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Riesenstimmung beim Apelerner Karneval vor zweimal vollständig ausverkauftem Haus

Auch der „Fürst“ kommt zum Narrentreiben

Apelern (nah). Drei Stunden nach dem ersten Narhalla-Marsch erreicht die Stimmung im Saal ihren Siedepunkt. Gerade haben Solisten der Kapelle Hülsede der Kapelle Hülsede/Kathrinhagen Posaune und Trompete mitten im fast schon frenetisch agierenden Publikum geblasen; nun zieht Büttenrednerin Elfi Müller unter anhaltenden Buhrufen über die Männer her. „Die Rache kommt“, mahnte Elferratspräsident Karl-Heinz Thum grinsend – und schickt Tobias Möller auf die Bühne. Jetzt klopft sich das rehabilitiert sehende starke Geschlecht im Saal vor Vergnügen auf die Schenkel.

veröffentlicht am 31.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 01:41 Uhr

So wollen es die Fans des Apelerner Karnevals. Begeistert beklatschen sie das mehr als vier Stunden dauernde Programm aus Witz, Tanz, Gesang und Akrobatik. Dass dabei im Wechsel nicht nur Männlein und Weiblein ihr Fett abkriegen, der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy augenzwinkernd „als Narr“ bezeichnet wird und sich Behörden und Politiker verklausulierte oder direkte Kritik über allerlei vermeintlich dubiose Fehl- oder Nichtentscheidungen anhören müssen, gehört nun einmal dazu. Die „Verpackung“ verblüfft dabei immer wieder: Da wird „Fürst Ernst“ auf einer Sänfte hereingetragen, beschwert sich, nach den Ereignissen des vergangenen Jahres nun „schon wieder aufgeweckt worden“ zu sein, und erfährt von neuen dörflichen Klagen über die marode Bundesstraße nach Lauenau und den Abzug des Glascontainers an der Sporthalle. Rodenberg kriegt auch sein Fett weg: Mit dem Geradeausdenken hätten die es nicht, parliert die Bürgerschar vor dem hohen Herrn: „Deshalb bauen die dort jetzt einen Kreisel.“

Kontrastprogramm zum fröhlichen Wortwechsel, der um weitere Büttenreden, den Liedvortrag eines Geschwisterpaars sowie einen originellen Sketch ergänzt wird, sind die Tanzdarbietungen. Neben Funkenpaar und Rot-Weiß Garde wirbeln „Schlümpfe“ und „Zorro“ über die Bühne. Das Männerballett haut sich beim Schuhplattler gegenseitig auch Watschen ins Gesicht; ein Boxkampf wird zum Rhythmus der Musik dargestellt. Die Gruppe „Beats for Beats“ schafft sieben Auftritte mit sekundenschnellem Kleiderwechsel.

Dass das vermeintlich fröhliche Treiben auf der Bühne durchaus harte Arbeit und auch ein wenig Risiko bedeuten kann, musste Isabell Look schmerzlich erleben. Mitten in der Auftaktveranstaltung stürzte sie, zog sich einen Kapselriss an der Hand zu und war mit Gipsarm zum Zuschauen verurteilt. Natürlich durfte sie bei den weiteren Prunksitzungen für Sekunden im Scheinwerferlicht stehen und einen Orden in Empfang nehmen. Aber das dürfte für die engagierte Karnevalistin nur ein kleiner Trost gewesen sein. Viel lieber hätte sie wohl in der Rot-Weiß Garde und beim „Jungen Ballett“ auf dem ihr zugedachten Platz die Beine geschwungen.

Die tänzerische Weltreise im Minutentakt führt auch nach Rio.




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