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Vor Gericht: Angriff nach Freispruch noch geklärt / Langes Vorstrafenregister

Acht Monate Haft – Gericht glaubt fünf Zeugen mehr als zwei Zeugen

Bückeburg (ly). Diesmal war’s der Richtige: Zu acht Monaten Haft, unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung, hat das Bückeburger Amtsgericht einen 39-Jährigen aus Porta Westfalica verurteilt. Ein anderer Mann war zuvor freigesprochen worden (wir berichteten). Im September 2007 hatte der jetzt angeklagte Portaner in Bad Eilsen erst einen Rentner (61) bedroht, der ihm auf der Bahnhofstraße zu langsam gefahren war, und anschließend dessen 22 Jahre alten Sohn mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen. Der Filius wollte seinem Vater auf dem eigenen Grundstück zur Hilfe eilen.

veröffentlicht am 08.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 06:41 Uhr

Weil der Schläger schon lange keinen Führerschein mehr besitzt, an jenem Vormittag aber trotzdem am Steuer eines Umzugswagens gesessen hatte, wurde er außerdem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen verurteilt. Hinzu kommen zweieinhalb Jahre Führerscheinsperre. Nach der Urteilsverkündung riss der 39-Jährige die Tür auf und ging laut schimpfend zum Ausgang.

Anfangs war Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber nach eigener Aussage geneigt, dem Angeklagten, der seine Unschuld beteuert hatte, zu glauben. „Erste Zweifel“ kamen Schreiber beim Blick ins Vorstrafenregister, das 27 Eintragungen umfasst und in dem Körperverletzung gehäuft auftaucht. Kürzlich hatte ein anderes Gericht den Portaner ebenfalls zu acht Monaten Haft verurteilt. „Dieses bewegte Vorleben können wir hier nicht ausblenden“, so Richter Armin Böhm. Am Ende der mehrtägigen Verhandlung sollten sich auch die Vorwürfe wegen der Sache in Bad Eilsen erhärten.

Fünf Zeugen haben den Angeklagten gesehen

Mehrere Menschen, die damals an dem Umzug beteiligt waren, hatten ausgesagt, dass der 39-Jährige am Steuer gesessen habe, aus dem Transporter gestiegen und auf das Grundstück des Rentners gegangen sei. „Ich sehe keinen Grund, warum fünf Zeugen den Angeklagten zu Unrecht belasten sollten“, so Schreiber. Verdächtig gemacht hatte den Wiederholungstäter zudem eine Tätowierung.

Der Angeklagte hatte behauptet, zur Tatzeit im Sauerland gewesen zu sein, um ein Auto zu kaufen. Tatsächlich existiert darüber ein Kaufvertrag mit dem entsprechenden Datum. „Ich vermute, dass das Datum nachträglich eingesetzt wurde“, erklärte Richter Böhm. Wenn dies stimmt, könnte ein Abbruchunternehmer aus dem Sauerland, Verkäufer des Autos, sowie einer von dessen Angestellten ein Problem bekommen. Beide Männer hatten die Version des Angeklagten als Zeugen vor Gericht bestätigt.

Dass es fast anderthalb Jahre lang nicht gelungen war, den Täter zu überführen, hatte den damals attackierten Rentner mit der Justiz hadern lassen. Jetzt sollte der Eilser versöhnt sein. Gegen das Urteil ist allerdings noch Berufung vorm Landgericht möglich. Gerechtigkeit braucht manchmal etwas länger.




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