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Bückeburger Autohändler wird mit „Goldener Preis für Führungskultur“ ausgezeichnet

Bei Starnitzke ist vieles anders

BÜCKEBURG. „Wenn Du uns Deine Bewerbungsunterlagen sendest, möchten Wir Dich auf jeden Fall persönlich kennen lernen. Deine Bewerbung ist also die Eintrittskarte für ein Bewerbungsgespräch mit unserem Teamleiter.“ Das heißt: Wer eine Bewerbung abgibt, hat die Hürde Bewerbungsgespräch bereits genommen. Die Art und Weise, wie Frank Starnitzke, Chef des gleichnamigen Autohauses, auf seiner Homepage nach Mitarbeitern sucht, sucht ihresgleichen.

veröffentlicht am 07.12.2018 um 10:36 Uhr

Goldener Preis für Führungskultur: Frank Starnitze (3.v.l.) nimmt die Auszeichnung von Tammy Berberick, Präsidentin von Crestcom International, entgegen. Mit dem Bückeburger freuen sich Crestcom-Geschäftsführer Joachim Schulz (l.) und Crestcom-Vertri

Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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„Wir hatten zwei Stellen für Auszubildende ausgeschrieben und 52 Bewerbungen erhalten“, berichtet der Opel-Händler mit Sitz an der Kreuzbreite. Die Gespräche führte Starnitze alle selbst, zehn bis elf pro Tag – und das, ohne zuvor auch nur einen einzigen Blick in die Bewerbungsunterlagen getan zu haben.

Am Ende zahlte sich dieser Nonkonformismus für die Firma aus: Starnitzke entdeckte unter den 52 Bewerbern nicht nur zwei, sondern sogar drei geeignete Auszubildende und stellte sie ein. Selbst wer bei dem Gespräch durchfiel, soll das Autohaus in vielen Fällen mit einem Lächeln im Gesicht verlassenhaben. „Er sah danach für seinen Lebensweg klarer“, so der 53-Jährige.

Dass bei Starnitzke vieles anders ist als in anderen Firmen – das hat sich offensichtlich herumgesprochen. Jüngster Beleg dafür ist der „Leadership Award 2018“, der Goldene Preis für ausgezeichnete Führungskultur, den das weltweit operierende Beratungs- und Trainingsunternehmen „Crestcom International“ Starnitzke jetzt in Bad Homburg verliehen hat. Der Leadership Award wird an Firmen vergeben, die ein außergewöhnliches Engagement in die Entwicklung von Führungsqualitäten an den Tag legen; über 600 nationale Unternehmen hatten sich darum beworben.

„Wir selbst trainieren seit März sieben Mitarbeiter einmal im Monat halbtags bei Crestcom“, erzählt Starnitzke. Er selbst versteht sich an der Kreuzbreite nicht als klassischer Chef, sondern als „Coach“, als Trainer seines 28-köpfigen Teams: „Wir haben bewusst unterschiedliche Kulturen, Mentalitäten und Charaktere in unseren Reihen.“ Das, so der Bückeburger, mache das Team stark.

Die Leitidee, die alle vereint, beschreibt Starnitzke so: „Befreundet sein“. Das gelte für die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander, aber auch zu den Kunden des Autohauses. Der Opel-Händler illustriert das mit einem Beispiel: Als eine sonst gute Kundin, unversehens in Geldnot geraten, eine Reparatur an ihrem Auto nicht habe bezahlen können, reaparierte Starnitzke den Wagen trotzdem. „Ich habe die Frau dann gebeten, die Rechnung zu bezahlen, wenn wieder Geld im Haus ist“, sagt der Bückeburger. Seine Firma feiert im nächsten Jahr ihr 60-jähriges Bestehen.

Hintergrund: Die Crestcom International LLC mit Hauptsitz in Denver, Colorado (USA) entwickelt nach eigener Darstellung seit 27 Jahren in mehr als 60 Ländern Vorgesetzte zu Führungskräften und soll ihnen die notwendigen Fähigkeiten ermitteln, die Geschäftsergebnisse ihres Unternehmens zu steigern; Vertriebsteams sollen so geschult werden, dass sie die Sicherheit und das Selbstbewusstsein erlangen, „jederzeit den Abschluss zu suchen“. Dreiviertel der weltweit erfolgreichsten Unternehmen sollen diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Die Crestcom Führungsschulen in Deutschland wurden 2008 gegründet und böten heute Führungstraining bundesweit an 47 Standorten an; sie sollen 1200 Kunden aus dem Mittelstand haben.




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