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Origineller Apelerner Karneval vor ausverkauftem Haus – mit Buh-Rufen (nur von Männern) und elf Kaiser-Pinguinen

Amalie Ziegenfett sucht einen Mann, aber Schuhgröße 48

Apelern (nah). Über hundert Akteure haben mehr als 1200 Besucher in drei Sitzungen des Apelerner Karnevalclubs (AKC) begeistern können. Mit Witz und Originalität, mit Musik, Farben und Kostümen gefielen sie in dem über vierstündigen Programm. Wesentlichen Anteil daran hatte auch die Kapelle Hülsede/Kathrinhagen unter der Leitung von Frank Rinne.

veröffentlicht am 01.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:41 Uhr

Als Elfi Müller in die Bütt steigt, steigert sich der Applaus bald zu frenetischem Beifall. Aber nur im halben Saal: Weibliche Zuhörerinnen amüsieren sich köstlich über deren Tiraden auf das männliche Geschlecht. Dessen Vertreter ziehen immer längere Gesichter: Erste Buh-Rufe werden laut. Selbst ein Elferratsmitglied ereifert sich über das Gehörte. Aber es ist ja Karneval; und auch Müller gelangt unbeschädigt von der Bühne – mit sichtlicher Freude, weil ihr zu Ehren gleich zwei lärmende Publikums-„Raketen“ durch die Halle donnerten. Die Damen hätten sich wohl lieber noch eine Zugabe gewünscht.

Eine andere weibliche Person sorgte bei der kompletten närrischen Belegschaft für Furore: Witwe Amalie Ziegenfett sucht per Zeitungsanzeige einen Mann („Aber mit Schuhgröße 48, damit er die Stiefel meines Alten aufträgt!“). Für Tobias Möller nur eine der Glanzrollen, in die er an diesem Abend schlüpfte. In einer zweiten las er dem Elferrat („Die elf Kaiserpinguine“) die Leviten, weil dieser von ihm die Halbierung seiner angeblich zu langen Rede verlangt habe. „Ein halber Tobi wär‘ doch nix“, brüllte er durch den Saal. Da sollten lieber andere Dinge halbiert werden: „Zum Beispiel der Stoff der Rot-Weiß Garde.“

Diese eroberte sich auch ohne textile Kürzung die Herzen des Publikums, zumal sie soeben erst mit einem dritten Preis beim Landeswettbewerb für karnevalistische Tänze ausgezeichnet wurden. Sogar als Sieger in ihrer Klasse gingen die singenden Schwestern Melanie und Carina Springinsguth hervor.

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Kapellmeister Frank Rinne sorgt für Stimmung.

Den flotten Darbietungen des Funkenpaars Patrick Reinecke und Katharina Thies standen andere Gruppen nicht nach: Dem Querschnitt aus dem Musical „Grease“ folgte Akrobatik mit Geldsäcken; musikalische Parodien wurden durch streng gekleidete „Sekretärinnen“ auf einer After-Work-Party ergänzt. Die Reservisten der örtlichen Feuerwehr sangen; und die acht jungen Herren des Ensembles „Männerüberschuss“ stemmten ihre sechs gleichaltrigen Partnerinnen wie Federgewichte.

Längst baumelte da ein „Käseorden“ um den Hals von Präsident Karl-Heinz Thum, weil ein Holländer samt einiger „Antjes“ zum Auftakt des Abends die Bühne erobert hatte. Und neben zwei weiteren Büttenreden von Jennifer Müller und Heinrich Möller zogen „Hexen und Zauberer“ örtliches Geschehen gründlich durch den sprichwörtlichen Kakao.

Das originelle Quintett mokierte sich genüsslich über die vom Fernsehen initiierte Geistersuche im örtlichen Rittergut und über den kommunalen Kauf der ehemaligen Straßenmeisterei („Dort entsteht das neue Klinikum Schaumburg!“). Zu viel Kritikwürdiges schien es an Apelern nicht zu geben: In Lauenau und Rodenberg wurden die spitzzüngigen Kommentatoren öfter fündig.

So sehr Büttenrednerin Elfi Müller auch über den erschlafften eigenen Hausgenossen („Wie ein Trabbi mit herabhängender Stoßstange!“) und andere Herren der Schöpfung geklagt haben mag; auch sie muss beim Anblick der knackigen Kerle versöhnt worden sein, die kurz vor dem Finale den Saal mit freiem Oberkörper und Slip zum Kochen brachten. In ein paar Tagen haben auch Rintelner Frauen das Vergnügen: Bis an die Weser eilt Männerballett Titanium-Talentfrei (MTT) schon der Ruf voraus.




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