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US-Auswanderer-Familien Spier und Schäkel treffen sich auf dem Hof von Heinrich Öttking – und sind sichtlich bewegt

Über den Großen Teich zur familiären Spurensuche

Bückeburg/Rusbend (mig). „Es ist wie ein Segen Gottes“ – so beschreibt Marcia Dost Robertson ihre Gefühle bei einem Treffen der Auswanderer-Familien Spier und Schäkel auf dem Hof von Heinrich Öttking. Robertson gehört zu einer Gruppe von US-Amerikanern, die hier in Schaumburg Verwandte besucht haben.

veröffentlicht am 15.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 19:21 Uhr

Die Geschichte der Auswanderungen aus Schaumburg kennt wohl inzwischen fast jeder. Wirtschaftliche Not zwang die Menschen zur Emigration, viele US-amerikanische Städte tragen bis heute einen deutschen Namen. Zu den Wagemutigen, die in der neuen Welt ihr Glück machen wollten, gehörte auch Töns Heinrich Spier, geboren am 21. August 1857 auf der Hofstelle Nordholz Nr. 5. Der gelernte Tischler traf am 11. Oktober 1882 in New York ein und ließ sich – wie viele andere Deutsche auch – in Indianapolis nieder. „Henry“ Spier arbeitet zunächst als Tischler und heiratet Mary Ann Waltke, deren Familie aus Holzhausen II bei Minden stammt und schon 1852 eingewandert war. Später übernimmt er die 110 Morgen große Farm seines Schwiegervaters und wird Stammvater einer großen Familie (vier Töchter, drei Söhne). Ursprünglich kommen die Spiers aus Warber: Töns Heinrich Spier ist der zweite Sohn von Hans Heinrich Wilhelm Spier, der am 28. Januar 1821 in Warber Nr. 16 geboren wird und im Jahr 1852 die Anerbin Caroline Wilhelmine Jäger (Hofstelle Nordholz Nr. 5) heiratet. An die alte Adresse in Warber wandten sich auch die Gäste aus Amerika. Das verursachte einiges Hin und Her, und erst nachdem mit Ernst Spannuth ein sachkundiger Lokalhistoriker eingeschaltet war, konnte der Kontakt hergestellt werden. Spannuth war es auch, der die Familiengeschichte der Spiers rekonstruierte und aus alten Kirchenbüchern die nötigen Informationen zusammentrug. Herausgefunden hat er beispielsweise, dass allein aus Rusbend rund 50 Personen in die USA auswanderten. „Ich interessiere mich für die Geschichte der Auswanderer“, erklärt Spannuth den Grund für seine Forschungen. Ein Interesse, das Spannuth mit Friedrich Schäkel aus Frille teilt. Schäkel forscht schon seit vielen Jahren an der eigenen Familiengeschichte, „man möchte wissen, woher man kommt“, sagt er. Für den Raum Frille ist der Genealoge inzwischen zu einer echten Institution geworden, sogar im Internet ist der 86-Jährige unterwegs. Und auch seinen Enkel hat der Senior schon angesteckt: Der überträgt gerade alte Dokumente des Großvaters ins weltweite Netz.

Auf den gemeinsamen Deutschlandbesuch der amerikanischen Schäkels und Spiers – die Familien sind befreundet – freuten sich aber nicht nur Ernst Spannuth und Friedrich Schäkel. Knapp 30 Verwandte warteten auf dem Hof von Heinrich Öttking auf die sechsköpfige US-Delegation. Der Empfang war herzlich, alle Teilnehmer waren sichtlich gerührt. „Es ist so schön, dass Ihr endlich hier seid“, freute sich Heinrich Öttking. Dann wurden Erinnerungen ausgetauscht und erste Kontakte („auf Denglisch“) geknüpft. Auch ohne Worte verstanden sich Marcia Dost Robertson und Anneliese Knake (die letzte Besitzerin der Hofstelle Warber Nr. 16). Knake: „Es ist einfach nur schön, mit unseren Verwandten von drüben zusammen zu sein.“ Auch Marcia Dost Robertson war sichtlich bewegt: „Ich bin einfach überwältigt. Es ist wie ein Segen Gottes.“ Das drückte sich auch in dem eindrucksvollen Gottesdienst aus, den die Familien am Sonntag feierten. Pastor Fiebig hielt seine Predigt sogar auf Englisch. In den Tagen zuvor hatte die Gruppe das Auswanderermuseum besucht, der Gegenbesuch wird wohl den Kindern und Enkeln überlassen werden. Gisela Öttking (für die Spiers): „Dass Interesse ist groß.“

Die Mitglieder der Familien Spier und Schäkel mit den amerikanischen Gästen. Foto: mig




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