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Jäger wollen mehr Mufflons erlegen

Angst vor dem Wolf

Die Zahl der Mufflons im Bückeberg in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen – das macht Probleme. Deshalb wollen die Jäger mehr Muffelwild schießen. Gleichzeitig bereitet der Hegegemeinschaft der Wolf zunehmend Sorgen.

veröffentlicht am 20.03.2018 um 10:46 Uhr

Lothar Seidel (re.) und Bernhard Michel zeigten Jagdtrophäen und stellten die aktuellen Abschusszahlen vor. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Es begab sich zu einer Zeit, als Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe im Forstort Brandshof Mufflons aussetzte. Anno 1914 war das. Also vor ziemlich genau 104 Jahren. Die Wildschafe, die aus Korsika und Sardinien zum Bückeberg bei Obernkirchen gebracht worden waren, vermehrten sich gut in den heimischen Gefilden. In den letzten Jahrzehnten ist die Population stark angestiegen – das macht allerdings auch Probleme. Die Formel ist einfach: Je mehr Muffelwild desto mehr Fraßschaden in der Forst- und Landwirtschaft. Inzwischen hat es sich die Hegegemeinschaft Schaumburg zur Aufgabe gemacht, darauf zu achten, dass Natur und Muffelwild im Gleichgewicht bleiben. „Die Bejagung ist dabei das wichtigste Werkzeug einer guten Hege“, sagt der Geschäftsführer der Hegegemeinschaft, Lothar Seidel. Mit der Jagd auf Mufflons versuche man die Schäden gering zu halten. Oberstes Ziel sei dabei aber immer, den Muffelwildbestand zu erhalten. „Deshalb schießen wir auch nur so viel Tiere, wie nachwachsen“, sagt Seidel. Bernhard Michel zeigte auf der Versammlung Jagdtrophäen und stellte die Abschusszahlen vor. Im letzten Jahr wurden 131 Mufflons erlegt. Allein in den Klosterforsten rund um Obernkirchen seien 47 Wildschafe abgeschossen worden. Die Zahl der Abschüsse sei deshalb so hoch, weil die Anzahl der Mufflons am Bückeberg rasant zugenommen habe, so der Vereinsvorsitzende Michel. Gerade auch in den Klosterforsten hätten die Forstschäden durch das Muffelwild zugenommen. „In der Landwirtschaft sind insbesondere Schäden an Mais, Weizen und anderen Feldfrüchten zu verzeichnen. In der Forstwirtschaft sind oftmals die frischen Triebe von Laub- und Nadelbäumen abgefressen worden“, erklärt der Vorsitzende. Deshalb habe man sich auch das Ziel gesetzt, in der kommenden Jagdsaison 130 Mufflons zu erlegen. „Damit wollen wir den Mufflon-Bestand auf ein gesundes Maß runterdrücken“, erklärt Michel.

Der Revierleiter der Klosterförsterei Obernkirchen, Mark Gützkow, klärte die Mitglieder der Hegegemeinschaft auf der Versammlung über Möglichkeiten auf, Pflanzen im Wald vor Wildfraß zu schützen. „Solch ein Wildverbiss kann das Wachstum von Pflanzen verzögern oder im schlimmsten Fall die Pflanze absterben lassen“, erklärt Gützkow das Problem. Unter anderem würden deshalb Plastikröhren, die über die Pflanze gestülpt werden, sogenannte Wuchshüllen, oder auch Zäune eingesetzt, um die Mufflons davon abzuhalten, Zweige und Blätter zu fressen. Neben diesen Schutzmaßnahmen würde auch ein sogenanntes Verbissschutzmittel benutzt. „Der Vergrämungsstoff wird dabei auf die jeweilige Pflanze gegeben und sondert einen Geschmack und Geruch ab, den die Mufflons nicht mögen“, sagt der Förster. „Der Nachteil bei dieser Variante: Der Schutz ist nur für maximal sieben Monate gegeben, danach muss man sich etwas anders überlegen“, erzählt Gützkow. Der Verbissschutz sei zudem nicht billig, so der Experte. Den Klosterforsten entstünden dadurch zusätzliche Kosten.

Besonders große Sorgen bereitet der Hegegemeinschaft aber ein anderes Problem: der Wolf. In seiner Heimat habe das Muffelwild nur den Steinadler als natürlichen Feind. „Im Bückeberg stehen die Mufflons eben ganz anderen Fressfeinden gegenüber“, sagt Seidel. „Wolf und Muffelwild können auf Dauer nicht gemeinsam in einem Gebiet leben“. Einzelne durchziehende Wölfe seien nicht das Problem, aber die Sorge wächst, dass ein Wolfsrudel am Bückeberg jagen könnte. „Wenn das passiert, dann wird der gesamte Muffelwildbestand ausgelöscht“, sagt Michel. Derzeit sei der Hegering machtlos, da sich die Politik beim Thema Wolf noch uneins sei. „Der Wolf ist eben streng geschützt“, sagt Bernhard Michel nachdenklich. Man könne nur hoffen, dass der Bückeberg vom Wolf verschont bleibe. Einen Zaun könne man schließlich nicht durch den ganzen Bückeberg ziehen. „Das finde ich auch nicht schön“, sagt der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Schaumburg.

Die Mufflons im Bückeberg verursachen Fraßschäden in der Forst- und Landwirtschaft. Um den sogenannten Verbiss zu verringern, wollen die Jäger mehr Muffelwild erlegen. Foto: pr
  • Die Mufflons im Bückeberg verursachen Fraßschäden in der Forst- und Landwirtschaft. Um den sogenannten Verbiss zu verringern, wollen die Jäger mehr Muffelwild erlegen. Foto: pr

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