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"Kümmerer" soll bei Problemen zwischen Betrieben und Azubis vermitteln / Aufgabe als 1,50-Euro-Job

Abbrecherquote bei Azubis soll gesenkt werden

Landkreis (jl). Was bei der Akquisition von Ausbildungsstellen gut klappt, soll demnächst auf ein Problemfeld im Ausbildungsbereich ausgedehnt werden: der ganz enge Kontakt von Arbeitsverwaltung, Kammern und Betrieben. Konkret will das Job-Center Schaumburg voraussichtlich zum 1. Februar die Stelle eines so genannten "Kümmerers" schaffen, der immer einspringt, wenn Ausbildungsverhältnissen das Aus droht.

veröffentlicht am 13.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

In einem Pressegespräch konstruierte Fritz Pape, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, ein Beispiel: "Nehmen wir an, wir haben einen Handwerksbetrieb mit sechs Mitarbeitern und zwei Azubis. Die Firma steht unheimlich unter Termindruck und muss pünktlich auf eine Baustelle. Dann ist der Auszubildende Oliver nicht da. Er ist noch in der Probezeit und hat schon öfter Probleme mit der Pünktlichkeit gehabt. Der Chef hat die Faxen dicke. Da ist der neue Mann gefragt." Michael Stemme, Geschäftsführer des Job-Centers, spannte den Bogen weiter: Nach seinen Darlegungen werden in Schaumburg jährlich rund 20 bis 30 Prozent der Ausbildungsverhältnisse abgebrochen. Zum Teil, weil die Azubis die Leistungsanforderungen nicht erfüllen, und zum Teil aus sozialen Gründen wie im fiktiven Fall Oliver. Dieser liegt nach Stemmes Schilderungen dicht an der Realität. So habe es einen Fall gegeben, bei dem der Vater eines Azubis diesem geradezu untersagt habe, morgens früh zur Arbeit zu gehen, weil er sich in seiner Frühstücksruhe gestört gefühlt habe. Vor allem den "sozialen" Abbrüchen will das Job-Center mit seinen Partnern Kreishandwerkerschaft und IHK mittels des "Kümmerers" zu Leibe rücken, weil solche Abbrüche in Stemmes und Papes Augen "unnötig" sind. Der neue Mann oder die neue Frau solle jemand sein, der so einen wie Mario "wachrüttelt, aber nicht bemuttert". Und er soll jemand sein, der vermittelt: zwischen Eltern und Kindern, wenn da das Hauptproblem liegt, oder zwischen Azubi und Chef - immer im engen Kontakt mit dem Job-Center und den Kammern. Die neue Stelle wird ein 1,50 Euro-Job, der bei der Schaumburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit angesiedelt wird. Das heißt, es wird nicht per Inserat gesucht, sondern das Job-Center wählt aus seiner Kundenkartei aus, in der nach Stemmes Einschätzung bestimmt jemand mit den nötigen Qualitäten vorhanden sei. Vorzeige-Beispiel ist die Lehrstellenakquise. Bei dieser Maßnahme sind zwei Arbeitslose eingesetzt, die in den vergangenen Monaten eine Fülle von Kontakten zu Betrieben hergestellt haben, die sich im Laufe der vergangenen Jahre aus der Ausbildung zurückgezogen hatten. Der Aufbau dieses Netzes zu Firmen im Handwerksbereich sowie Industrie, Handel und Gastronomie ist nach Stemmes und Papes Einschätzung einer der Gründe, warum das Handwerk in diesem Jahr ein Plus von zehn und der IHK-Bereich plus 16 Prozent Ausbildungsplätze gemeldet haben. Weil die Arbeit so erfolgreich angelaufen ist, soll sie mit den beiden Akquisiteuren im kommenden Jahr fortgesetzt werden.




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