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Stellplatz am Schloss bei den Wohnmobilisten begehrt: „Sicherlich einer der schönsten in Niedersachsen“

Übernachten „wie bei Fürstens“ ist äußerst beliebt

Bückeburg (mig). Übernachten „wie bei Fürstens“: Das können Touristen auf Deutschlands „adligstem“ Wohnmobil-Stellplatz direkt in Sichtweite des Schlosses. 20 Plätze gibt es auf dem charmanten, von historischem Baumbestand umgebenen Gelände, sogar ein TV-Sat-Anschluss wird angeboten. Besucher Bernhard Wagner: „Das ist sicherlich einer der schönsten Stellplätze in Niedersachsen.“

veröffentlicht am 04.08.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 06:41 Uhr

Hier kann der Bückeburg-Tourist – im gut eingerichteten Wohnmobil – leben wie Gott in Frankreich. Morgens spät aufstehen, Brötchen holen vom nahegelegenen Bäcker und dann auf eine Schloss-Besichtigung beim fürstlichen „Nachbarn“ vorbeischauen. Was kann es Schöneres geben? Das finden offenbar auch die unzähligen Wohnmobilisten, die den Platz in den vergangenen Jahren genutzt haben. Derzeit sind die 20 Stellplätze zwar nur zu einem Drittel besetzt, schuld daran ist aber vor allem das schlechte Wetter.

„Ausgerecht jetzt muss es regnen“, ärgern sich auch Iris und Bernhard Wagner aus Frankfurt. Vor vier Wochen war das Paar noch im sonnigen Frankreich, nach Bückeburg sind sie eigentlich zum Radwandern gekommen. „Wir wollten das Weserbergland erkunden.“ Das geht zumindest heute nicht – dafür frönen die Wagners jetzt ihrem zweiten Hobby. „Wir wollen morgen extra früh aufstehen, um einen Blick auf Alexander zu Schaumburg-Lippe zu erhaschen und ihm vielleicht die Hand zu schütteln“, schmunzelt Bernhard Wagner, dessen Frau alles liest, was über den Bückeburger Fürsten veröffentlicht wird. „Besonders schön war seine Hochzeit. Die war richtig prächtig.“

Langsam wird es Abend. Im Schlossbach spiegelt sich die Sonne, aus dem Wohnmobil von Iris und Bernhard Wagner dringt Essengeruch. „Ich habe hier alles, was ich brauche“, sagt Frau Wagner, „sogar einen Herd und eine Mikrowelle gibt es hier.“ Während seine Frau kocht, schaut Herr Wagner Fernsehen. Wahllos schaltet er sich durch die Kanäle, dann und wann schweift sein Blick zur offenen Tür. Draußen ist alles ruhig, etwas zu ruhig für Wagners Geschmack. „Es gibt immer weniger Kontakt zu den anderen Wohnmobilisten. Früher hat man abends noch zusammengesessen und ein Glas Wein getrunken“, sagt er.

An diese Zeit können sich auch Karl-Heinz und Theresia Oberhauser noch gut erinnern. „Damals um 1970 waren viele Jugendliche mit dem Wohnmobil unterwegs, man hat sich die Wagen selber ausgebaut.“ Heute seien es vor allem über 50-Jährige, die mit dem Wohnmobil auf Reisen gehen, so Oberhauser. „Das wirkt sich auch auf die Gemeinschaft auf dem Stellplatz aus. Das ist leider nicht mehr so wie früher, auch das Fernsehen macht viel kaputt.“

Davon vermiesen lässt sich das Paar das Reisen nicht. Seit 25 Jahren sind sie mit dem Wohnmobil unterwegs, 13 Jahre davon mit ihrem alten Hymer. „Wir waren in Italien, auf Gibraltar und Spanien, aber auch in Deutschland. Das ist eine Lebenseinstellung. Wohnmobilisten sind Individualisten.“ Diese Einschätzung teilen auch ihre Nachbarn – das Ehepaar Inge und Herbert Götz aus der Nähe von Tübingen. „Wir müssen abends nicht ein Hotel suchen und sind immer unabhängig.“ Morgen wollen die beiden Senioren das Steinhuder Meer besuchen, dann geht es Richtung Nordsee. „Wir sind zu 95 Prozent in Deutschland unterwegs“, sagt Herbert Götz. „Wir richten es immer so ein, dass wir hier unsere Verwandten besuchen können.“ Nach Bückeburg wollen sie auf jeden Fall zurückkehren, „hier gibt es wundervolle Strecken für das Fahrrad.“




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