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Wissenschaftliches Projekt zum Ersten Weltkrieg / Es fehlen noch Dokumente

Auf der Suche nach Spuren von Gefallenen

Bückeburg. Der Erste Weltkrieg ist derzeit in aller Munde. 100 Jahre ist es 2014 her, dass der Krieg ausbrach, der den Beginn einer neuen Epoche voller globaler Veränderungen markierte. Er führte zum Ende der Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland und ebnete dem Faschismus den Weg. 17 Millionen Menschen wurden getötet. Ihr Tod bestimmte fortan das Schicksal zahlreicher Familien, auch im Schaumburger Land und in Bückeburg.

veröffentlicht am 07.04.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:41 Uhr

Doch die Erforschung genau dieser sozialgeschichtlichen Auswirkungen stellt die Wissenschaft vor erhebliche Probleme: Direkte Zeitzeugen sind inzwischen verstorben, vielen persönlichen Dokumenten wie Feldpostbriefen oder Tagebüchern droht die Vernichtung. Von Generation zu Generation schwindet das Interesse in den Familien, solche Erinnerungen zu bewahren.

Doch genau solche Dokumente sucht die Bückeburgerin Janine Kiesche für ihre wissenschaftliche Arbeit. Sie studiert Geschichte an der Universität Hannover. In einem Projekt von Professor Dr. Karl-Heinz Schneider werden dort die Auswertungen des Ersten Weltkrieges in der Region untersucht und dokumentiert.

In ihrer Bachelorarbeit hat sich Frau Kiesche mit den Bückeburger Gefallenen des Ersten Weltkrieges befasst. Da die Aktenlage hierzu recht dürftig ist, bedurfte es aufwendiger Recherchen, um zuerst einmal die Zahl von 166 gefallenen Soldaten zu dokumentieren. Unter anderem wurden auch die alten Bände der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung ausgewertet. Gefallenenlisten und Todesanzeigen boten wichtige Anhaltspunkte.

Im Nachlass einiger betroffener Bückeburger Familien fand Kiesche zusätzliche interessante Informationen. Grund genug für sie, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen: „Die Auswirkungen auf die Familien und ihr Lebensumfeld sind sehr vielschichtig und spannend.“ Der Tod des Ehemannes, Vaters oder Sohnes hatte nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der Familien. Oft blieb der Gefallene noch über Jahrzehnte „präsent“, diente als Vorbild für Tapferkeit und Pflichterfüllung, erinnerte aber auch immer wieder an Leiden und Elend.

Tagebücher, persönliche Briefe, Akten oder Schriftwechsel mit Behörden, die genau diese Auswirkungen aufzeigen, sind für Janine Kiesche besonders interessant. Sie weiß, dass solche Dokumente in die Familien noch vorhanden sind, aber immer öfter von der Vernichtung bedroht sind. Sie würde sich daher freuen, wenn solche Stücke ihr und ihren Kommilitonen zur Auswertung zur Verfügung gestellt würden. Geplant sind die Archivierung, die wissenschaftliche Auswertung und möglicherweise eine Digitalisierung für eine Darstellung im Internet. Selbstverständlich müssen die Dokumente nicht für immer abgegeben werden, auf Wunsch werden einfach Kopien für die wissenschaftliche Arbeit angefertigt.

Möglicherweise bewahrt das Projekt aber interessante Zeugnisse der Regionalgeschichte davor, endgültig in Vergessenheit zu geraten oder vernichtet zu werden.kk

Kontakt: Wer Frau Kiesche mit Dokumenten weiterhelfen oder Kontakte vermitteln kann, erreicht sie telefonisch unter (0 157) 79 39 63 32 oder per Mail unter janine.kiesche@web.de.




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