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Stadthäger gilt als aussichtsreicher Kandidat

Balz vor Wechsel zur Bundesbank?

STADTHAGEN. Der Stadthäger Europa-Abgeordnete Burkhard Balz ist für einen Vorstandsposten bei der Deutschen Bundesbank im Gespräch. Der 48-Jährige soll offenbar auf Vorschlag des Landes Niedersachsen in die Chefetage der Bundesbehörde einziehen.

veröffentlicht am 14.02.2018 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 14.02.2018 um 16:33 Uhr

Autor:

Marc Fügmann
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In dem sechsköpfigen Führungsgremium werden zum 30. April dieses Jahres zwei Sitze frei. Für einen davon dürfen turnusgemäß die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen gemeinsam einen Kandidaten nominieren.

Balz genießt in Hannover großes Vertrauen. Auf ausdrücklichen Wunsch seines Landesvorsitzenden Bernd Althusmann saß der CDU-Politiker unlängst bei den Koalitionsverhandlungen mit am Tisch. Althusmann trug ihm sogar den Posten des Finanzministers an, was Balz jedoch abgelehnt hat. Dem Vernehmen nach schätzt auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Stadthäger, weil dieser sich in der Vergangenheit oft über Parteigrenzen hinweg für niedersächsischen Belange engagiert habe.

Nun wollen Althusmann und Weil ihm zu dem Spitzenjob in Frankfurt am Main verhelfen. Als langjähriges Mitglied des EU-Wirtschafts- und Währungsausschusses bringe Balz eine Menge Erfahrung mit, heißt es.

Für den Juristen und gelernten Bankkaufmann, der vor seinem Wechsel in die Berufspolitik einige Jahre im Firmenkundengeschäft bei der Commerzbank in Hannover gearbeitet hat, wäre es ein Karrieresprung. Der Posten bei der Bundesbank gilt als sehr prestigeprächtig.

Hinzu kommt, dass sich für Balz im EU-Parlament auf Sicht keine weitere Entwicklungsperspektive abzeichnet, weil die wenigen in Frage kommenden Schlüsselpositionen vermutlich noch auf Jahre besetzt bleiben dürften.

Anders in Frankfurt, wo die Amtszeiten der Notenbank-Vorstände Carl-Ludwig Thiele und Andreas Dombret in Kürze enden. Thiele ist dort für Bargeld, Dombret für die Bankenaufsicht zuständig. Sein Bereich würde nach heutigem Stand an Balz fallen – falls der Personalvorschlag durchgeht. Denkbar ist aber auch, dass der 48-Jährige ein anderes Aufgabengebiet bekäme. Der Ressortzuschnitt obliegt allein Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, dem selbst wiederum Ambitionen auf die Nachfolge von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), nachgesagt werden.

Dass es überhaupt so kommt, ist allerdings keinesfalls schon sicher. Einem festgelegten Prozedere zufolge werden die Vorstandssessel bei der deutschen Notenbank in der Regel nach Parteibuch und Landsmannschaft vergeben. So wird der Nachfolger für den zweiten frei werdenden Posten vom Bund nominiert und könnte somit zum Spielball im noch nicht abgeschlossenen Berliner Koalitionspoker werden. Vom Ergebnis dort hängt dann möglicherweise wiederum ab, auf wen sich die drei Länder endgültig verständigen und wen die Regierungschefs von Sachsen-Anhalt und Bremen mitzutragen bereit sind.

Balz selbst zeigt im Gespräch diplomatisch zurückhaltend. „Vorstand bei der Deutschen Bundesbank ist eine sehr interessante Aufgabe. Ich fühle mich geehrt, zum Kreis der potenziellen Kandidaten gezählt zu werden.“ Am Ende werde die Besetzungsfrage aber von Bund und Ländern beantwortet.

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