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Wiederholung gewünscht / Nach Kommunalwahl nachdenken, ob Fest Aushängeschild sein könnte / Kritik an Polizei

"Bad Nenndorf ist bunt": Bündnis wertet Fest als Erfolg

Bad Nenndorf (tes). Zwei Wochen nach dem Kulturfest hat das "Bündnis gegen Rechtsextremismus" eine insgesamt positive Bilanz gezogen: "Wir sehen es als Erfolg an, alles ist friedlich geblieben", sagte Sprecher Jürgen Uebel im Pressegespräch. Mit einer Einschränkung: "Die Unterstützung durch die Bürger hätte breiter sein können."

veröffentlicht am 11.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Im Vorfeld habe es in der Bevölkerung viel Verunsicherung gegeben, die sich im Nachhinein als unbegründet herausgestellt habe, so Uebel. Das Veranstalterteam aus DGB, Arbeiterwohlfahrt (Awo), Lokaler Agenda und Bürgern sah eine Ursache für die Verunsicherung im massiven Polizeiaufgebot und in den an die Bürger verteilten Informationen im Vorfeld. Der DGB-Regionsvorsitzende Sebastian Wertmüller reagierte verärgert auf das Vorgehen der Polizei: "Der Wortlaut des Flugblattes der Polizei war fast schon ehrenrührig", sagte der stellvertretende Versammlungsleiter. Die Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg hatte darin friedlichen Protest der Nenndorfer Bürger begrüßt und zugleich davor gewarnt, sich von gewaltbereiten Gegnern der Demokratie - egal ob rechts oder links - "instrumentalisieren" zu lassen. Im Vorgespräch habe die Polizei keine ihrer im Flugblatt geäußerten Befürchtungen hinsichtlich einer Eskalation kundgetan, kritisierte Wertmüller. Keiner der an der Gegendemonstration Beteiligten habe sich "fremdgesteuert in der Gegend bewegt", betonte er. "Die Veranstaltung war offen für alle." Der DGB versuche mit allen Beteiligten vorab zu klären, dass es an dem Tag keine Auseinandersetzungen gebe. Sicher wäre mehr Engagement der Politiker und Bürger besser gewesen, räumte Wertmüller ein. "Aber unterm Strich haben sich Nenndorfer aktiv beteiligt", verwies Stephan Hartmann von der Awo und "Schaumburg ist bunt" auf Aktionen von VfL, Feuerwehr, jüdischer Gemeinde und Jugendzentrum. Da die Veranstaltung eine Reaktion auf die Anmeldung der Rechten gewesen sei, "blieben nur sechs Wochen Vorbereitungszeit", erklärte Uebel zur Kritik am Programmablauf. Aus Awo-Sicht habe sich der Aufwand gelohnt, und das Fest sei für das erste Mal "sehr positiv" gelaufen, betonte Kreisgeschäftsführerin Heidemarie Hanauske. Zudem habe das Kulturfest das massive Polizeiaufgebot nicht ausgelöst. Angesichts der von der rechten Szene angedrohten neuen Aufmärsche wünscht sich Uebel "mit Politik und Bürgern im Gespräch zu bleiben und das gemeinsam in den Griff zu kriegen". Und: Das Bündnis will das Kulturfest zu einer festen Veranstaltung in der Kurstadt machen. Dietmar Buchholz erklärte: "Das Konzept läuft bundesweit so, linke Demo und Kulturfest." Zudem sei es mutiger, ein Kulturfest inhaltlich und personell mitzutragen und nicht nur per "Ablassspende" seine Unterstützung zu zeigen. Viele Nenndorfer wünschten sich, dass diese Diskussionen nicht geführt werden müssen, ergänzte Uebel. Bis nach den Kommunalwahlen sei Zeit, "um darüber nachzudenken, ob ein Kulturfest nicht ein interessantes Aushängeschild für Bad Nenndorf ist." Das Bündnis verstehe sich als Ansprechpartner für Politiker und Bürger und erhoffe sich, dass ruhige Diskussionen geführt werden - "konstruktiv, sachlich und solidarisch". Für Uebel ist das eine "eigenständige Aufgabe" für Politiker und Bürger: "Wir können da etwas Gutes hinkriegen."

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