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Vor Gericht: Ex-Hauptfeldwebel verurteilt / Hauptmann verletzt

Antreten zur Geldstrafe: 2600 Euro

Bückeburg (ly). Dass ein Hauptfeldwebel der Heeresfliegerwaffenschule sexistische Sprüche gegenüber zwei Soldatinnen gemacht hat, die im Rang unter ihm stehen, gilt als sicher. Strafbar war das indes nicht. Deshalb hat das Amtsgericht den 35-Jährigen jetzt freigesprochen. Wegen entwürdigender Behandlung Untergebener wurde der Braunschweiger trotzdem verurteilt, jedoch in einem anderen Fall. Hinzu kommt eine fahrlässige Körperverletzung mit einer leeren Bierflasche als Wurfgeschoss. Für beide Taten zusammen gibt es 2600 Euro Geldstrafe.

veröffentlicht am 07.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Im Mannschaftsheim der Jägerkaserne, wo man an einem Abend im März 2005 gerade beim Zechen saß, hatte der Hauptfeldwebel vor diversen Kameraden großkotzig einen Rekruten antreten und strammstehen lassen, der Leergut gestohlen haben sollte. Nachdem die Sache geklärt war, fragte er den jungen Mann sinngemäß, ob dieser Geschlechtsverkehr mit den Soldatinnen wolle, die ebenfalls am Tisch saßen. Zuvor hatte der offenbar stark angetrunkene Vorgesetzte den zwei Stabsunteroffizierinnen ähnliche Fragen gestellt. Im Fall der Soldatinnen lasse sich dem Angeklagten "keine Demütigungsabsicht nachweisen", so Richter Armin Böhm in der mündlichen Begründung des Teilfreispruchs. Hintergrund: Beide hatten die Sache nicht ernst genommen, die Sprüche souverän überhört. Schließlich sei der Hauptfeldwebel "blau wie 'ne Haubitze" gewesen. Deshalb waren die Frauen an jenem Abend sitzen geblieben anstatt das Mannschaftsheim empört zu verlassen. Was eine "entwürdigende Behandlung Untergebener" ist, steht im Wehrstrafgesetz, Paragraph 31. Darunter fallen "Ausdrücke aus der Fäkal-Sprache, Beschimpfungen, die unzüchtige Anspielungen enthalten" oder auch "solche, die den Untergebenen vor versammelter Mannschaft der Lächerlichkeit preisgeben oder von Demütigungsabsicht getragen sind". All diese Äußerungen "lassen erkennen, dass es dem Vorgesetzten darauf ankommt, den Verletzten seelisch zu treffen". Was im Fall des Rekruten, den der Hauptfeldwebel damals hatte antanzen lassen, wohl außer Frage steht. "Das Verhältnis von Vorgesetzten und Untergebenen gilt auch beim Saufen in der Kaserne", erinnerte Richter Böhm den Angeklagten, der die Truppe zwischenzeitlich verlassen hat. Apropos Saufen: Anfang 2004 war es beim Umtrunk in der "Hölle", einem eigens für derartige Zwecke hergerichteten Kellerraum, mal wieder hoch hergegangen. Leere Bierflaschen wurden in eine Ecke gepfeffert, wobei sich der jetzt angeklagte Hauptfeldwebel hervortat. Für einen Hauptmann ging der Spaß ins Auge. Splitter hatten ihn getroffen, der Mann blutete. Juristisch war das fahrlässige Körperverletzung. Andererseits: "Der Hauptmann hat eine ganze Weile mitgemacht und das gefährliche Tun geduldet", wie Richter Böhm nüchtern feststellte.




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