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Intendantin Andrea Krauledat erhält für Auftritt bei „Nachgefragt“-Reihe mehrere „Vorhänge“

Begeistern, packen, faszinieren

Bückeburg. „Theater kann begeistern, packen und faszinieren“, sagt Andrea Krauledat. Dass auch sie selbst über diese Eigenschaften verfügt, hat die Intendantin des Mindener Stadttheaters im Rahmen der jüngsten Veranstaltung der Reihe „Nachgefragt“ im Museum Bückeburg unter Beweis gestellt. „Für diese Aufführung haben Sie fünf, sechs oder gar sieben Vorhänge verdient“, bediente sich Klaus Suchland eines Bühnenbegriffs, als er die Referentin verabschiedete.

veröffentlicht am 26.04.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:22 Uhr

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Die gemeinsam vom Museum, der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), in der Suchland den Vorsitz führt, und dem Kulturverein der Ex-Residenz vor fünf Jahren ins Leben gerufene Reihe erlebte unter dem Motto „Das ganze Leben ist Theater“ fraglos einen ihrer inspirierendsten Abende. Was natürlich in erster Linie dem facettenreichen Auftritt der patenten Hauptdarstellerin geschuldet war. Krauledat zeichnet seit 2010 für das Geschehen im Theater der Weserstadt verantwortlich. Seinerzeit setzte sich die in Villingen-Schwenningen geborene Schwarzwälderin gegen 66 Mitbewerber durch.

Die berufliche Verbindung der mittlerweile vierfachen Mutter mit dem Theater nahm ihren Anfang 1985, als sie im Alter von 20 Jahren die Assistentenstelle des Oberspielleiters am Stadttheater Nürnberg annahm. Hier hatte sie schon während des Studiums - Theaterwissenschaften, neue deutsche Literatur und Philosophie - hospitiert. Vier Jahre darauf folgte sie ihrem damaligen Ehemann nach Bremen, wo sie 24-jährig als jüngste Intendantin Deutschlands die Leitung des Packhaus-Theaters übernahm.

„Eigentlich wollte ich dort nur ein wenig Erfahrung sammeln, aber dann sind es schließlich 18 Jahre geworden“, schilderte Krauledat. Jahre, in denen sie mit damals weit weniger als heute bekannten Künstlern wie Urban Priol, Dieter Nuhr und Harald Schmidt zusammenarbeitete. Dem Engagement in der Hansestadt folgte ein knapp zweijähriges Gastspiel bei der Konzertdirektion Landgraf (Titisee/Neustadt), während dessen unter anderem die Organisation von Tourneen auf dem Programm stand.

Die vielfältigen Qualifikationen fanden in Minden, wo sie ein relativ überschaubares Haus mit rund 540 Plätzen lenkt, alsbald einen positiven Niederschlag. Dieser lässt sich vor allen Dingen an den Besucherzahlen festmachen. „Wir haben die Zahl der Abonnements von anfangs 3500 auf jetzt 5100 gesteigert“, gab die Referentin zu verstehen. In diesem Zusammenhang fand die Kooperation mit mehreren Schulen besondere Erwähnung. „Dieser Zusammenarbeit kommt große Bedeutung zu, es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen zu uns kommen“, betonte die 49-Jährige.

Mit dem persönlichen Engagement in der Bühnenwelt könnten enorme Entwicklungssprünge einhergehen. „Die jungen Leute erfahren etwas von sich, von dem sie sonst womöglich gar nicht geahnt hätten, dass sie es können“, legte die Intendantin dar. Solche Erfahrungen spielten wichtige Rollen bei der Ausgestaltung des zukünftigen Lebensweges.

Ihr eigener Weg sei ganz wesentlich von William Shakespeare mitbestimmt worden. „Im Anschluss an den Besuch von dessen „Wie es euch gefällt“ war ich – wie Jugendliche es heute ausdrücken – richtiggehend geflasht“, verriet die Gastrednerin, die just an dem Tag in Bückeburg gastierte, an dem weltweit der 450. Geburtstag des englischen Dichters gefeiert wurde.

„Ich bin anschließend noch 26 oder 27 Mal in diese Vorstellung gegangen und war jedes Mal neu begeistert.“ Der Engländer habe ihr eine zusätzliche Erlebniswelt eröffnet. „Das hat mich als Jugendliche wirklich weitergebracht.“ Damals habe gewissermaßen alles begonnen. „Danach konnte ich nicht mehr ohne Theater auskommen.“

Von der nach wie vor bemerkenswerten Begeisterung profitieren nicht nur die Mindener. Die rund 180 pro Jahr angebotenen Vorstellungen locken auch jenseits der Stadtgrenzen wohnendes Publikum. Und mitunter sogar sehr weit jenseits der Stadtgrenzen wohnendes – das Haus machte in der jüngeren Vergangenheit mit zwei eigenen Wagner-Produktionen bundesweit von sich reden. Die Reihe soll von 2015 bis 2020 mit Wagners „Ring“ eine Fortsetzung finden. Da steht nicht zu erwarten, dass Krauledats Schlusserkenntnis „wenn der Laden leer ist, habe ich etwas falsch gemacht“ von Belang sein wird.

Einen Lehrstand des „Nachgefragt“-Ladens sollen im nächsten Jahr Gastspiele eines Kammerjägers, einer Hebamme, eines Hypnotiseurs und eines weiblichen Clowns verhindern. „Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass diese jeweils von Januar bis April veranstaltete Serie so dauerhaft bestehen würde“, gab GfW-Chef Suchland zu Protokoll.




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