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Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen fördert Verständigung zwischen Deutschen und Polen

Aussöhnung und Vergebung sind der Motor

Bückeburg. Auf Schloss Bückeburg ist Samstag der Kulturpreis „Schlesien“ des Landes Niedersachsen verliehen worden. Die von Boris Pistorius (Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport) und Dr. Jerzy Tutaj (Vizemarschall der Woiwodschaft Niederschlesien) überreichte Auszeichnung erhielten Harfenistin Prof. Helga Storck, Museumsdirektor Dr. Andrzej Niedzielenko und Witold Podedworny vom Breslauer Bildungsverlag ATUT. Als Laudatoren fungierten Musiker Prof. Michael Denhoff, Historiker Prof. Dr. Dr. Jan Harasimowicz und Dr. Leszek Ryk (Berater des Vizemarschalls für Kultur und Forschung).

veröffentlicht am 16.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:21 Uhr

Der seit 1977 verliehene Kulturpreis zielt, getragen vom Gedanken der Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen, auf Pflege und Weiterentwicklung des Kulturgutes Schlesiens und des Kulturschaffens der Schlesier ab. Die zunächst in Deutschland lebenden Schlesiern vorbehaltene Auszeichnung können seit 1991 auch in Schlesien wohnende polnische Künstler erhalten. Gewürdigt werden Leistungen in Literatur, bildender Kunst und Musik. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert.

Die 1940 geborene Storck erhielt den Preis für ihre Leistungen als Musikerin, Pädagogin und Jurorin. „Geehrt wird eine außerordentliche Musikerin von Weltrang, die sich in ihrer künstlerischen wie pädagogischen Arbeit stets für kulturellen Austausch, insbesondere zwischen Deutschland und Polen, engagierte und damit auf ihre ganz eigene Art nachhaltige Verdienste für die Völkerverständigung erwarb“, lobte Laudator Denhoff. Bei Niedzielenko würdigte die Jury dessen Engagement als Direktor des Kupfermuseums Liegnitz und hier speziell die Förderung der Kulturidentität der Schlesier. „Sie haben diese Ehrung durch Ihre jahrelange schöpferische, den höchsten Ansprüchen des öffentlichen Dienstes gerecht werdende Arbeit in jeder Hinsicht verdient. Ich wünsche Ihnen viele weitere Erfolge“, so Laudator Harasimowicz.

Mit Blick auf Podedworny, dem Tutaj und Pistorius einen Sonderpreis überreichten, merkte Laudator Ryk an: „Der Preisträger reagiert gelassen auf Katastrophenversionen, die im Zusammenhang mit der globalen Digitalisierung den Untergang des Buches verkünden.“ Es werden zwar immer mehr Bücher vom Markt verdrängt, und nicht zu Unrecht verkünden die Skeptiker eine unaufhaltsame Dominanz elektronischer Medien. Dennoch bleibt das Buch „mit Seele“ nach Ansicht Podedwornys ein bedeutender Teil des gesellschaftlichen Dialogs. „Wenn die Fotografie nicht das Ende der Malerei herbeiführte, das Kino nicht das Ende des Theaters und das Fernsehen nicht das Ende des Kinos, dann wird auch das Internet dem klassischen Buch nicht den Garaus machen.“

Pistorius bezeichnete Heimatvertriebene und Spätaussiedler als „Brückenbauer zwischen den Generationen und Brückenbauer zwischen den Menschen in Deutschland und Polen“. Sie würden weiter dabei mithelfen, die Freundschaft auszubauen. Eine Freundschaft, die auf dem Gefühl beruht, die gleiche Heimat, die gleichen Wurzeln und ein Stück gemeinsamer Geschichte zu haben. Vergebung und Aussöhnung seien Motor der Partnerschaftsbeziehungen. Pistorius: „Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam weitergehen, aus einer gemeinsamen Vergangenheit in eine gemeinsame Zukunft im vereinten Europa.“

Der Festakt im Schloss wurde von Musikaufführungen (während der auch Preisträgerin Storck und Laudator Denhoff zu den Instrumenten griffen) sowie Szenen aus dem Theaterstück „Nichts“ umrahmt. Für die Aufführung zeichneten Mitglieder eines vom Ratsgymnasium Stadthagen und dem Lyceum Slupca/Großpolen realisierten deutsch-polnischen Musiktheaterprojekts verantwortlich. bus




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