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Festvortrag Dr. Brüdermanns erhellt Details von Marktrecht-Privileg und Marktgeschehen

Befehl missachtet – „gefenglich eingezogen“!

Bückeburg (bus). Als Ernst Graf zu Holstein/Schaumburg – „von Gottes Gnaden Wir“ – anno 1609 befand, dass „unsere Stadt Bückeburgh allhier bey angehender unser Regierung an gebewen und sonsten nicht also beschaffen, das unsere eigene Hoffdiener und Frembde wol unterzubringen gewesen“ und daraufhin den Flecken mit einem Marktrecht-Privileg ausstattete, ging es ihm erklärtermaßen nicht um Bückeburg, sondern um die Versorgung seines Hofes. Das wurde in dem von Staatsarchivleiter Dr. Stefan Brüdermann gehaltenen Festvortrag der Stadtjubiläumsfeier deutlich.

veröffentlicht am 05.02.2009 um 18:54 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 11:21 Uhr

Als Ernst Hof und Regierungskanzlei im Frühjahr 1607 von Stadthagen verlegte, führte Brüdermann aus, musste er bald feststellen, dass es schwierig war, seine Bediensteten und Gäste an diesem Ort zu versorgen. Bückeburg fehlte eine Basis für das eigenständige wirtschaftliche Gedeihen. Ernst verlieh nicht nur das Marktrecht, sondern schuf auch den Marktplatz. Die dort erbauten herrschaftlichen Gebäude verdeutlichten, wer der eigentliche Marktherr war.

Trotz Marktrechtverleihung musste Ernst kräftig nachhelfen, damit die Versorgung seiner Residenz funktionierte. So schrieb er an seinen Drosten und Amtmann auf der Schaumburg einen Brief und forderte prompte Lieferung – verkauft werden sollten „Gense, Endte, Hüner, Eyer, Butter und was sie sonsten an Victualien haben“. Dem Amtmann zu Sachsenhagen ließ er Steinhudes Fischer ähnliches übermitteln. Diesmal sprach der Wunschzettel von „guten Hechten, Barsen, Ahlen und andern Bratfischen“ und enthielt eine unmissverständliche Drohung: Wer den Befehl nicht befolge, dem drohe, „gefenglich eingezogen“ und erst nach Zahlung von 20 Talern freigelassen zu werden. Auch die Fischer aus Rinteln und Oldendorf erhielten Post.

Mit den Wochen- und Jahrmärkten wurde die Stadt zu einem Nahmarktzentrum für das Umland. Bückeburg wuchs, doch städtisches Leben verlagerte sich mit der Zeit. 1831 schrieb der Stadtmagistrat an die fürstliche Polizeikommission: „Der zum Markte bestimmte Marktplatz ist für den größten Theil der hiesigen Stadteinwohner zu entlegen. Vor der hiesigen lutherischen Kirche, als dem Mittelgebäude der Stadt, glauben wir, ist der gelegenste Ort.“




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