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Wissenschaft bestätigt Forschung für das Lauenauer Vierständerhaus / Baum im Herbst 1683 gefällt

322 Jahre alt: Aufbau nach dem großen Brand

Lauenau (nah). Das Vierständerhaus in der Langen Straße 13 in Lauenau ist genau 322 Jahre alt. Das Ergebnis dendrochronologischer Untersuchungen bestätigt damit die Aussagen des früheren Heimatforschers Karl Parisius. Dieser hatte schon in seinem 1911 erschienenen Buch beschrieben, dass die Hofstelle bald nach dem großen Brand wieder errichtet worden sei.

veröffentlicht am 13.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Zu verdanken sind die neuen Erkenntnisse zunächst dem Engagement des Soldorfer Bauingenieurs und Vorsitzenden der Schaumburger "Interessengemeinschaft Bauernhaus" (IGB), Manfred Röver. Dieser kümmert sich seit Jahren darum, erhaltenswerte alte Häuser als so genannte "Sorgenkinder der Denkmalpfleger" an neue Eigentümer zu vermitteln. Aufdieser Liste standen unter anderem die Gebäude mit den Nummern 11 und 13 in der "Theaterecke" des Fleckens. Röver gewann vor gut einem Jahr einen Experten für bauhistorische Fragen: Michael Meier aus Bad Münder untersuchte zusammen mit Wilfried Ahrens das Gebäude, nahm einen Aufriss vor und ließ anhand einiger Bohrkerne aus Ständern und Dachbalken das Alter des verwendeten Holzes durch eine dendrochronologische Untersuchung bestimmen. Schon beim Aufmaß hatte Meier gegenüber unserer Zeitung den Bau des Hauses vage auf die "Zeit um 1650" vermutet. Er begründete dies unter anderem mit der Anordnung der Räume neben der großen Durchfahrtdiele sowie besonders durch eine hohe Rauchküche, die keine der später üblichen Trennwände zur Diele hin besaß. Meier zieht Parallelen zu einem auf das Jahr 1647 datierten Gebäude in Bad Münder und ist sich sicher: "Die Häuser unterscheiden sich damit von allen anderen bisher untersuchten Wohngebäuden im Deister-Süntel-Tal. Sie sind selten gewordene Belege einer frühen Hausform aus dem 17. Jahrhundert." Das bestätigte sich durch die in Auftrag gegebene Altersbestimmung des Holzes. Aus einem Ständer und einem Dachbalken wurden Bohrkerne entnommen. Mit ihnen konnte sicher als Fälljahr des Baumes der Herbst 1683 ermittelt werden. Damit dürfte der Bau des Hauses 1684 begonnen worden sein. Das passt ins Bild. Denn Parisius wies für 1682 einen verheerenden Brand im Lauenauer Ortskern nach, bei dem 23 von 32 Haus- und Hofstellen vernichtet worden waren. Dazu gehörten auch die Parzellen mit den beiden Gebäuden. Meier kann dem nur zustimmen. Denn auch Haus 11 weist in seinem Innern konstruktionstechnische Merkmale auf, die sich mit dem benachbarten Objekt decken. Er hat mit Ahrens seine Untersuchung jetzt veröffentlicht. Im neuesten Jahrbuch der Ortsgruppe Bad Münder im Heimatbund Niedersachsen, "Der Söltjer", erläutern die Autoren ausführlich auf fünf Seiten die gewonnenen Erkenntnisse und illustrieren sie mit entsprechenden Zeichnungen. Das Prädikat "Sorgenkinder" dürfte für die beiden bauhistorisch wertvollen Gebäude übrigens in absehbarer Zeit nicht mehr gelten. Sie sind inzwischen verkauft worden und sollen restauriert werden. Ihr neuer Eigentümer hat sich bereits von der Schaumburger IGB beraten lassen.




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