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Stolperstein für im Jahr 1945 im Zuchthaus gestorbenen Rodenberger

Alliierte kamen für Paul Jost zu spät

Rodenberg (gus). Rodenberg hat seit Mittwoch seinen ersten Stolperstein: In Gedenken an den 1945 verstorbenen Paul Jost verlegte Künstler und Holocaust-Mahner Gunter Demnig vor dessen früherem Wohnhaus an der Echternstraße 19 einen jener Pflastersteine mit Messingtafel, von denen es europaweit mittlerweile mehr als 35 000 gibt.

veröffentlicht am 05.12.2012 um 19:23 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:22 Uhr

Es war eine besondere Zeremonie, nicht nur weil etwa 50 Interessierte dabei sein wollten, sondern auch weil zwei Hinterbliebene Paul Josts darunter waren. Dessen Tochter Margarete Stüber und seine Enkelin Brigitte von Jaminet dankten Demnig und dem Bündnis Rodenberg für Demokratie, dass der symbolische Akt vollzogen werden konnte. „Ich bin stolz auf meinen Großvater, den ich nie kennenlernen durfte“, sagte von Jaminet, die auch betonte, dass ihre Mutter viele Demütigungen hatte hinnehmen müssen. Der Vater und Ehemann sei damals aus der Familie gerissen worden.

Paul Jost hatte nach Worten Uwe Märtens’ im Dritten Reich regelmäßig mit der Gestapo zu tun. Als überzeugter Sozialdemokrat habe er unter Verdacht gestanden, regimefeindliche Flugblätter in Zügen auszulegen und Zwangsarbeitern Essen zuzustecken. Im Juni 1943 musste sich Paul Jost vor Gericht verantworten, weil er per Radio „Feindsender“ empfangen hatte. Obwohl der Rodenberger angab, er wollte sich über den Verbleib seines Sohnes bei der Kriegsmarine informieren, wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

In Hameln saß Paul Jost seine Strafe ab. Und das Kriegsende kam für ihn nicht zeitig genug. Am 28. April 1945 starb Paul Jost – drei Wochen vor der Ankunft der Alliierten – an Durchfall und Herzschwäche. Diese Symptome waren laut Märtens keine Seltenheit in dem Gefängnis. Ohne Sarg wurde der Leichnam auf einem abgelegenen Teil des Friedhofs Wehl begraben.

Vertreter aus Politik und Verwaltung, auch aus Nachbarkommunen, Mitarbeiter der Polizei und einfache Bürger – darunter Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde – würdigten die Steinverlegung. Stolpern sollen die Passanten „mit dem Kopf und mit dem Herzen“, wie Demnig sagte. Und der Künstler will die Namen der Opfer zurück an die Orte ihres Lebens bringen.

Märtens will drei weitere Stolpersteine in Rodenberg verlegen lassen. Zunächst laufen dafür aber die Recherchen.




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