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Basbergstraße sorgt für ganz viel Ärger

Kein Ortsschild macht auf den Stadtteil Ost aufmerksam, die Grenzen zu Hameln Nord, Mitte und Süd verlaufen fließend. Und dennoch zählt Hameln-Ost zu den größten Ortsteilen der Rattenfängerstadt. Die Bewohner schätzen die gute Infrastruktur und die Natur, von der sie umgeben sind. „Im Winter kann ich die Langlaufski vor der Haustür anschnallen“, schwärmt Lore Siemens von ihrem Wohngebiet. Alles sei vorhanden:

veröffentlicht am 16.07.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:58 Uhr

Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Kein Ortsschild macht auf den Stadtteil Ost aufmerksam, die Grenzen zu Hameln Nord, Mitte und Süd verlaufen fließend. Und dennoch zählt Hameln-Ost zu den größten Ortsteilen der Rattenfängerstadt. Die Bewohner schätzen die gute Infrastruktur und die Natur, von der sie umgeben sind. „Im Winter kann ich die Langlaufski vor der Haustür anschnallen“, schwärmt Lore Siemens von ihrem Wohngebiet. Alles sei vorhanden: Nahversorger, Schule, Kindergarten, Kirche. „Nur Kneipen gibt es zu wenig“, sagt VfL-Vorsitzender Peter Krawczyk, „dafür aber umfangreiche Sportmöglichkeiten, die im Fitnessstudio für teures Geld angeboten werden.“ Edelgard Koglin lobt die Beschaulichkeit: „Ich will hier nicht mehr weg.“

Sie alle fühlen sich wohl in Hamelns Osten. Wenn da nicht die Basbergstraße wäre. Von ihr geht ohrenbetäubender Lärm aus – rund um die Uhr. Und auch am Freitag vergangener Woche während der Zusammenkunft zur Dewezet-Serie „Hier leben wir“ auf der sonnendurchfluteten Terrasse des VfL-Heims an der Fahlte muss das muntere und engagierte Gespräch ein ums andere Mal unterbrochen werden, weil der Krach vorbeidonnernder Lastwagen ein Zuhören unmöglich macht.

„Seit Einführung der Lkw-Maut hat das hier dramatische Ausmaße angenommen. Es scheppert rund um die Uhr. Von Nachtruhe können wir nur träumen“, klagt Edelgard Koglin und wird durch energisches Kopfnicken der übrigen Gesprächsteilnehmer bestätigt. „Die Spediteure sparen genau 44 Euro, wenn sie ihre Lastwagen, die beispielsweise von Bielefeld nach Kassel wollen, nicht auf der Autobahn über Hannover, sondern ab Bad Eilsen über die Dörfer, und damit auch durch Hameln fahren lassen“, hat Stefan Meyer anhand eines PC-Programms errechnet. Der Ingenieur, der 1995 aus Stuttgart nach Hameln gekommen ist und sich bewusst im Stadtteil Ost ein Haus gekauft hat, beklagt, dass sich seine Immobilie derzeit wegen des Dauerlärms „nicht mal vermieten lässt.“ Meyer fordert ein Nachtfahrverbot für Lastwagen im Bereich Fahlte/Basbergstraße. Das jedoch geht Peter Krawczyk nicht weit genug; er verlangt ein Tempolimit von 30 km/h und wirksame Geschwindigkeitskontrollen. „Da wir die Südumgehung noch nicht haben, müssen eben andere Dinge Abhilfe schaffen“, begründet er. Schließlich handele es sich bei Fahlte und Basbergstraße um Stadtstraßen, weshalb nun auch die Stadt gefordert sei, nach einer Lösung zu suchen. „Und diese beiden Straßen sind längst zu einer Umgehung geworden“, ergänzt Lore Siemens und berichtet, dass der Lärm insbesondere von Lastwagen mit Container-Aufbauten ausginge, die leer von der Müllverbrennungsanlage in Afferde zurückkämen. „Das scheppert dann ohne Ende“, erzählt Lore Siemens und Stefan Meyer ergänzt: „Der ganze Straßenbelag in diesem Bereich ist ein einziges Flickwerk und jede Bodenunebenheit verursacht bei diesen Fahrzeugen ganz besonderen Lärm.“ Zudem erschüttere der dauerhafte Fernlastverkehr die an der Fahlte und Basbergstraße stehenden Häuser oft bis in ihre Grundmauern. „Irgendwann bricht ein Gebäude in sich zusammen – das ist nur eine Frage der Zeit“, orakelt Meyer.

