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Interview mit Sparkassen-Vorstand und Dekabank-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann

Bei der Geldanlage ticken Frauen anders als Männer

Hameln-Weserbergland. Die Sparkasse Hameln-Weserbergland investiert jedes Jahr in die Aus- und Fortbildung ihrer Beraterinnen und Berater. In diesem Zusammenhang gab die Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann einen Ausblick auf die Entwicklungen im nächsten Jahr. Frauen und Männer ticken unterschiedlich, was das Sparen angeht. Gerade Frauen sollten bei der Geldanlage mehr Risiko wagen. Was das mit einer längeren Lebenserwartung, unterschiedlichen Lohnniveaus und der Region Hameln-Weserbergland zu tun hat, erklären Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann und Sparkassen-Vorstand Klaus F. Tobisch im Interview.

veröffentlicht am 20.12.2018 um 15:32 Uhr

Deka-Volkswirtin Dr. Gabriele Widmann und Sparkassen-Vorstand Klaus F. Tobisch haben gute Tipps für Geldanlagen. Foto: red

Laut Statistik sparen Männer lieber als Frauen. Warum?

Gabriele Widmann: „Wenn ’lieber‘ gleichgesetzt werden kann mit ’mehr‘, dann ist das korrekt. Männer legen in der Tat Monat für Monat mehr Geld beiseite als Frauen. Der Grund: Männern steht im Durchschnitt mehr Geld zur Verfügung als Frauen.“

Geben Frauen mehr Geld aus? Oder warum haben Männer mehr Geld zur Verfügung?

Gabriele Widmann: „Nein, meine Aussage bezieht sich nicht auf das, was am Ende des Monats übrig bleibt, sondern auf den insgesamt zur Verfügung stehenden Geldbetrag. Männer haben im Durchschnitt mehr Geld, weil ihre Einkommen höher sind, da sie häufiger in Vollzeit arbeiten. Sie erklimmen höhere Karrierestufen und üben tendenziell eher Berufe aus, in denen mehr Geld verdient wird. Und: Nicht nur das laufende Einkommen, auch das Finanzvermögen von Männern ist im Schnitt höher als von Frauen.“

Das hat auch Auswirkungen auf die Rente. Wie wirkt sich das aus?

Klaus F. Tobisch: „Zum einen haben Frauen aus den oben genannten Gründen in der Regel niedrigere monatliche Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwarten. Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge sind die durchschnittlichen Bezüge von Männern im Vergleich zu Frauen viel höher. Zum anderen haben Frauen eine um etliche Jahre höhere Lebenserwartung als Männer, das heißt, sie können mehr Zeit im Ruhestand genießen, müssen diesen längeren Zeitraum aber auch finanziell stemmen.“

Wie kann eine Lösung aussehen?

Gabriele Widmann: „Für Frauen ist es daher umso wichtiger, dass sie sich frühzeitig Gedanken machen, wie sie zusätzliches privates Vermögen aufbauen. In der aktuellen Niedrigzinsphase ist es allerdings nicht einfach, das Ersparte gewinnbringend anzulegen. Hinzu kommt: Frauen sind im Umgang mit Geld deutlich sicherheitsorientierter. Sie sind sich dessen bewusst, dass ihr Geld knapp ist. Entsprechend wollen sie tunlichst Verluste vermeiden.“

Niedrigzinsen und Sicherheitsbedürfnis: Wie passt das zusammen?

Klaus F. Tobisch: „Schon seit Anfang dieses Jahrzehnts plagen sich unsere Kunden mit Zinsen für sichere Anlagen herum, die zum Teil deutlich niedriger sind als die Inflationsrate. Da ist also einerseits das berechtigte Sicherheitsbedürfnis der Frauen bei der Geldanlage, andererseits aber die Tatsache, dass sichere Anlagen nach Abzug der Inflation an Kaufkraft, also an Wert verlieren. Das dürfte noch eine ganze Zeit lang so bleiben. Insofern lohnt es sich zu überlegen, welche Ertragserwartungen die einzelnen Geldanlageklassen mittel- und langfristig haben. Denn je höher die Erträge einer Geldanlage sind, desto weniger muss gespart werden, um ein bestimmtes Vermögen anzusparen. Und je höher die erzielte Rendite ist, desto stärker wirkt im Zeitablauf der Zinseszinseffekt.“

Was bedeutet der Zinseszinseffekt konkret?

Klaus F. Tobisch: „Hier kommen nun die chancen-, zugleich aber auch schwankungsreicheren Aktienanlagen ins Spiel. Sie haben langfristig deutlich höhere Ertragserwartungen, sind damit aber auch mit viel höheren Wertschwankungen behaftet. Den negativen Effekt dieser Schwankungen kann man allerdings abmildern. Zum einen verliert das Schwankungsrisiko im Zeitverlauf an Bedeutung. Je länger der Geldanlagehorizont ist, desto weniger bedeutsam werden die kurzfristigen Schwankungen und desto wichtiger wird die Frage nach der tendenziellen Entwicklung. Zum anderen kann man die Schwankungen glätten, wenn man seine Anlagen breit über unterschiedliche Einzelwerte streut und regelmäßig spart.“

Zum Schluss: Welchen Anlagetipp geben Sie Frauen?

Gabriele Widmann: „Mein konkreter Tipp für Frauen bei der Geldanlage: Sparen Sie regelmäßig – am besten monatlich – mit Geldanlageprodukten, die breit gestreut sind und einen nennenswerten Aktienanteil haben. Fangen Sie früh an, dann hilft Ihnen der Zinseszinseffekt umso stärker. Und so ganz nebenbei bemerkt: Diese Sparregel gilt natürlich auch für Männer.“




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