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Kaum Nachfrage nach E-Books bei heimischen Buchhändlern – aber in der Stadtbücherei

„Ästhetische und emotionale Komponente fehlt“

Bückeburg (wk). E-Books, die digitalen Pendants zu gedruckten Büchern, liegen offenbar voll im Trend. So hat das Baden-Badener Marktforschungsunternehmen „media control“ anlässlich der Frankfurter Buchmesse im Oktober vergangenen Jahres berichtet. Allein im ersten Halbjahr 2012 sind rund 4,59 Millionen kostenpflichtige E-Books aus dem Internet heruntergeladen worden. Im Jahr 2011 habe deren Absatz dagegen bei insgesamt circa 4,9 Millionen Exemplaren gelegen, wobei fast die Hälfte davon auf das vierte Quartal zurückgegangen sei. Angesichts dieser Entwicklung prognostizierten die Analysten für 2012 einen Gesamtumsatz von zwölf Millionen verkauften E-Books.

veröffentlicht am 05.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 07:21 Uhr

Anhand der quartalsweise durchgeführten, bundesweiten Verbraucherbefragungen hat „media control“ zudem ermittelt, dass die sogenannten E-Book-Reader (elektronische Lesegeräte) „ein wichtiger Faktor für den zunehmenden Erfolg“ der digitalen Bücher sind. Demnach wurde 2011 etwa jedes zweite E-Book auf solch einem Gerät gelesen, während der Anteil im ersten Halbjahr 2012 dann schon auf 75 Prozent gestiegen war. Die jeweils abschließenden Zahlen für das vergangene Jahr sollen nach Auskunft des Unternehmens voraussichtlich Mitte Februar 2013 vorliegen.

Die beiden Bückeburger Buchhandlungen Scheck und Frommhold haben von diesem Trend bislang jedoch wenig gespürt. Zwar werden in beiden Geschäften diverse E-Book-Reader angeboten, die Nachfrage tendiert aber gegen null: Gerade mal ein Lesegerät habe man bisher verkauft, sagt Kerstin Lorenzen, die Leiterin der Buchhandlung Scheck. Das Interesse ihrer Kunden an dem neuen Medium sei „verhalten“, was auch daran liegen könne, dass es in dem Ladengeschäft selbst keine E-Books zu kaufen gibt. Dennoch kann sie sich gut vorstellen, dass die digitalen Bücher auf lange Sicht durchaus zu einer Bedrohung für den konventionellen Buchhandel werden.

„Der Trend ist da, das kann man nicht verschweigen oder darüber hinweggehen“, resümiert Heidrun Rechenberg von der Hofbuchhandlung Frommhold, wenngleich das neue Medium für dieses alteingesessene Geschäft noch keine Relevanz hat: Die eine oder andere Frage nach Readern gebe es wohl, insgesamt halte sich das Interesse aber in Grenzen. Unterm Strich seien es ausschließlich Kunden mittleren Alters und ältere Leute, die sich hier nach solchen Geräten erkundigen. Was die eigenen Umsätze durch den Verkauf gedruckter Bücher betrifft, macht sich das wachsende Angebot an über das Internet erhältlichen E-Books laut Rechenberg bislang nicht negativ bemerkbar.

Anders stellt sich die Situation bei der Bückeburger Stadtbücherei dar: „E-Books sind schon ein großes Thema bei uns“, berichtet deren Leiterin Kathrin Bormann. Zwar sei der Anschluss an das Internetportal www.onleihe.net (eine virtuelle Bibliothek) noch in der Planungsphase. Bei der Stadtverwaltung habe man jedoch schon die hierfür benötigten Gelder beantragt. Konkret geht es darum, in der Stadtbücherei die EDV-technischen Voraussetzungen für die Aufnahme des E-Book-Verleihs zu schaffen und die durch den Erwerb von E-Book-Lizenzen anfallenden Mehrkosten (rund 1000 Euro pro Jahr) zu finanzieren.

„Man muss einfach mit der Zeit gehen“, begründet Bormann das Engagement der Stadtbücherei. Für sie persönlich bietet ein E-Book allerdings längst nicht das Lesevergnügen, wie sie es bei einem gedruckten Buch empfindet.

Ähnlich sieht es der in Meinsen lebende Autor und Rezitator Frank Suchland, der die konventionellen Bücher bevorzugt: „Bücher in ihrer ursprünglichen Form haben ja auch eine ästhetische und emotionale Komponente“, erklärt er. Gedichte auf einem E-Book-Reader zu lesen, kommt für ihn daher gar nicht in Frage. Ebenso verhält es sich mit anderen anspruchsvollen literarischen Werken. Zumal er es geradezu „charmant“ findet, wenn ein oft zur Hand genommenes Buch mit der Zeit „gewisse Spuren der Belesenheit aufweist“. Andererseits habe er aber keine Vorbehalte gegenüber den digitalen Büchern, wenn es darum geht, etwa zur Klärung technischer Fragen ein Fachbuch aus dem Internet herunterzuladen, da es dann ja nur darum geht, die benötigten Informationen zu erhalten.

Bei seinen öffentlichen Lesungen wird Suchland daher auch weiterhin auf die gedruckten Bücher setzen, wenngleich die E-Books beispielsweise den Vorteil bieten, dass man in den Lesegeräten eine größere Schriftgröße einstellen kann, wodurch die Schrift bei gedämpften Lichtverhältnissen besser zu erkennen ist. Auf das große Ganze bezogen hält der Meinsener das neue Medium sogar für eine richtig „tolle Geschichte“, weil – Stichwort: Book on demand – dank der E-Books viele unbekannte Dichter und Autoren eine Chance haben, ihre Werke kostengünstig in kleiner Auflage selbst zu verlegen. Dies trage nicht nur zur Vielfalt auf dem Büchermarkt bei, sondern bringe vielleicht auch „manche unentdeckte Perle“ zum Vorschein. Und: „Die Macht der großen Verlage wird dadurch ein wenig geringer.“




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