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Vor Gericht: 14 Monate für weitere Diebstähle / Stadtverwaltung heimgesucht

57 Verfahren - "beim Angeklagten ist Hopfen und Malz verloren"

Bückeburg (ly). Irgendwie beruhigend: "Gut, dass der Angeklagte bereits sitzt", so Richter Armin Böhm während der Urteilsverkündung. "Da kann er wenigstens keine Straftaten mehr begehen." Gegeben hat's vor dem Bückeburger Amtsgericht 14 Monate Haft wegen Diebstahls in zwei Fällen, quasi als Nachschlag. Weniger würde Böhm auch "angesichts der Vorstrafen für schlichtweg unerträglich halten". Harte Worte. Was ist das für ein schlimmer Finger?

veröffentlicht am 02.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

"Ein Angeklagter, bei dem Hopfen und Malz verloren sind", wie Staatsanwalt Günter Wilkening erklärt. "Er kennt nichts anderes als Straftaten, nimmt alles Stehlenswerte mit. Zu bessern ist er sowieso nicht mehr." In Zahlen ausgedrückt: 57 Verfahren sind gegen den knasterfahrenen Rintelner gelaufen. Ausgelassen hat er kaum etwas: von Diebstahl und Hehlerei über Drodendelikte und Körperverletzung bis hin zu Raub und räuberischer Erpressung - einmal quer durchs Strafgesetzbuch. Im jüngsten Prozess ging es jetzt um zwei besonders dreiste Diebstähle in Bückeburg. In einem Umkleideraum der Dr.-Faust-Halle hatte der 24-Jährige im Januar 2005 einen Schlüssel geklaut, damit ein Auto auf dem Parkplatz gestartet und das Fahrzeug später in Rinteln zurückgelassen. "Ich bin davonausgegangen, dass die Polizei es findet", sagte er vor Gericht. "Es war ihnen egal, was aus dem Wagen wird", korrigierte Richter Böhm. Kaum zu glauben, aber kurz vor der Tat war der Mann zu 13 Monaten verurteilt worden. Ebenfalls kaum zu fassen: Nur wenige Wochen nach dem Autodiebstahl wurde der 24-Jährige erneut rückfällig und spazierte in die Bückeburger Stadtverwaltung, wo er aus einem vorübergehend verwaisten Büro ein Portemonnaie entwendete. "Das spricht für seine kriminelle Ader", meint Staatsanwalt Wilkening. "Ich war nicht Herr meiner Sinne", hatte sich der Angeklagte in beiden Fällen auf seine angebliche Drogensucht herauszureden versucht. "Mir kommen die Tränen", erwiderte der Richter.




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