungsfrei erhalten. Damit können ab dem kommenden Jahr höhere Übungsleitervergütungen bis zu 175 Euro pro Monat gezahlt werden. Vereine: Die Besteuerungsgrenze für wirtschaftliche Betätigungen von Stiftungen und gemeinnützigen Vereinen soll auf 35 000 Euro Einnahmen im Jahr erhöht werden. Derzeit muss ein Verein mit bis zu 30 678 Euro Einnahmen keine Steuern zahlen.




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