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Herder-Geschichtswerkstatt gewinnt Landespreis mit Dokumentation über Eberhard von Breitenbuch

Überlebende einer Tragödie sind nie Helden

Bückeburg (bus). Die Geschichtswerkstatt der Herderschule hat ein weiteres Mal landes- und bundesweit agierende Juroren von der hohen Qualität ihrer Arbeit überzeugt. Im aktuellen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten honorierte die Jury die Forschungen der von Klaus Maiwald angeleiteten Schüler mit der Vergabe des Titels „Landessieger“. Zudem bleibt dem Beitrag die Chance auf eine zusätzliche Bundes-Auszeichnung.

veröffentlicht am 19.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 15:21 Uhr

In der aktuellen Auflage des von der Hamburger Körber-Stiftung ausgerichteten Wettbewerbs lautete die Vorgabe „Helden: Verehrt – verkannt – vergessen“. Für Niedersachsen zählten die Organisatoren 234 Beiträge; auf Bundesebene wurden 1831 Arbeiten eingereicht. „In ihnen spürt man das Ringen der Jugendlichen um ein eigenes, demokratisches Heldenbild“, erklärt Stiftungssprecher Sven Tetzlaff. Helden stellten für sie Menschen dar, die sich in vorbildlicher Weise auch gegen Widerstände für ihre Mitmenschen und die Freiheit einsetzten.

Maiwald sowie die Schüler Ester Bokeloh, Melanie Möller, Laura Rickenberg, Pascal Dehnst, Henrik Imhoff, Dennis Meier, Lukas Müller und Jan-Friedrich Richter schildern in einer 50 Seiten starken Dokumentation unter der Überschrift „Die Überlebenden einer Tragödie sind niemals deren Helden“ das Leben des Widerstandskämpfers Eberhard von Breitenbuch.

Der am 20. Juli in Dietzhausen (Bezirk Erfurt) geborene Breitenbuch hätte mit der Tötung Adolf Hitlers am 11. März 1944 beinahe Weltgeschichte geschrieben. Eine Kette unglücklicher Zufälle vereitelte indes das geplante Attentat. Die von Breitenbuchs entstammen dem thüringischen Uradel. Der Vater des Herder-Helden war königlich-preußischer Hofkammerrat, die Mutter eine geborene Freiin von Münchhausen. Über die mütterliche Linie erbte von Breitenbuch das Rittergut Remeringhausen bei Stadthagen, wo er bis zu seinem Tod 1980 wohnte.

Forschungsgegenstand der Herderschüler ist der Widerstandskämpfer Eberhard von Breitenbuch.

„Höhepunkte unserer Forschungen waren zwei Zeitzeugengespräche mit Monica Gräfin Adelmann und den beiden Söhnen von Eberhard von Breitenbuch, Dr. Andreas und Hans Hildebrand von Breitenbuch“, berichten die Werkstattmitglieder über ihre etwa ein halbes Jahr dauernden Aktivitäten. „Es war schon spannend, mit den Kindern eines Widerstandskämpfers zu sprechen. Über unsere Interviewfragen hinaus haben sie uns besonders mit Bildmaterial großartig unterstützt. Durch den Kontakt zu den Söhnen von Eberhard von Breitenbuch lernten wir auch das Gut Remeringhausen kennen und bekamen eine Vorstellung davon, wo und wie er nach dem Krieg lebte. Besonders erfreulich war auch, dass uns Eberhard von Breitenbuchs Enkelin, Tanja von Schöning, einen ausführlichen Brief mit Gedanken über ihren Großvater schrieb.“

In dem Brief heißt es abschließend: „Die Mitwirkung meines Großvaters am Widerstand und all der anderen zeigt für mich, dass Menschlichkeit, Anstand und Zivilcourage nicht ganz und gar verloren gegangen waren. Ich denke, dass uns heute diese Zeugnisse und Erkenntnisse verpflichten sollten, uns, wo immer wir können, für ein freiheitliches Gemeinwesen einzusetzen.“

Die Landespreisverleihung erfolgt am 21. August im Museum am Hohen Ufer in Hannover durch Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann. Am 6. November wird Bundespräsident Horst Köhler die Gewinner der 50 Bundespreise bekannt geben.




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