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Herderschule richtet „Konzert für das Erinnern“ aus

Autor gibt Zeitzeugen des Holocausts eine Stimme

Bückeburg (wk). Der Stundenplan der Bückeburger Herderschüler ist am Mittwoch von einer besonderen Veranstaltung geprägt gewesen: Um die jungen Leute für den alljährlich am 27. Januar begangenen „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ zu sensibilisieren, der zugleich „Internationaler Holocaustgedenktag“ ist, hatte die Schulleitung ein „Konzert für das Erinnern“ organisiert.

veröffentlicht am 29.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 02:41 Uhr

Die Formulierung „Konzert“ war dabei allerdings genau genommen nur die halbe Wahrheit. Vielmehr handelte es sich um eine von schwermütigem, teils verstörendem Pianospiel durchzogene Lesung, die Berichte von Zeitzeugen der NS-Diktatur zum Inhalt hatte. Dargeboten wurde das Ganze von dem Pianisten und Journalisten Matthias Horndasch, der die Erlebnisse in langen Gesprächen mit den Überlebenden des Holocaust zusammengetragen hat und auch für die Kompositionen der zu hörenden Werke verantwortlich zeichnete.

Mit seinem Programm wolle er für die demokratischen Grundwerte werben, erläuterte der Künstler und Publizist zu Beginn der Veranstaltung. Hierzu habe er „authentische Zeitzeugen“ ausgewählt, die die Konzentrationslager und die Massenvernichtungen im Dritten Reich überlebt haben. Fast alle, insbesondere aber die jüdischen Zeitzeugen, hätten in den mit ihm geführten Gesprächen ausdrücklich betont, dass es ihnen darum gehe, mit ihren Schilderungen für eine multikulturelle Gesellschaft einzutreten, in der Menschen nicht wegen deren Herkunft, Religion oder etwa Sexualität ausgegrenzt werden.

Das, was Horndasch schließlich auf der Bühne in der Schulaula an Erlebtem vorlas, war dramatisch: So hatte ihm ein Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz – den er wie auch die anderen Zeitzeugen stets als Ich-Erzähler zu Wort kommen lies – etwa berichtet, dass KZ-Aufseher dorthin deportierten älteren Menschen ohne Betäubung mit einer Zange die Goldzähne aus dem Mund herausgerissen hatten. Auch seien Insassen allein schon deshalb erschossen worden, weil sie beim Antreten nicht korrekt in Reih und Glied gestanden haben. Ein anderer Zeitzeuge erinnerte sich daran, dass es in dem polnischen Getto Lodz nur weniges, altes Brot zu essen gegeben habe, sodass damals viele Menschen vom Hungern entkräftet gestorben seien. Mangels Holz zum Heizen sei es in den Gebäuden im Winter zudem so kalt gewesen, „dass sich Eis an den Zimmerwänden bildete“. Zwangsarbeit, körperliche Misshandlungen, Vergewaltigungen, Typhus-Erkrankungen… – die Liste der beschriebenen Schrecklichkeiten war lang. Dementsprechend gedrückt war die Atmosphäre in der voll besetzten Aula der Herderschule.




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