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„Serbien heute“: GfW-Vortrag zeichnet den Weg des Staates nach Europa nach

Annäherung an die Europäische Union hat allerhöchste Priorität

Minden (bus). Für die Republik Serbien besitzt die Annäherung an die Europäische Union allerhöchste Priorität. Das ist die Kernaussage von Vlado Ljubojevic während einer Veranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) im Hotel „Bad Minden“ gewesen, die das Thema „Serbien heute – die demokratischen Veränderungen und der Weg nach Europa“ behandelte.

veröffentlicht am 12.02.2009 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:21 Uhr

Selbst die serbische Opposition könne gegen die Annäherung keine vernünftige Alternative ins Feld führen, verdeutlichte der Referent, der sein Heimatland in Düsseldorf als Generalkonsul in Nordrhein-Westfalen vertritt und seit drei Jahrzehnten im Diplomatischen Dienst steht. Der GfW-Gast bewies auch in Minden einiges diplomatisches Geschick. Über Serbien zu sprechen sei schon wegen der vielen internationalen Kontraste und Gegensätze nicht einfach, erklärte Ljubojevic. Selbst wenn Unterhaltungen über die gleichen Ereignisse geführt würden, könne man viele unterschiedliche Darstellungen hören. Der Referent benutzte ein seiner Auffassung nach noch immer gültiges Zitat von Winston Churchill, um die Vielschichtigkeit der Problemstellungen im ehemaligen Jugoslawien zu verdeutlichen. „Der Balkan“, hatte der britische Staatsmann einmal gesagt, „produziert mehr Geschichte, als er verbrauchen kann.“

Serbien (88 000 Quadratkilometer, 7,5 Millionen Einwohner) liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel, grenzt im Norden an Ungarn, im Osten an Rumänien und Bulgarien, im Süden an Mazedonien und (über das völkerrechtlich umstrittene Kosovo) an Albanien, im Südwesten an Montenegro und im Westen an Bosnien, Herzegowina und Kroatien. Es ist trotz seiner 21 Minderheiten und 52 unterschiedlichen Konfessionen mit Ausnahme der Provinz Vojvodina ein ethnisch relativ geschlossenes Gebiet. Nach der Auflösung der Staatenunion von Serbien und Montenegro 2006 muss die parlamentarische Republik ihren Weg in der internationalen Politik und nach Europa alleine gehen. Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, die unbefriedigende Wirtschaftslage und die schwierige Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit stellen große innen- und außenpolitische Belastungsfaktoren dar.

Als ein Beispiel der Vielschichtigkeit wählte der Generalkonsul seine eigene Familie: Er selbst ist gebürtiger Montenegriner, ein Bruder lebt in Bosnien, eine Schwester in Kroatien. Innerhalb der Familie halte sich unterdessen die auf dem Balkan häufig anzutreffende Neigung zur Glorifizierung ethnischer Tugenden gegenüber anderen Volksgruppen in Grenzen, merkte Ljubojevic schmunzelnd an. Dessen ungeachtet komme die aus der wechselvollen Geschichte und etlichen nationalen Kriegen erwachsene Neigung in der Region nach wie vor einem nicht zu unterschätzenden Problem gleich.

Mit Blick auf sein Heimatland forderte der Referent vor allen Dingen sachliche Berichterstattung der (ausländischen) Medien ein. Das von Serbien gezeichnete Bild entspreche nicht immer vollends den Tatsachen. Ljubojevic: „Ohne richtige Informationen entstehen auf beiden Seiten Vorurteile, die bei der Problemlösung nicht hilfreich sind.“ Ebenfalls von Nachteil sei die Eigenart vieler seiner Landsleute, nach Lösungen und Rezepten in der Vergangenheit zu suchen. „Das ist keine gute Voraussetzung für die Gegenwart und die Zukunft“, räumte der Generalkonsul offen ein.

Dass sein Land den Weg nach Europa dennoch letztendlich erfolgreich absolvieren wird, stand für den Diplomaten außer Frage. Wenn auch die EU insbesondere in den Bereichen Umweltschutz und Justiz sowie bei der Bekämpfung von Kriminalität und Korruption noch viel Handlungsbedarf ausmache, seien bereits „einige gute Schritte“ unternommen worden. Die EU mit Gott gleichsetzend schloss Ljubojevic mit einem serbischen Sprichwort: „Alle Wege führen zu Gott, einer davon führt über die Berge.“




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