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Wenn Adolfiner im Netz surfen, ist absolut nicht alles erlaubt, was gefällt

Aufsicht heißt Draufsicht

Bückeburg. Der Witz ist so alt wie das Schulwesen: „Schule ist ja nicht schlecht, nur der Unterricht zwischen den Pausen stört.“ Geht es um die Internetnutzung in der Schule, rücken die Pausen in den Vordergrund des Schulalltags. Die einzelnen Schulen gehen ganz unterschiedlich mit dieser Herausforderung um – auch in Schaumburg. Um für das Adolfinum, wo Smartphones nicht verboten sind, juristische Klarheit zu gewinnen, lud die Schulleitung Hartmut Möller, den Hausjuristen des Landkreises, zu einer Fortbildung ein.

veröffentlicht am 24.02.2016 um 13:46 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:22 Uhr

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Aufsichtspflicht, so der Referent vor dem Kollegium, werde zum Kernbegriff. Eine präzise Aussage, was eine „angemessene Aufsicht“ ausmacht, sei allerdings nirgends zu finden. Unstrittig ist: Die jungen Nutzer sind unbedingt regelmäßig zu informieren über die persönliche Verantwortung, insbesondere ab 14. Sie sollten wissen, was der Apparat weiß vom Nutzer, was der Lehrer sieht als Supervisor und was der Webmaster rekonstruieren kann.

Jeder Schüler weiß durch die Schulordnung, was auf dem Schulgelände gilt und was gar nicht geht. Möller unterschied zwischen strafrechtlichen und zivilrechtlichen Aspekten von Urheberrechtsverstößen, wenn Schüler in der Mittagspause gesetzeswidrig einen Film laden und betrachten. Für Lehrkräfte sei die gewerbliche Nutzung von Medienmaterial absolutes Tabu. Kopiergeld kann eine Schule begrenzt einsammeln lassen, Copyrightgeld für die Kinostunde oder den Kursabend im Fach Deutsch, wo Film Pflichtstoff ist, auf keinen Fall. Der Streitwert könne bei 10 000 Euro liegen.

Bei Verstößen der Lehrkraft gegen die weit gefasste Aufsichtspflicht sei zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Handlung zu unterscheiden. Die Aufsicht selbst ist nicht am Gängelband zu führen, zumal Schule auch in Sachen Netz einen Erziehungsauftrag hat. Die Umsetzung braucht Spielraum. Das Alter der Schüler, so Möller, sei von entscheidender Bedeutung. Die Amtshaftung enthebe die einzelne Lehrkraft nicht der prinzipiellen Verantwortung für die Arbeit im Netz. So werde Vorsatz vermutlich zu Disziplinarmaßnahmen gegen den Beamten führen, Fahrlässigkeit könne aber ebenso Sanktionen nach sich ziehen.

Wird im Unterricht im Netz gearbeitet, heißt Aufsicht am Adolfinum inzwischen „Draufsicht“. Software macht’s möglich. Der Lehrerbildschirm zeigt in den PC-Räumen, womit sich die Schüler an ihren Geräten beschäftigen. „Ein Klick und man hat alles auf einen Blick!“, freut sich Webmaster Olaf Mengeling. Fragwürdige Inhalte führen nicht nur in Windeseile zur Sperrung des Zugangs, das Inkriminierte kann auch noch fotografiert werden – ein Bild, ein Film, ein Spiel, eine Botschaft. Schon hat der Aufsichtführende etwas Handfestes in der Hand. Über den Account sei der Verantwortliche zu identifizieren. Fremdnutzung, so Administrator Marcel Dübner, sollte sich von selbst verbieten – für Schüler wie Lehrer.

Anhaltspunkt für einen Eingriff in die schulisch ohnehin eingeschränkte Privatsphäre des Pausenlebens sei der Eindruck einer akuten Gefährdung, erläutere Möller auf Nachfrage. Bei Mobbing-Verdacht heißt es „Hingehen und hinsehen!“ Opferschutz habe Priorität, es müsse gehandelt werden. Im Adolfinum hat die kürzlich eingerichtete AG „Achtsamkeit“ auf Initiative besorgter Eltern dafür gesorgt, dass die im Hause geltenden liberalen Regelungen erneut auf den Prüfstand kommen.

Mangel an Bewegung

Dabei spielen neben der Gefahr des Mobbings auch die Verlockung eine Rolle, die Ablenkung und der Mangel an Bewegung, wenn nur noch online gespielt wird statt in der „Bewegten Pause“ im Freien. Zurzeit gilt jenseits der Pausen die Grenze: „Im Unterricht darf ein Smartphone nur einbezogen werden, wenn ein Auftrag der Lehrkraft vorliegt.“ Googeln was im Urheberrechtsgesetz steht, das geht gut. Das macht vor dem Schaden klug. Das Recht am eigenen Bild ist durch die Netzwerke ein Dauerbrenner im Fach Politik-Wirtschaft ab Klasse 8. Nachschlagen im Netz bringt Klarheit.

So machte Möller deutlich, dass das Internet helfen kann, sich über Grenzen zu informieren. Für den Juristen ist klar, dass sich jede Schule der Herausforderung Internet stellen müsse – auch jede Lehrkraft. Whiteboards erweitern den Handlungsraum.

So scherzte denn auch eine Lehrkraft am Rande der Fortbildung: „Die Kreidezeit kommt nicht zurück.“ Dass auch in Kreide gemobbt werden kann, zeigt ein Blick in die 100 Jahre alten „Lausbubengeschichten“ von Ludwig Thoma.




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