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Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Bückeburg: Das „Sahnehäubchen“ für Kindertagesstätten und Jugendarbeit

Abi in der Tasche, und nun? – „Erfahrungen sammeln!“

Bückeburg (wk). Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass das Gesetz über den Bundesfreiwilligendienst (BFD) in Kraft getreten ist. Mit ihm will die Bundesregierung, so das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, rund 35 000 Männern und Frauen pro Jahr die Möglichkeit bieten möchte, sich zum Wohle der Gesellschaft zu engagieren.

veröffentlicht am 02.11.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:21 Uhr

Erstmalig sind derzeit auch bei der Stadt Bückeburg für die Dauer von zwölf Monaten BFD-ler beschäftigt: Elisa Brinkmann und Marvin Buhr arbeiten seit dem 1. September in der städtischen Kindertagesstätte (Kita) und Luisa Russmann in der Jugendfreizeitstätte. Alle drei sind 18 Jahre alt und haben das Abitur in der Tasche. Eine weitere BFD-lerin ist bei der Grundschule Am Harrl im Einsatz.

Luisa Russmann weiß zwar schon, dass sie auf Lehramt studieren möchte, will vorher aber noch Erfahrungen im Umgang mit Menschen sammeln. Für die Tätigkeit in der Jugendfreizeitstätte habe sie sich entschieden, da sie hier mit sehr viel unterschiedlichen Altersgruppen sowie einer „großen Bandbreite“ der Gesellschaft zu tun habe, erklärt die Bergdorferin. Außerdem biete ihr der Bundesfreiwilligendienst die Möglichkeit, die eigene Durchsetzungsfähigkeit zu trainieren.

Ein Lehramtsstudium hat auch Elisa Brinkmann vor Augen. Den freiwilligen Dienst hat sie ebenfalls angetreten, um vorher schon mal mit Kindern gearbeitet zu haben, was sich ihrer Einschätzung nach zudem als Referenz bei späteren Bewerbungen um eine Lehrerstelle gut machen dürfte. Direkt nach der Schule als Studentin an die Uni wechseln wollte sie aber auch deshalb nicht, weil sie sich hinsichtlich des anvisierten Berufszieles während ihrer BFD-Zeit noch mehr Klarheit gewinnen möchte. Oder wie es die Nienstädterin formuliert: „Mit 18 Jahren ist man sich ja noch nicht ganz so sicher, ob es das ist.“

Sich nach dem Abitur noch eine Phase der Orientierung zu gönnen ist es auch, was Marvin Buhr (Rusbend) bewogen hat, den Taschengeld-Job mit 39 Wochenstunden zu übernehmen. Studieren will er aus heutiger Sicht zwar irgendetwas in Richtung erneuerbarer Energien respektive Biologie. Von der Arbeit in der Hortgruppe des städtischen Kindergartens verspricht er sich jedoch Erfahrungen, die ihn in seiner persönlichen Entwicklung weiterbringen. Eines kann er jetzt schon sagen: „Mir gefällt es super. Ich habe hier sehr nette Kolleginnen und die Arbeit macht großen Spaß.“

Unterm Strich sieht der Personalleiter der Stadt Bückeburg, Bernd Meier, den Bundesfreiwilligendienst als ein Angebot zum beiderseitigen Vorteil: Zum einen sei dies eben eine Orientierungsphase für die BDF-ler, andererseits aber auch eine „zusätzliche Unterstützung für die personell ausreichende Stammbelegschaft“ in den jeweiligen städtischen Einrichtungen. Dabei seien die BDF-ler insofern „das Sahnehäubchen“, indem sie durch das, was sie im Rahmen ihres freiwilligen Dienstes tun, einen „Mehrwert“ bieten.

Diese Form des Engagements wird seit dem Wegfall des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 alternativ zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und zum Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) angeboten. Dabei steht der Bundesfreiwilligendienst „Männern und Frauen jeden Alters nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht“ offen und kann in den bisher von Zivildienstleistenden ausgeübten Tätigkeiten sowie in den Bereichen Sport, Integration, Kultur und Bildung absolviert werden. Der Einsatz dauert wie in den Jugendfreiwilligendiensten in der Regel zwölf, mindestens jedoch sechs und höchstens 24 Monate, und ist grundsätzlich vergleichbar einer Vollzeitbeschäftigung zu leisten. Sofern die Freiwilligen älter als 27 Jahre sind, ist auch Teilzeit von mindestens 20 Wochenstunden möglich.

Honoriert wird der Bundesfreiwilligendienst mit einem monatlichen „Taschengeld“, das mit dem jeweiligen Träger der entsprechenden Einrichtung (zum Beispiel Kindergarten) frei vereinbart wird. Zudem sind die Freiwilligen gesetzlich sozialversichert. Wie der Zivildienst soll auch der Bundesfreiwilligendienst arbeitsmarktneutral sein und nicht zu einer Verdrängung oder einem Ersatz regulärer Arbeitskräfte führen, sondern allein unterstützende Tätigkeiten beinhalten.

Luisa Russmann (oben) arbeitet als BFD-lerin in der Jugendfreizeitstätte. In der Städtischen Kindertagesstätte leisten Elisa Brinkmann und Marvin Buhr ihren Freiwilligendienst ab.

Fotos: wk




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