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Pakistanischer Botschafter referiert über die Sicherheitspolitik in Afghanistan

Aufbauhilfen im Kampf gegen den Terror

Achum (wk). Die Bekämpfung des Terrors in Afghanistan und die mit dieser Krisenregion verwobene politische Situation in Pakistan waren das Thema eines Vortrags, zu dem die Sektion Minden der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) in die Schäfer-Kaserne nach Achum eingeladen hatte. Es referierte der in Berlin ansässige pakistanische Botschafter Shahid Ahmad Kamal, der sich auch den Fragen der – zum Großteil aus Offizieren bestehenden – Zuhörerschaft stellte. Die Moderation der in englischer Sprache geführten Veranstaltung übernahm der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, über den auch der Kontakt zu dem hochrangigen Diplomaten zustande gekommen war.

veröffentlicht am 10.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 06:41 Uhr

„We must leave the door open for dialog“: immer wieder betonte Kamal die Notwendigkeit, die „Türen“ zu den radikal-islamischen Talibankämpfern nicht zuzuschlagen, sondern für einen konstruktiven Dialog offen zu halten, um Afghanistan, das in den vergangenen rund 30 Jahren nur Gewalt erlebt habe, in eine friedliche Zukunft zu führen. So könnte man etwa „incentives“ (Anreize) dafür in Aussicht stellen, dass sie die Kämpfe einstellen. Außerdem: Das Land zu bombardieren sei zwar einfach, dadurch verliere man aber das Vertrauen der Bevölkerung.

Überhaupt sei es wichtig, „benefits for the people“ ins Land zu tragen, also der Bevölkerung beim Aufbau der Region zu helfen, indem etwa neue Häuser gebaut sowie Arbeitsplätze und eine intakte Infrastruktur – zu der auch eine funktionierende Verwaltung gehöre – geschaffen werden, so der Diplomat. Die Demokratie müsse von der Wurzel her aufgebaut werden und den Menschen in Afghanistan müsse es zukünftig besser gehen als in der Zeit vor den Kämpfen, um so eine breite Unterstützung in der Bevölkerung beim Kampf gegen die Taliban zu erreichen. Ohne derlei Perspektiven würden auch die zahlreichen Flüchtlinge nicht zurückkehren, von denen sich immer noch Hunderttausende in Pakistan aufhalten. Auf die kritische Frage eines Zuhörers, ob die Afghanen überhaupt ein demokratisches System haben möchten, bestätigte Kamal, dass auch sie Rechte und Teilhabe wollen.

Ein weiterer Teilnehmer wollte wissen, wie der dort grassierende Drogenanbau bekämpft werden könne: Das sei ein schwieriges Problem, räumte der Botschafter ein. Zum einen verlocke der hohe Preis des Schlafmohns, zum anderen würde die Polizei von den Drogenbossen mehr Geld als vom Staat erhalten und deshalb untätig bleiben. Einen Ansatz sah Kamal darin, die Bauern in die Lage zu versetzen, auf ihren durchaus fruchtbaren Böden zukünftig Nahrungsmittel für die internationalen Märkte anzubauen.

Der GfW-Sektionsvorsitzende Klaus Suchland hakte schließlich nach, wie groß die Gefahr sei, dass islamische Extremisten unter dem Deckmantel des Islam die Macht in Pakistan ergreifen? Nur rund drei Prozent der pakistanischen Bevölkerung seien solch „crazy people“ (verrückte Menschen), sagte Kamal, und verwies diese Befürchtung in das Reich der Fantasie. Pakistan trete derartigen Extremisten mit allen Mitteln entgegen. Zudem würden die Atomwaffen nach internationalen Standarts von hochdisziplinierten und gut ausgebildeten Militärs geschützt.

Pakistan sei ein „missverstandenes Land“, stellte der Diplomat fest. In der „fünftgrößten Demokratie der Welt“ gebe es viele positive Entwicklungen. Das Land verfüge über eine starke Zivilgesellschaft. Edathy merkte hierzu an, dass die politischen Strukturen in Pakistan noch stark feudalistisch geprägt seien. Das mäßige Zutrauen der Bevölkerung in die Regierung spiegele sich in häufigen Regierungswechseln wider.




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