Hamelns Bürgermeister Herbert Rode, der ursprünglich als Bewohner und damit „ganz privat“ an der Gesprächsrunde teilnehmen wollte, hat die ganze Zeit aufmerksam zugehört. „Diese Ausmaße waren mir so nicht bekannt, ich wohne ja weiter weg von der Basbergstraße. Auch wusste ich bislang nicht, dass es eine städtische Straße ist, sondern bin immer davon ausgegangen, es handele sich um eine Bundesstraße, die außerhalb unseres Einflusses liegt“, bekennt er freimütig, merkt jedoch sofort an: „Die Basbergstraße ist ein Hemmnis für alle. Hier muss schnellstens etwas unternommen werden, um Abhilfe zu schaffen. Ich werde mich als Politiker dafür einsetzen.“ Noch an Ort und Stelle kündigt der SPD-Politiker als Vorsitzender des Bauausschusses an, im Vorfeld der nächsten Sitzung am 12. August dieses Thema mit der Stadt beraten zu wollen: „Dazu wird die Verwaltung etwas Zeit mitbringen müssen.“

Und weil nun der „eigentliche Privatmann“ Herbert Rode doch in die Rolle des Politikers schlüpfen muss, nennen die Anwesenden dem Bürgermeister gleich noch weitere Punkte, die ihrer Meinung nach durch ein Eingreifen der Stadtverwaltung behoben werden könnten. „Die Ampelphase an der Kreuzung Hannoversche Landstraße/Tunnelstraße/Basbergstraße ist schlecht geschaltet. Morgens und abends staut sich der Verkehr bis weit in die Basbergstraße hinein“, beklagte Stefan Meyer. Nach Meinung der Bewohner des Stadtteils Ost liegt das auch darin begründet, dass Lastwagen, die Müll nach Afferde bringen, insbesondere zu Zeiten des Berufsverkehrs unterwegs seien. Auch in diesem Punkt sollte Abhilfe geschaffen werden, forderten sie. „Der Müll kann auch über Rohrsen und die Marienthaler Straße nach Afferde gebracht werden“, schlägt Lore Siemens vor. Und Rode notiert.

Ansonsten aber haben die Bewohner im Stadtteil Ost wenig zu kritisieren. Lob gibt es für den guten Räumdienst der Stadt im Winter, für die gute Verkehrsanbindung zur Innenstadt und dass letztlich die Wege ins Zentrum auch leicht mit dem Fahrrad bewältigt werden könnten. Edelgard Koglin kann sich noch an die Zeit erinnern, als an der Fahlte lediglich Gärten zu finden waren. „Aber dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde immer mehr gebaut“, weiß sie zu erzählen und beklagt, „dass heute zunehmend Ausländer in den Stadtteil ziehen.“ Mit denen aber kommen die Bewohner gut aus, wie betont wird. Schließlich liegt in ihrem Gebiet an der Hunoldstraße auch Hamelns einzige Moschee. Lediglich die Integration lasse zu wünschen übrig, beklagt Peter Krawczyk. In den Jugendabteilungen des VfL seien Kinder mit Migrationshintergrund eine Seltenheit, berichtet der Vorsitzende. Dafür aber werde der VfL-Sportplatz an der Fahlte von Bürgern als Naherholungsgebiet genutzt. „Es gibt viele, die hier einfach nur spazieren gehen – sogar auf der Aschenbahn“, sagt Krawczyk. Einigen Bewohnern aber fehlt die ehemalige Westfalia-Tankstelle an der Basbergstraße, die zwischenzeitlich ihren Dienst eingestellt hat. Meyer: „Da müsste wieder eine Tanke hin. Es war so bequem, dort hinzulaufen, wenn man mal etwas vergessen hatte.“

Ein zentrumsnahes Wohnen mit guter Verkehrsanbindung zur Innenstadt, eine gewachsene Infrastruktur mit Nahver- sorgern, ein intaktes Vereinsleben und sehr viel Grün: Der Bezirk Hameln Ost hat seinen Bewohnern viel zu bieten. So gibt es mit dem Verkehrslärm der Basbergstraße auch nur einen, dafür aber umfassenden, Kritikpunkt. Im vierten Teil der Dewezet-Stadtteilserie „Hier leben wir“ erhalten Sie Einblicke in die Schlaf- und Wohnstadt im Osten Hamelns.

Autor:

Hans-Joachim Weiß, Telefon 05151/200411,

E-Mail: h.j.weiss@

dewezet.de




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