weather-image
23°
×

Karaoke-Partys in der Schraub-Bar entwickeln sich zum Selbstläufer

„Aus einer Schnapsidee geboren“

Bückeburg (jp). Von Japan aus hat es seit den 70er Jahren seinen Siegeszug um die Welt angetreten: Karaoke. Was formell nicht mehr ist als das öffentliche Singen bekannter Rock-, Pop- und Charts-Titel zu Musik vom Band, hat sich längst zu einer echten Veranstaltungskultur gemausert. Jetzt ist der Karaoke-Zug auch in Bückeburg eingetroffen, und das passenderweise direkt am Bahnhof: Zum vierten Mal konnten bei einer Karaoke-Party in der Schraub-Bar die Stimmbänder beansprucht und die Gehörgänge (je nach Geschmack des Zuhörers und des Könnens des Sängers) wahlweise verwöhnt oder strapaziert werden.

veröffentlicht am 26.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:21 Uhr

Autor:

Und auch wenn die Zahl der Sänger, die sich an diesem Abend freiwillig auf der Bühne der Schraub-Bar ans Mikrofon begaben, noch vergleichsweise überschaubar blieb, der Bombenstimmung tat dies keinen Abbruch.

„Wir wollten das anfangs einfach mal ausprobieren, weil es solche Karaoke-Partys bislang in Bückeburg nicht gab“, meint Schraub-Bar-Chef Clemens Kopka, „und inzwischen ist es ein echter Selbstläufer.“ „Es ist eigentlich aus einer Schnapsidee geboren“, so Schraub-Bar-Mitarbeiterin Miriam Back, die sich um das Organisatorische vieler Veranstaltungen in der Kultkneipe an der Lehnstraße kümmert. „Inzwischen haben wir Gäste nicht nur aus dem Bückeburger Bereich, sondern auch aus Hannover, Hameln und Hildesheim, die hierher kommen, um hier bei den Karaoke-Partys mitzufeiern.“

Das Technische liegt dabei in Händen von DJ Deeveejay alias Torsten Jänsch aus Hagenburg, der als Meister von Knöpfen, Reglern und Boxen nicht nur für die erforderliche Musik vom Band sorgt, sondern auch für die Videosequenzen mit den Texten der zu singenden Stücke, die zum einen für die Interpreten sichtbar wie bei einem Teleprompter auf einem kleinen Bildschirm ablaufen, zusätzlich für das Publikum auf einer 2 Meter mal 2 Meter großen Videoleinwand. Den Karaoke-Stücken aus der Konserve fehlt dabei das entscheidende: der gesungene Text. Den haben nämlich die Interpreten live beizusteuern.

Und wie funktioniert’s organisatorisch? Ganz einfach: Auftreten darf schlicht und einfach jeder, der gerade Lust und Gelegenheit hat und bei Stimme ist. Eine vorherige Anmeldung oder eine Vorauswahl sind ebenso wenig nötig wie eine Gesangsausbildung oder Bühnenerfahrung. Aus einem umfangreichen Katalog verfügbarer Songtitel von DJ Torsten Jänsch können sich der oder (wesentlich häufiger) die Sänger das Wunschlied aussuchen. Darunter findet sich nahezu alles, was in den vergangenen Jahren die Charts, die Boxenfelle und die Gehörgänge bewegte: Angefangen von „Hey Jude“ und „Let it be“ von den Beatles über Soul-Klassiker wie „Boogie Wonderland“ von Earth, Wind & Fire, 80er-Jahre-Titel wie „Sweet Dreams“ von den Eurythmics oder „We built this city“ von Starship bis zu aktuellen Chartklängen wie Adeles „Rolling in the deep“, Lady Gagas „Alejandro“ oder Katy Perrys „I kissed a girl“. Das Schöne daran: Karaoke-Partys sind keine Casting-Shows. Es gibt keine Punkte, keine Bewertungen und keine Ranglisten, keine Sieger, keine Zweitplatzierten und keine Verlierer. Kein Gremium nörgeliger Promi-Juroren krittelt, bemängelt und moniert an den Darbietungen der Freizeitsänger herum, jeder kann stattdessen am Mikro machen, was er will. Und gerade, wenn’s besonders schief klingt, freut sich das Publikum am meisten und feuert die Interpreten lautstark an.

„Wir singen gerne laut und schräg“, meint die Bückeburgerin Romy Kury, die es mit ihren Freundinnen Denise Raabe und Asaria Hintzsche-Oehme zu „Love is all around“ auf die Bühne getrieben hat. Dabei schlagen sich die drei Gesangsgrazien durchaus wacker: Ihre Version des Wet-Wet-Wet-Titels aus dem Jahr 1994 (das Original ist von 1967 und stammt von den Troggs, bekannt wurde der Song jedoch vor allem durch den Soundtrack von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) klingt auf jeden Fall wesentlich besser als die Version von Bill Nighy aus dem Komödienklassiker „Tatsächlich…Liebe“.

Darf’s ein bisschen Oktoberfeststimmung sein? Bei John Denvers „Country Roads” bricht massive Schunkelstimmung aus, und der Refrain wird von dem sechsköpfigen Gesangsensemble mehr geschrien als gesungen: „West Virginia, Mountain Mama, take me home, country roads!“ Stimmung pur, das Publikum ist begeistert. Da hält es einen, der sonst ganz andere Sachen singt, auch nicht mehr auf dem Sitz: Beim alles andere als leicht zu singenden „Ballroom Blitz“ von Sweet greift auch Olaf Schulzik, Frontmann bei den Nice Guys und bei Herman – A tribute to the wild romance neben DJ Torsten Jänsch zum Mikrophon.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige