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Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik bereist ehemalige Sowjet-Satellitenstaaten

Baltikumüberzeugt mit Bereitschaft, sich im neuen Europa einzubringen

Bückeburg. "Drei Schwestern steh'n am Meeresstrand, von Ohnmacht und Müdigkeit niedergedrückt, zertreten das Land und zertreten die Seelen dreier Völker Ehr und Verstand ..." sangen die Menschen damals in drei Sprachen, als die Sowjetunion das Baltikum noch fest im Griff hatte. Nun sind mehr als zehn Jahre nach der Unabhängigkeit vergangen, und noch immer haben die drei baltischen Staaten es schwer, im übrigen Europa Gehör zu finden.

veröffentlicht am 14.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

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Wie europäisch sind, handeln und denken die Menschen dort? Dieser Frage sind 32 Mitglieder der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik Sektion Minden nachgegangen, als sie für zwei Wochen Estland, Lettland und Litauen bereisten. Eine Antwort fanden sie 26 Kilometer nördlich von Vilnius, der Hauptstadt von Litauen, auch als "Jerusalem des Nordens" gerühmt. Hier stießen sie auf den geographischen Mittelpunkt Europas und vollzogen mit ein wenig Skepsis nach, was 1989 Wissenschaftler des Französischen Nationalinstituts für Geographie auf 54 Grad 51 Minuten nördlicher Breite und 25 Grad 19 Minuten östlicher Länge festgelegt hatten. Es war für alle schon etwas Besonderes, an einem geographischen Zentrum zu stehen, ungeachtet dessen, dass auch andere Länder sich eines solchen Mittelpunktes rühmen. Das Denkmal wurde offiziell zum Tag der Aufnahme des baltischen Staates in die Europäische Union am 1. Mai 2004 eingeweiht, nachdem bereits schon 1992 das litauische Parlament das Umfeld zur kartographischen Schutzzone erklärt hatte. Es präsentiert sich als überzeugendes Bekenntnis zu Europa und ist eines von vielen Sehenswürdigkeiten, die die Reisegruppe während dieser Rundfahrt durch die baltischen Staaten und Helsinki bewundern konnte. Tallinn, Tartu, der Peipussee, Riga, Berg der Kreuze, Wasserburg Trakai, Kurische Nehrung stehen stellvertretend für die zahlreichen Höhepunkte dieser Tour. Die drei baltischen Staaten, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick auch sein mögen, beeindrucken nicht nur durch die Zeugnisse europäischer Geschichte und Beweise beispielhaften Widerstandes gegen Fremdherrschaft, sondern durch eine hohe Bereitschaft, sich in Europa einzubringen, ohne ihre gerade erworbene Unabhängigkeit wieder aufzugeben. Ein Balanceakt, der von der älteren Generation eher zurückhaltend beobachtet, von den Jüngeren mit Eifer und Engagement vorangetrieben wird. Fazit dieser Reise: Das Baltikum ist allein schon seiner kulturellen, historischen und landschaftlichen Höhepunkte wegen eine Reise wert, aber darüber hinaus auch Ermunterung und Beispiel für die Wiederbelebung des europäischen Gedankens und das Vorantreiben gemeinsamer europäischer Politik. Unser Land übernimmt in vier Monaten die Präsidentschaft in Europa. Die baltischen Staaten können hier Impulse setzen.




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