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Homosexualität im Pfarrhaus: Landesbischof Karl-Hinrich Manzke teilt Bedenken seiner Vorgänger nicht

„Andere Lebensformen nicht diskriminieren“

Bückeburg (kk). Die Kritik von acht evangelischen Altbischöfen an einer zu liberalen Haltung ihrer Kirche gegenüber homosexuellen Pfarrern hat für erhebliche Diskussionen nicht nur in Kirchenkreisen gesorgt. In einem Brief an die Landessynoden, auch an die schaumburg-lippische, hatten unter anderen Heinrich Hermanns und Jürgen Johannesdotter gefordert, einem möglichen Zusatz zum neuen Pfarrerdienstgesetz der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) nicht zuzustimmen. Die „Begründung“ zu dem entsprechenden Paragrafen lasse nämlich die Möglichkeit der Ordination und Anstellung von Pastoren zu, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebten.

veröffentlicht am 24.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 03:41 Uhr

Landesbischof Karl-Hinrich Manzke will die Bedenken seiner Amtsvorgänger in der Landessynode zur Diskussion stellen. Manzke selbst steht der Auffassung der Altbischöfe allerdings eher kritisch gegenüber. In einem Gespräch mit unserer Zeitung stellte er klar, dass der Schutz von Ehe und Familie zwar Vorrang genieße, alternative Lebensformen aber dadurch nicht diskriminiert werden dürften.

Der Landesbischof wertet die Initiative der Altbischöfe als „ungewöhnlichen Schritt“. Der zeige aber auch, dass sie sich offensichtlich große Sorgen um die Zukunft der Kirche machten. Manzke erläuterte, dass die Diskussion um Homosexualität die der Kirche keineswegs neu sei. Daher sei er etwas erstaunt gewesen, dass das Thema in der hiesigen Landessynode bisher noch keine Rolle gespielt habe. Eine Diskussion möchte er aber noch in diesem Jahr führen. Auf eine Debatte lege er großen Wert, um eine Positionierung Schaumburg-Lippes auf eine breite Basis zu stellen.

„Ehe und Familie sind unersetzbar. Schließlich wird hier das Leben weitergrgeben,“ macht Manzke klar. Er fügt aber ausdrücklich hinzu, dass dieser besondere Schutz nicht dazu führen dürfe, dass andere Lebensformen wie eingetragene Partnerschaften – die ja auch gesetzlich legitimiert seien – diskriminiert würden. Ausgelöst worden war die Diskussion durch die Vorlage eines neuen Pfarrerdienstgesetzes. Es soll zu einer Vereinheitlichung der Regelungen über die Grenzen der einzelnen Landeskirchen hinaus führen. In dessen Paragraf 34 geht es um „Ehe und Familie“. Einzelheiten müssen die Landeskirchen in Ausführungsbestimmungen hierzu regeln. Das Pfarrerdienstgesetz wird auch in der hiesigen Landessynode beraten werden.

Bundesweit stieß der Vorstoß der Altbischöfe nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes weitgehend auf Unverständnis. Kritik gab es unter anderem vom früheren Ratsvorsitzenden der EKD, Manfred Kock. Er hält homosexuelle Partnerschaften für „nicht bibelwidrig“. Homosexualität gehöre „zu den Ausprägungen menschlicher Geschlechtlichkeit“, sagte Kock.

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) reagierte gelassen auf den Appell der Altbischöfe, keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften im Pfarrhaus zu dulden. Die „pensionierten alten Herren“ verschlössen sich der heutigen Lebenswirklichkeit, sagte HuK-Sprecher Pfarrer Alfred Menzel aus Bielefeld in der vergangenen Woche.

In den einzelnen evangelischen Landeskirchen wird das Thema zurzeit ganz unterschiedlich gehandhabt. Wie in der hannoverschen Landeskirche gibt es häufig Einzelfallentscheidungen. Die braunschweigische Landeskirche lehnt ein gleichgeschlechtliches Zusammenleben im Pfarrhaus ab. In Schaumburg-Lippe gab es bisher keinen Handlungsbedarf.




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