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Mit Taschenlampe auf der Suche: Acht Arten im Besucherbergwerk Kleinenbremen festgestellt

Auch Fledermäuse bekommen „Gefrierbrand“

Kleinenbremen (wk). Für den Laien hat es ein bisschen was von der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Irgendwo in dem weitläufigen Stollensystem des Besucherbergwerks Kleinenbremen überwintern in Felsritzen, hinter Gesteinsvorsprüngen und in Bohrlöchern ein paar Fledermäuse, die es aufzufinden gilt. Erschwerend kommt hinzu, dass es unter Tage stockdunkel ist und Sandra Meier, Fledermausbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke, und deren vier Helfer die Szenerie mit ihren Taschenlampen erhellen müssen. Mit jedem Schritt und jeder Lampenbewegung werfen die harten Lichtstrahlen dabei neue Schatten an die unebenen Stollenwände und -decken, was die alljährliche Bestandserfassung erst recht zur Sisyphusarbeit macht.

veröffentlicht am 11.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 02:41 Uhr

Meier und die anderen Fledermausschützer lassen sich durch derlei Schwierigkeiten jedoch nicht den Spaß an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit verderben. Mit durch jahrelange Erfahrung geschultem Blick kontrollieren sie Quadratmeter um Quadratmeter des vor ihnen liegenden Stollens und werden bald fündig: eine nur wenige Zentimeter messende Bartfledermaus hängt in rund vier Metern Höhe an der Wand – dicht an dicht besetzt mit kleinen Tautropfen.

Für Fledermäuse stellen eine hohe Luftfeuchtigkeit oder gar solche Tautropfen ideale Bedingungen zum Überwintern dar, erklärt die Diplom-Landschaftsökologin aus Minden. In trockener Luft bestünde nämlich die Gefahr, dass die dünnen Flughäute der Tiere austrocknen und dadurch Schaden nehmen: „Die Hausfrau kennt das als Gefrierbrand.“ Überhaupt finden die Tiere unter Tage sehr gute Bedingungen für ihren Winterschlaf vor. Denn egal, wie weit die Temperaturen draußen unter Null fallen, Höhlen und Bergwerksstollen bleiben frostfrei. In der Regel herrschen dort schon wenige Meter hinterm Eingang konstante acht bis neun Grad Celsius Plus.

Die Bartfledermaus ist jedoch nur der Auftakt. Nach und nach entdecken die Fledermausexperten immer mehr Arten – die allerdings ohne einen im Taschenlampenlicht glitzernden Tautropfenbehang. So etwa eine Gruppe von mindestens sechs Fledermäusen der Gattung Pipistrellus, die sich in einem kleinen Spalt in der Stollenwand versteckt hat. Weil die Tiere darin nur schwer auszumachen sind, ist eine genauere Bestimmung der Art jedoch nicht möglich. Meier tippt aber auf Zwergfledermäuse. Warum? Bei der vor einem Jahr durchgeführten Bestandserfassung hätten an dieser Stelle schon einmal Zwergfledermäuse überwintert, erläutert die Fledermausbeauftragte. Da liege es nahe, dass es sich jetzt um die selben Tiere handelt.

Am Ende der rund zweieinhalbstündigen Aktion in dem derzeit für Besucher gesperrten Bergwerk umfasst die Liste der festgestellten Fledermäuse acht Arten: Bart-, Fransen-, Teich-, Bechstein-, Wasser- und vermutlich Zwergfledermaus, Großes Mausohr sowie Braunes Langohr. An Individuen wurden insgesamt 42 Tiere gezählt.

„Das ist O.K.“, resümiert Meier, wenngleich die bisherige Rekordmarke bei circa 70 Fledermäusen liege. Nach einer unter Fledermausexperten kursierenden Regel entdecke man bei solchen Kontrollgängen ohnehin nur ungefähr zehn bis 20 Prozent der tatsächlich in dem jeweiligen Bergwerkstollen oder der Höhle überwinternden Fledermäuse.

Beim Besucherbergwerk Kleinenbremen komme hinzu, dass ja nahezu der gesamte Berg mit einem fast schon „unendlichen“ Stollensystem unterhöhlt sei. Allerdings geht die Landschaftsökologin – die ihr Diplom seinerzeit über Fledermäuse im Winterquartier geschrieben hat – davon aus, dass sich die Hangplätze der Tiere im wesentlichen in der Nähe der Stolleneingänge befinden. Denn zum einen böte es für die Fledermäuse keinen größeren Vorteil, tiefer in den Berg einzudringen, zum anderen würden sie – weit weg vom Eingang – die sich draußen abspielenden klimatischen Veränderungen nicht mehr mitbekommen.

Wie schon in den Vorjahren, werden laut Meier auch die bei dieser Bestandserfassung erhobenen Daten an das Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke und an das nordrhein-westfälische Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz weitergeleitet.

Relevant seien diese Informationen unter anderem für die Landschaftsplanung und Maßnahmen im Bereich des Fledermausschutzes.




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