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1,55 Promille: Frau verurteilt

Angeklagte hat ,,Wahl zwischen Pest und Cholera‘‘

Hagenburg/Bückeburg (ly). Mit 1,55 Promille Alkohol im Blut hat die Polizei eine Frau aus Wunstorf erwischt, nachdem die 36-Jährige in Hagenburg einen Unfall mit Sachschaden verursacht hatte. Das Urteil: 1000 Euro Geldstrafe wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, dazu acht Monate Führerscheinsperre.

veröffentlicht am 05.04.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 07:42 Uhr

Richter Jens Rass, Vorsitzender der Berufungskammer am Bückeburger Landgericht, fühlte sich an den Fall der damaligen Landesbischöfin Käßmann erinnert, die in Hannover mit 1,54 Promille eine rote Ampel überfahren hatte. So oder so: Dem Rausch folgt meist Ernüchterung. „Ich bin auf meinen Führerschein angewiesen“, klagt die jetzt verurteilte Wunstorferin. „Da zählt jeder Tag.“ Durch „die ganze Geschichte“ sei sie „in Hartz IV gerutscht“ und finanziell „von oben in ein tiefes Loch gefallen“.

Auto schleudert gegen Hauswand

Das hätte sich die 36-Jährige vielleicht überlegen sollen, als sie im März vergangenen Jahres in einer Steinhuder Bar saß, die Nacht zum Tag machte und bis morgens zechte. Stattdessen setzte die Frau sich im Zustand absoluter Fahruntüchtigkeit (ab 1,1 Promille aufwärts) noch hinters Lenkrad. Auf einer Einmündung der Altenhäger Straße rammte sie gegen sieben Uhr früh ein anderes Auto und schleuderte mit der Front ihres Wagens gegen eine Hauswand.

Für das kleinere Übel entschieden

Im Berufungsverfahren hatte die Angeklagte jetzt „die Wahl zwischen Pest und Cholera“, wie es Richter Rass ausdrückte. Sie entschied sich für das kleinere Übel, zog ihre Berufung gegen ein vorausgegangenes Urteil des Stadthäger Amtsgerichts zurück und akzeptierte die Entscheidung. Vorteil an der Sache: Mitte April läuft die Führerscheinsperre aus, weil die nunmehr rechtskräftige Stadthäger Entscheidung dann acht Monate zurückliegt. Denkbare Alternative wäre eine niedrigere Geldstrafe gewesen. Dann hätte das Berufungsgericht allerdings eine weitere Sperre von mindestens drei Monaten verhängen müssen, bis Ende Juni also. So steht es im Gesetz.

Da beißt die nicht vorbestrafte Alkoholsünderin lieber in den sauren Apfel und zahlt mehr. Nun kann sich die 36-Jährige wieder einen Job suchen. Um Bars sollte sie künftig einen großen Bogen machen – oder vorher den Autoschlüssel abgeben.




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