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Schon geschlossen – da rauben drei Männer eine Tankstelle aus / Sechs Jahre Jugendstrafe für den Haupttäter

Überfall auf Supermarkt geplant

BÜCKEBURG. Drei Männer aus Bückeburg, Stadthagen und Langenhagen, die am Abend des 23. März 2017 eine Tankstelle an der Steinberger Straße überfallen haben, hatten es ursprünglich auf einen wenige Hundert Meter entfernten Supermarkt abgesehen. Weil sie zu spät kamen und das Geschäft bereits geschlossen war, fassten die Täter den spontanen Entschluss, stattdessen die Tanke auszurauben. Die drei erhielten langjährige Haftstrafen, der Haupttäter sechs Jahre. Ein vierter Angeklagter wurde freigesprochen.

veröffentlicht am 13.09.2018 um 13:10 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 16:50 Uhr

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BÜCKEBURG. Drei Männer aus Bückeburg, Stadthagen und Langenhagen, die am Abend des 23. März 2017 eine Tankstelle an der Steinberger Straße überfallen haben, hatten es ursprünglich auf einen wenige hundert Meter entfernten Supermarkt abgesehen. Weil sie zu spät kamen und das Geschäft bereits geschlossen war, fassten die Täter den spontanen Entschluss, stattdessen die Tanke auszurauben. Das berichtete Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht, während der Urteilsverkündung gegen vier Angeklagte, von denen einer freigesprochen wurde.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung hat die Kammer jetzt gegen zwei der Männer Jugendhaft verhängt, einmal sechs Jahre, einmal drei Jahre und neun Monate. Beide sind wegen mehrerer Raubüberfälle einschlägig vorbestraft. „Wegen schädlicher Neigungen und der Schwere der Schuld kommt nur eine Jugendstrafe in Betracht“, stellte Richter Kütemeyer klar.

Auf die zwei Hauptangeklagten wartet dem Vernehmen nach bereits das nächste Verfahren. Sie sollen außerdem im Oktober 2017 eine Tankstelle an der Petzer Straße in Bückeburg überfallen haben. Über diese Anklage wird demnächst vor dem Amtsgericht verhandelt.

Bei den jetzt verhängten Strafen, die auf den ersten Blick recht hoch wirken, handelt es sich in Wirklichkeit um sogenannte Einheitsjugendstrafen. Das heißt, eine frühere Jugendstrafe wird aufgelöst, um eine neue, höhere Strafe zu bilden.

So brachte einer der Räuber bereits vier Jahre und zehn Monate von vorausgegangenen Verurteilungen mit, aus denen jetzt sechs Jahre Haft geworden sind. Jugendrecht ist moderater als das allgemeine Strafrecht für Erwachsene, weil der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht.

Ein dritter Mann (31), in dessen Bückeburger Wohnung sich die drei mit Schnaps und Joints in Stimmung gebracht hatten, muss nicht ins Gefängnis. Er hatte Schmiere gestanden und kommt mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Über seinen Tatbeitrag gibt es keine Zeugenaussagen.

Als Haupttäter gilt ein 21-Jähriger aus Langenhagen. „Es war in der Tankstelle die treibende Kraft, sprach und hatte die Waffe“, so Richter Kütemeyer. Mit vorgehaltener Softair-Pistole, dem Nachbau einer echten Waffe zum Verschießen von Kugeln aus Kunststoff, hatte das Trio an jenem Donnerstag gegen 20.30 Uhr fast 500 Euro erbeutet. Der Überfall dauerte keine 30 Sekunden. Die Waffe war nicht geladen.

In zwei Fällen hat das Gericht außer der Strafe die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Der Hauptangeklagte muss zuvor ein Jahr seiner Jugendhaft verbüßen. Gestützt auf ein entsprechendes Gutachten, gehen die Richter davon aus, dass die zwei 21-Jährigen den „Hang“ haben, „alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen“ Wegen dieses Hanges sieht das Gericht zurzeit die Gefahr, dass es ohne Therapie zu weiteren Taten kommen könnte.

Freigesprochen hat die Kammer einen 21-Jährigen aus Langenhagen, der von einem anderen Angeklagten zu Unrecht belastet worden war, bevor dieser seine Aussage im Prozess zurückzog (wir berichtet). Obwohl er an dem Tankstellenüberfall nicht beteiligt war, bleibt auch dieser Mann in Haft: Er verbüßt zurzeit eine Jugendstrafe in anderer Sache. ly




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