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Franziska Jaap informiert Kollegium des Gymnasiums Adolfinum über Schulalltag und Besonderheiten

„Alle Kinder profitieren von der Inklusion“

Bückeburg/Misburg (vhs). Durch Vorgaben der Europäischen Union steht die Inklusion überall auf der schulischen Tageordnung, auch am Gymnasium Adolfinum. Um Informationen aus erster Hand zu erhalten, hatte Schulleiter Michael Pavel eine Lehrkraft vom Kurt-Schwitters-Gymnasium Misburg eingeladen. Dort wurde im Jahr 2011 das erste Kind mit einem besonderen Förderbedarf angemeldet, und inzwischen sind es drei Kinder, die auf ihre Weise aus dem Rahmen fallen, aber eben nicht fallen gelassen werden an diesem Gymnasium.

veröffentlicht am 14.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:21 Uhr

Franziska Jaap ist Klassenlehrerin der ersten Integrationsklasse. Im Adolfinum referierte die Deutschfachkraft ohne Zusatzausbildung für Förderschulpädagogik darüber, welche Hürden zunächst zu bewältigen waren, wie die Gruppe sich zusammensetzt, welche Bedingungen man auf Lehrerseite hat und was man inzwischen erreicht hat.

Demnach scheint eine anfängliche Skepsis in der Elternschaft nicht nur überwunden, die Eltern, so Jaap, seien geradezu beeindruckt, welche Wirkung die Mischung in erzieherischer Hinsicht gehabt hat: „Die größten Fortschritte machen die eigentlichen Gymnasiasten, insbesondere in sozialer Hinsicht, aber alle Kinder profitieren in gewisser Weise von der Inklusion.“

Unter den 22 Schülern der Lateinklasse des 6. Jahrgangs sind drei Kinder mit Behinderungen und Beeinträchtigungen ganz unterschiedlicher Art. „Downsyndrom, frühkindlicher Autismus, unspezifische geistige Behinderung“, mit diesen Begriffen umriss Jaap die Ausgangssituation, warnte aber vor starrem Diagnosedenken. Die Kinder würden nicht zielidentisch unterrichtet, man differenziere durchaus sehr deutlich, was mögliche Abschlüsse angehe, versuche aber, die Zeit des gemeinsamen Unterrichts auszudehnen und die Sitzordnung jede Woche zu variieren. Für die zusätzliche pädagogische Arbeit stünden 18 Stunden pro Woche zur Verfügung, verteilt auf verschiedene Fachkräfte.

Nach dem äußerst interessanten Vortrag, der durch Fotos und Filmausschnitte ergänzt wurde, richteten einzelne Kollegen Fragen an die Referentin. Dabei ging es um Klassengrößen, Motivationsimpulse im Kollegium, fehlende Fortbildungsmaßnahmen, die Dauer der jeweiligen Klassenlehrerschaft, die Bedeutung von persönlichen Bindungen der Kinder an die oft wechselnden Förderassistenten und die Höhe der zusätzlichen Arbeitsbelastung der Fachlehrkräfte.

Franziska Jaap wusste auch durch ihr beherztes Auftreten davon zu überzeugen, dass Inklusionspädagogik Kräfte freisetzt und Kreativität auf Lehrerseite fördert. Sie verschwieg nicht, wo es bislang, was den bildungspolitischen Rahmen anbelangt, hapert bei der Umsetzung dieser „Reform von oben“. Unmissverständlich formulierte sie als Anspruch gegenüber den Eltern der Kinder mit besonderem Förderbedarf: „Auch diese Kinder müssen erzogen werden!“




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