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30 000 Überstunden für die Sicherheit

Hameln. Ein Jahr – fast 13 300 Straftaten in zwei Landkreisen. „Eine der vier Zellen ist immer belegt in Hameln“, sagt Heinz-Gerhard Mikus. Hier sitzen Männer und Frauen, die dringend tatverdächtig sind, um andere vor ihnen oder um sie vor sich selbst zu schützen. Die vier Gewahrsamszellen in Hameln und vereinzelte weitere in Hameln-Pyrmont und Holzminden reichen völlig aus, sagt der stellvertretende Sprecher der Polizeiinspektion (PI) Hameln-Pyrmont/Holzminden, Mikus. „Wir sind ja nicht das Steintorviertel!“ Überwiegend sind es Diebstähle, mit denen es die PI zu tun hat. Im vergangenen Jahr waren es 4340. Hinzu kommen 2867 Betrugs-/Vermögensdelikte und 1480 Körperverletzungen. 8 893 Delikte wurden aufgeklärt, so die polizeiliche Kriminalstatistik 2009: eine Aufklärungsquote von rund 67 Prozent.

veröffentlicht am 23.07.2010 um 19:48 Uhr

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Eine Inspektion, drei Kommissariate und zwölf Polizeistationen verteilen sich in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden. 241 000 Menschen leben hier auf fast 1500 Quadratkilometern. Damit ihnen auch geholfen werden kann, wenn sie im Notfall die 110 wählen, arbeiten 460 Mitarbeiter an allen Standorten in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen. Im Streifendienst, am Schreibtisch und zum Beispiel auch in der Haustechnik. Fünf Beamte warten die mehreren hundert Computer. Für die Funkgeräte gibt es eine extra Funkwerkstatt.

Und bei 54 grün-weißen und silber-blauen Streifenwagen, 35 zivilen Dienstwagen und vier Krafträdern kommt auch einiges an Arbeit auf das Team vom Fuhrpark zu. Reparaturen bei Unfallschäden oder Neubestellungen gehören ebenso zum Alltag für die Mitarbeiter im Kraftfahrzeugwesen wie einfach nur mal ein Auto zu waschen. „Die Beamten kümmern sich aber natürlich auch selbst, dass der Dienstwagen wieder sauber wird, wenn sie über eine dreckige Straße fahren mussten“, ergänzt Mikus. Für die Uniformen und die Pflege der Ausrüstung ist jeder Einsatzbeamte selbst verantwortlich.

Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden ist eine von fünf Inspektionen, die zur Polizeidirektion Göttingen gehören. Bei Demonstrationen in Hannover oder Göttingen stellt die Inspektion Einsatzhundertschaften. Auch bei Castortransporten rücken Polizisten der PI aus. Die 460 Mitarbeiter der Inspektion haben unter anderem wegen solcher Einsätze bisher 30 000 Überstunden gesammelt. Zusätzliche Stunden kommen schnell dazu. Während der Fußballweltmeisterschaft waren zum Beispiel auf der Deisterstraße in Hameln 29 Einsatzbeamte tätig. „In den Sommermonaten gibt es auch mehr Veranstaltungen – nach Bedarf stellt man dann Personal aus allen Bereichen zusammen“, erläutert Mikus die vielen Überstunden.

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Ermittelt wird beim zentralen Kriminaldienst, der in sieben Fachkommissariate gegliedert ist. Beamte für Mordkommissionen oder für eine Ermittlungsgruppe, zum Beispiel für einen Banküberfall wie den in Hessisch Oldendorf Anfang Dezember, werden aus verschiedenen Dienststellen zusammengestellt. Das Fachkommissariat (FK) 1 ist für Körper-, Sexual- und Branddelikte und Tod verantwortlich. Für Diebstahl, Raub und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ist das FK 2 zuständig. Um Betrugs- und Vermögensdelikte sowie Internetkriminalität geht es im 3. Fachkommissariat. Vom 4. FK gibt es Begleitschutz, zum Beispiel für den Innenminister. Ebenfalls werden hier politisch motivierte Straftaten bearbeitet. Im Fachkommissariat 5 ist der Erkennungsdienst, die Spurensuche oder auch die Datenverarbeitung, wenn ein Computer sichergestellt wird. „Die Mitarbeiter können Dateien von Festplatten hier wieder sichtbar machen, die eigentlich schon gelöscht wurden“, erklärt Mikus die Datenverarbeitungs-Gruppe. Im 6. Fachkommissariat werden Kinder- und Jugenddelikte bearbeitet und im 7. die Verkehrsstraftaten. Im Polizeikommissariat Bad Münder gibt es aufgrund der Größe der Stadt einen Kriminalermittlungsdienst. Vier Arbeitsgruppen teilen sich die Arbeit. Bei Bedarf kommt der zentrale Kriminaldienst hinzu.

Präventionsarbeit gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich der Polizeiinspektion. Heinz-Gerhard Mikus: „Ich kümmere mich zur Zeit um 98 Schulen.“ Dazu gehöre unter anderem die Verkehrserziehung oder auch die Fahrradprüfungen. Für die Sicherheitsfrage bei Fenstern und Türen stehen die Beamten den Hausbauern ebenfalls mit gutem Rat zur Verfügung – kostenlos.

Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden hat seit Kurzem einen neuen Leiter. Der 51-jährige Ulrich Knappe hat die Nachfolge von Bernd Wiesendorf angetreten. Knappe sieht in der Inspektion, die eine hohe Aufklärungsrate habe, noch Verbesserungspotenzial bezüglich des Krankenstandes. Sein Ziel sei es auch künftig, Erfolge weiterzusteigern und zu schauen, wie die Krankmeldungen der Mitarbeiter reduziert werden können.

Sie jagen Mörder, Bankräuber oder sind einfach nur zur Stelle, wenn es auf der Straße kracht. 460 Männer und Frauen der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont / Holzminden sind verantwortlich für die Sicherheit in zwei Landkreisen. Die einen direkt vor Ort, die anderen hinter den Kulissen.

Muss auch sein: Klaus-Eckhard Dirnberger (links) beim Papierkram.

Polizeioberkommissar Dieter Jermis mit Schutzschild.




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