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Landesschulbehörde muss umgehend reagieren – Abi-Prüfungen jetzt unter Dezernenten-Fittichen

Adolfinum: Direktor ist „langfristig erkrankt“

Bückeburg (rc). Am Gymnasium Adolfinum in Bückeburg wird es in diesem Schuljahr ein sogenanntes Dezernentenabitur geben. Als Grund nannte das Niedersächsische Kultusministerium auf Anfrage unserer Zeitung eine „langfristige Erkrankung“ des Direktors Heinz-Ulrich Gosemann. „Eine durchaus übliche Vorgehensweise in solchen Fällen, die ab und an im Land passiert“, so Ministeriumssprecher Andreas Krischat.

veröffentlicht am 24.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:41 Uhr

Er dementierte am Adolfinum umgehende Gerüchte, dass nach den Auseinandersetzungen zwischen Gosemann und großen Teilen des Kollegiums und der Elternvertretung sowie Ungereimtheiten um die Unterrichtung von Wahlpflichtstunden für die achten und neunten Jahrgänge der Direktor abgelöst worden sei. Krischat: „Das ist nicht der Fall.“ Nach Informationen unserer Zeitung hat der Schulleiter aber sein Büro von persönlichen Sachen geräumt – bis auf eine Kaffeemaschine. Die Dienstgeschäfte am Adolfinum hat Gosemanns Stellvertreterin Sandra Behsler übernommen, die Anfang des Schuljahres neu an die Schule gekommen ist.

Dezernentenabitur bedeutet, dass die Oberaufsicht und die Einhaltung aller Regeln und Verordnungen sowie der Prüfungsvorsitz in der Obhut der Landesschulbehörde und nicht des Direktors liegen. In der Regel wird ein Dezernentenabitur nur außerhalb eines bestimmten Turnus gemacht, wenn ein Schulleiter neu ist oder eben ausfällt.

Das Kollegium wurde nach Informationen unserer Zeitung kurz vor den Osterferien von dieser Entwicklung während einer Dienstbesprechung zum Abitur darüber in Kenntnis gesetzt. Die Begründung, die gegeben wurde – anspielend auf eine Schlagzeile unserer Zeitung: „… damit das Abitur nicht wackelt.“ Nähere Angaben über die weiteren Perspektiven am Adolfinum und zum Verbleib Gosemanns wurden in dieser Besprechung nicht gemacht. Mit der Rückkehr Gosemanns vor den Sommerferien sei aber wohl nicht zu rechnen.

Auch für 2009 keine Entlastung für Direktor

Zum Hintergrund: Unsere Zeitung hatte Anfang März aufgedeckt, dass in den 8. und 9. Jahrgängen des Gymnasiums laut Stundentafel vorgeschriebene Wahlpflichtkurse nicht gegeben worden waren. Rein rechtlich hätte drohen können, dass die betroffenen Schüler ihr Abitur nicht hätten machen dürfen, weil sie die erforderliche Pflichtstundenzahl nicht hätten vorweisen können. Erst massive Elternbeschwerden hatten zu einer Reaktion der vorgesetzten Behörde geführt, die die Erteilung der Stunden schließlich anwies.

Zu der Erteilung der Wahlpflichtstunden und der erforderlichen Änderung des Stundenplanes zum Halbjahresbeginn sagte der Ministeriumssprecher, dass die Wahlpflichtkurse epochal, also in dem einen oder anderen Halbjahr, erteilt werden könnten. Das sei jetzt auch am Adolfinum geschehen. Zu den Auseinandersetzungen innerhalb der Schule merkte der Ministeriumssprecher an, dass bisher kein Mediator seitens der Landesschulbehörde eingesetzt worden sei. Krischat im Hinblick auf die Erkrankung: „Das ist derzeit auch nicht sinnvoll.“ Ende vergangenen Jahres war seitens der Behörde angekündigt worden, einen Mediator an die Schule zu entsenden, um die Konflikte beizulegen.

Keine Stellungnahme gab der Ministeriumssprecher zu Informationen unserer Zeitung ab, dass dem Direktor des Gymnasiums seitens des Schulvorstandes für 2009 keine Entlastung für das abgelaufene Haushaltsjahr erteilt worden ist – wie auch schon für das Haushaltsjahr 2008. Diese Information liege dem Ministerium nicht vor. Auch dass bisher für das laufende Jahr kein Haushalt seitens des Schulleiters vorgelegt worden ist, sei nicht bekannt. Der Ministeriumssprecher verwies darauf, dass dies in vielen Behörden und Parlamenten üblich sei, wo derzeit vielfach erst die Haushalte vorgestellt und beraten würden. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der heimischen Landtagsabgeordneten Ursula Helmhold (Bündnis 90/Die Grünen), gemünzt auf die Situation am Adolfinum, hatte die Landesregierung geantwortet: „Das Schulgesetz knüpft zwar keine direkte Rechtsfolge an eine Nichtentlastung, gleichwohl stellt die nicht ordnungsgemäße Vorlage eines Haushaltsplanentwurfs eine Pflichtverletzung dar.“




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