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Erinnerungen vom Flüchtlingszustrom nach dem Zweiten Weltkrieg

50 000 Flüchtlinge für Schaumburg

Landkreis. „2010 waren es 359, im Jahr 2012 schon 464, und aktuell (Stand 1. Juni 2014) sind bereits 699 Flüchtlinge da“, zeigte sich kürzlich Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises Schaumburg, besorgt. Die Unterbringung gestalte sich zunehmend schwierig. Die Frage, wo und wie die vom Land vorgegebene Zuweisungsquote erfüllt werden könne, sei nach wie vor ungeklärt. Solche Klagen hätten vor 75 Jahren ein verwundertes Kopfschütteln ausgelöst. Damals erreichte die Region die größte Einwanderungswelle ihrer Geschichte.Unsere nach Ende des Zweiten Weltkriegs hierzulande lebenden Altvorderen hatten es mit Problemen ganz anderen Kalibers zu tun. Beinahe monatlich rollten neue Flüchtlingszüge heran. Um die Unterbringung der Insassen kümmerte sich höheren Orts keiner. Wenn überhaupt, ging zwei oder drei Tage vorher bei der Kreisverwaltung ein Telegramm aus Hannover ein. In knapper Form waren Termin, voraussichtliche Ankunftszeit und ungefähre Anzahl der Insassen angegeben. Um alles Weitere hatten sich die Verantwortlichen vor Ort zu kümmern. Damit war in erster Linie der Bürgermeister gemeint. Ihm wurden die zutiefst leidgeprüften und oft nur mit einem Köfferchen oder Rucksack und mit einem Baby auf dem Arm aus den Waggons kletternden Menschen quasi vor die Tür gesetzt. Kein Wunder, dass die Nerven blank lagen.

veröffentlicht am 21.10.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 21.10.2014 um 11:55 Uhr

Autor:

Wilhelm Gerntrup



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