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Zwei Stunden Partymeile von der Bünte-Kreuzung bis zum Marktkauf

Über tausend Zuschauer bejubeln 20 Sekunden "Deutschland-Express"

Rinteln (wm). Gestern, 12.35 Uhr: Der "Deutschland-Express" kommt, 173 Radrennfahrer biegen an der Büntekreuzung um die Ecke. Die Startnummer 202, Gerald Ciolek vom Wiesenhof-Team im grünen Trikot, ist es, der sich kurz umschaut, dann Gas gibt. "Deutschlands Sprinterhoffung" gewinnt die Sprintwertung auf der Konrad-Adenauer-Straße.

veröffentlicht am 04.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

20 Sekunden dauert es und das dicht geschlossene Fahrerfeld der Deutschlandtour der Radprofis ist durch, begleitet von einer La-Ola-Welle der Zuschauer.Über tausend, schätzt die Polizei, haben von der Büntekreuzung bis zum Marktkauf an der Straße gejubelt. Mit Tempo 44 im Mittel seien die Radrennfahrer auf den 16,8 Kilometern von Minden bis Rinteln unterwegs gewesen, tönt es aus den Lautsprechern. 164,7 Kilometer haben die Fahrer noch bis Goslar vor sich. Zwei Stunden lang hat das 20-Sekunden-Spektakel die Konrad-Adenauer-Straße in eine Partymeile verwandelt hat. So gegen halb elf laufen die ersten Zaungäste auf, mustern das große Schild "Sprint" in Höhe von Hausnummer 15 (auf der Rückseite die Bitte "Nicht klauen, wir haben kaum mehr welche davon"), holen sich am Extaler-Mineralwasserstand oder bei Herforder erst mal etwas zu trinken und machen zwischendrin ein Kreuzchen beim Gewinnspiel "Wer wird Sprintsieger in Rinteln?". Zu gewinnen gibt es das Original-T-Shirt der Sprintwertung - gewonnen hat es am Ende Sebastian Eckel (14) aus Krankenhagen. Noch eineinhalb Stunden, bis die Rennfahrer kommen, also gehen viele erst einmal Teppiche bei Lambrecht anschauen. Die Marke "Ruggy" ist im Angebot. Carambolage-Chef Thorsten Riesenberg bedient persönlich das Mischpult, als Streckenmoderator Bastian König die Bühne erklimmt. Er ist von Beruf Mediziner und hat sich für die Tour extra frei genommen. 14 Jahre lang sei er aktiv gefahren, erzählt er, "das lässt einen nicht mehr los". Von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz will er wissen, wie die Rintelner die Stimmung vom Vortag in Bielefeld toppen wollen? "Mit dem Wetter", kontert Buchholz schlagfertig. Dann ein Satz aus der Abteilung "Political Correctness": Dank der Sponsoren Wesergold und Sparkasse sei für das Event kein Cent aus Steuergeldern verwendet worden, zum Schluss noch ein touristischer Hinweis, schließlich filmt das Fernsehen mit: In Rinteln könne man Rad auf Schienen fahren - mit Draisinen. Nur mit seinem Tipp für den Sprintsieger liegt Buchholz daneben: Erik Zabel strampelt irgendwo im Mittelfeld. Kurz vor 12 Uhr: Die Werbekarawane rollt vorbei, Kinder und Jugendliche stürmen auf die Fahrbahn, um zu ergattern, was sie zu fassen kriegen und das sind Bonbons, Hüte, Fahnen, aufblasbare Plastikhände, Lippenstifte, Traubenzucker und Häppchen mit Appenzeller Käse aus der Schweiz - Hauptsponsor der Tour - hygienisch verpackt in Plastikfolie. Der Countdown läuft, die Ampeln werden ausgeschaltet. Harald Groß, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, winkt persönlich Autofahrer auf den Marktkauf-Parkplatz. Der erste Radler gehört wohl nicht zur Truppe - er hat einen Einkaufskorb auf dem Gepäckträger, Beifall ist ihm trotzdem gewiss. Danach Sirenengeheul, das Fahrerfeld rauscht vorüber, am Ende der Besenwagen und Heinrich Sümenicht muss noch eine extra Lage Bratwürste auf den Grill legen: Radsport macht hungrig.

Gerald Cioleküberquert die Ziellinie als erster Rennfahrer.



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