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Peetzen 10: „Erotische Märchen nur für Erwachsene“, die bei den Grimms nicht zu finden sind

Auch dem kleinsten Seufzer einen Sinn gegeben …

Petzen (bus). „Die Schöpferkraft begibt sich ganz einfach dorthin, wo sie willkommen ist, und wenn man sie hereinlässt, erfüllt sie den Raum mit Duft, Licht und Farben und gibt dem kleinsten Seufzer einen Sinn.“ Dieser vom Schriftsteller Henri Cougaud geprägte Satz ist während der von Rita Maria Fröhle gestalteten Walpurgisnacht-Veranstaltung des Hofcafés „Peetzen 10“ in allerlei Richtungen ausgelegt worden.

veröffentlicht am 03.05.2010 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 17:21 Uhr

Die von Fröhle frei vorgetragenen „Erotischen Märchen nur für Erwachsene“ hatten – zum Pläsier des begeisterten Publikums – weit mehr zu bieten, als bei den hierzulande generell für den Märchenbereich zuständigen Gebrüdern Grimm zu finden ist.

Cougauds lange Zeit vergriffene Veröffentlichung „Das Buch der Liebenden“ lieferte Fröhle den Grundstock ihrer auf drei Szenen verteilten Schilderungen. Zur Sprache kamen spritzige und herzerfrischende aber auch beschau- und besinnliche Momente aus vielerlei Weltgegenden. Mal konnte das Auditorium im verträumt-zärtlichen chinesischen Rhythmus mitschwingen, mal die derben und doch unschuldig-heiteren Praktiken der indianischen Kultur genießen. Dann hörte die vollends besetzte Bauernhausdiele von frechen und selbstbewusst zur Sache kommenden französischen Schätzchen und vom Orient, wo Gewitztheit und Schläue ins (Vor-)Spiel kommen.

Oder von Afrika, wo die Märchen dem hochvertrauten zwischenmenschlichen Miteinander einen „Trommelschlag“ zugesellen. Dort heißt es: „Warum lieben sich Mann und Frau? Warum schlafen sie miteinander? Die Seele tief im Menschen weiß es. Doch sie ist schüchtern. Sie schweigt. Also hört die Wahrheit!“

Auf der ganzen Welt fänden sich, erläuterte Fröhle, Liebesmärchen, die von der nicht nur Staunen erregenden Anziehungskraft zwischen Frau und Mann berichten. Vom Erwecken der Sinne, dem Entfachen der Lust und dem Entzünden der Begierde. „Die Sehnsucht zieht die Menschen auf den Weg, Leidenschaft lässt sie Tiefe erfahren und Lust schenkt ihnen unendliche Freude.“

Allerdings bedarf es bei der Vermittlung des intimen Geschehens einer gescheiten Fabuliererin und einer aufgeschlossenen Zuhörerschaft. Der „Peetzen 10“-Abend war mit beidem bestens ausgestattet. Für die seit 1987 freiberuflich als Märchenerzählerin tätige Fröhle, die im vorigen Jahr im Hofcafé mit „Rosenmärchen“ gastierte, wird es sicher nicht der letzte Auftritt in der Region gewesen sein.




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