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„Sie bekommen nichts gelernt, sie lernen selber“: Über 320 junge Studenten auf Probe bevölkern Rinteln

Auftakt zur heißesten Sommeruni der Geschichte

Rinteln (cok). Fröhliches Gelächter und immer wieder Applaus erfüllten den Brückentorsaal, als dort am Samstag die 6. Rintelner Sommeruni eröffnet wurde. Über 320 junge Leute aus dem Weserbergland und ganz Deutschland hatten sich im Laufe des Tages für das „Schnupperstudium“ als Studenten eingeschrieben, und nun merkte man ihnen an, wie erwartungsvoll sie einer Woche Studentenleben entgegensahen. „Nutzen Sie die Möglichkeiten!“, appellierte Undine Rosenwald-Metz als Direktorin der Volkshochschule Schaumburg an die Teilnehmer. „Dann wird Studieren schon jetzt für Sie erlebbar!“

veröffentlicht am 18.07.2010 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 22:21 Uhr

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Möglichkeiten, sich auf ein zukünftiges Studium vorzubereiten, gibt es während der Sommerunizeit tatsächlich genug. 70 Dozenten von insgesamt 16 Universitäten, Fachhochschulen und Akademien bieten 115 Vorlesungen und Seminare zu allen gängigen Studienbereichen an. Natur- und Geisteswissenschaften sind ebenso darunter wie Wirtschaftswissenschaft, Jura, Medizin, Psychologie, Architektur, Kunst und Musik.

Das breite Angebot soll den Teilnehmern die Wahl eines späteren Studienfaches erleichtern, und so haben sich viele von ihnen nicht in eine einzige Richtung spezialisiert, sondern ganz unterschiedliche Themenbereiche gewählt. „Wahrscheinlich will ich Germanistik studieren“, meint zum Beispiel die 16-jährige Johanna Krone aus Hessisch Oldendorf. „Aber ich habe auch ein Seminar in Volkswirtschaft belegt. Ich hoffe, ich weiß am Ende der Woche, was das Richtige für mich ist.“

Ein Studienfachwechsel oder gar der Abbruch eines Studiums koste so viel Zeit, Energie und auch Geld, betonten Undine Rosenwald-Metz, die stellvertretende Landrätin Helma Hartmann-Grolm und die Organisatorin der Sommeruni, Dunja Cordes von der VHS Rinteln, in ihren Eröffnungsreden. Es lohne daher unbedingt, sich vorher zu informieren, neugierig auch auf bisher Unbekanntes zu sein und vor allem die Chance zu nutzen, erfahrene Universitätsdozenten zu befragen und auch den Studienberatungstag am Freitag zu nutzen. „Der Studiumsabbruch bedeutet oft eine Niederlage und einen Karriereknick“, so Rosenwald-Metz.

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Doch bevor sich etwa eine sorgenvolle Stimmung im Brückentorsaal ausbreiten konnte, trat Dr. Martin Beyersdorf, Leiter der Zentralen Einrichtung für Weiterbildung (ZEW) der Uni Hannover, auf die Bühne. „Ein Studium hat in jedem Fall die höchste Bildungsrendite“, sagte er. „Selbst die Abbrecher werden weniger leicht arbeitslos und verdienen durchschnittlich mehr als Menschen, die niemals eine Universität besuchten.“ Er ermunterte die jungen Teilnehmer, ihre Zukunft selbstbewusst in die Hand zu nehmen. „Sie bekommen nichts gelernt, Sie lernen selber – und das ist immer ein Gewinn!“

Auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz begrüßte die Studenten zur „heißesten Sommeruniversität der Geschichte“ und verriet ihnen, dass ein kleiner Abstecher zum Kloster Möllenbeck zugleich in den „schönsten Biergarten“ nördlich der Rhein/Main-Region führen würde. So weit war es aber noch nicht: Nach der Einführungsveranstaltung zogen die Teilnehmer in kleinen Gruppen durch die Stadt, um dann ihre ersten Vorlesungen zu besuchen, unter anderem im Rathaussaal und in den BBS.

„Der Vortrag ,Wissen ist Macht‘ war wirklich interessant!“, meinte Karolina Waltemathe (17) aus Hameln. „Bunt, unterhaltsam und trotzdem sehr informativ.“ Ihr Bruder Karsten konnte da nur zustimmen: „Es ging darum, wie man am besten einen eigenen Weg durch sein Studium findet. Der Dozent riet uns, dass wir uns keinen Stress machen und lieber mit der Entscheidung für das Studium etwas warten sollten, als aus Angst vor Zeitverlust das Falsche zu wählen.“

Ähnlich angeregt waren auch andere Sommeruni-Teilnehmer, die am Kollegienplatz darauf warteten, dass das Campus-Mensazelt fürs Abendbrot geöffnet würde. Luca Fülbier (16) aus Fischbeck, der sich ziemlich sicher ist, dass er Wirtschaftsingenieurswesen studieren wird, er lobte seine erste Veranstaltung, in der es unter anderem auch um die finanzielle Organisation des Studiums ging. „Ich will mich jetzt ganz gezielt kundig machen“, sagte er. Die 17-jährige Pia Elhaus aus Celle ist gerade, wie sie sagt, auf einem „Psychologie-Trip“: „Ich habe alle Seminare gewählt, die irgendwie mit diesem Thema zu tun haben, und bin sehr gespannt, ob ich bei meiner Entscheidung bleibe.“

Noch bis Ende dieser Woche werden die 323 „Studenten“ das Stadtbild bereichern und nicht nur in Vorlesungspausen vor dem VHS-Gebäude zu sehen sein, sondern ebenso in den Eisdielen, im Schwimmbad, in den Kneipen der Stadt und auf den vielen kulturellen Ereignissen, zu denen auch die Rintelner eingeladen sind. Das Programm findet sich auf den Internetseiten der Sommeruni unter www.sommeruni-rinteln.de.

Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz (r.) bei der Sommeruni-Eröffnung – und „The Dance Parader“ vom Kulturprogramm der Sommeruni.




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